Regionalkonferenz Stuttgart:
Potenzialanalyse klingt wie ein Schulgong – jetzt geht’s los

13.03.2012 | Stuttgart

Potenzialanalysen oder Kompetenzanalysen sind wie ein Schulgong: Sie signalisieren den Jugendlichen, dass die Berufsorientierung beginnt. Es gibt unterschiedliche Verfahren, die Stärken und Interessen der Schüler zu erkunden. Dabei stehen Schulen und Berufseinstiegsbegleiter vor großen Herausforderungen. Lösungen erarbeitete die Regionalkonferenz in Stuttgart.

Mehr Kompetenztraining gefordert

Eines ist gewiss: Die Potenzialanalyse hat das Denken an vielen Schulen positiv verändert. Die Lehrkräfte schauen weniger auf die Defizite, umso mehr auf die Stärken ihrer Schüler, so das Ergebnis auf der Bildungsketten-Regionalkonferenz in Stuttgart am 13. März 2012.

Sven Kindler, Ten-Brink-Schule Rielasingen-Worblingen, spricht im Forum zur Potenzialanalyse über einen Paradigmenwechsel.

Zwei Beispiele: In Baden-Württemberg löste die Einführung der Kompetenzanalyse Profil AC einen Paradigmenwechsel aus, sagte Sven Kindler (Ten-Brink-Schule Rielasingen-Worblingen). Die Lehrer begreifen sich als Lernbegleiter, während der Frontalunterricht an Bedeutung verliert. In Hessen bringt das Kompetenzfeststellungsverfahren KomPo 7 Schüler und Wirtschaft sehr früh zusammen, betonten Bettina Eiserloh und Norbert Schultze vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.

Analysen als Gesprächsgrundlage

Diese Analysen allein machen allerdings noch keine optimale Berufswahlvorbereitung aus, hieß es in der Diskussionsrunde. „Was in einigen Schulen zu kurz kommt“, bemängelte Dieter Lallathin (Mariaberg A&S, Pfullendorf), „ist ein Kompetenztraining, das sich an die Potenzialanalyse anschließt und die Stärken der Jugendlichen gezielt ausbaut.“ Das Land Baden-Württemberg plant laut Moderatorin Anke Schwarz (Werkrealschule Mietingen-Schwendi), das Kompetenztraining in der 10. Klasse zu verankern.

In der Schule ziehen die Berufseinstiegsbegleiter die Ergebnisse der Analysen heran, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. „Sogar ein Jahr danach“, berichtete Norbert Schultze aus der Praxis in Hessen. Dabei warf Thomas Kaufmann (Volkshochschule Rheingau-Taunus) die Frage nach dem Datenschutz auf – ein Thema, das auch auf den anderen Regionalkonferenzen viel  diskutiert wurde.

In Hessen zum Beispiel müssen Eltern ihr Einverständnis zur Datenweitergabe geben. Insgesamt sollten Eltern möglichst eng in die Berufswahlvorbereitung ihrer Kinder einbezogen werden, so Harald Ziegler von der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart.

Bildungspolitisch spielt die Potenzialanalyse in der Initiative Bildungsketten sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene eine zentrale Rolle. „Die Feedback-Gespräche mit den Jugendlichen sind ein wichtiger Motor im Berufsorientierungsprozess“, erklärte Susanne Kugler, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg. „In diesem Prozess brauchen wir die Berufseinstiegsbegleiter. Für chancenärmere Jugendliche nehmen sie eine ganz entscheidende Brückenfunktion zwischen Schule und Berufsausbildung ein“, ergänzte Claudia Prusik von der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit.

Was passiert mit den Ergebnissen der Potenzialanalyse? Diskutieren Sie darüber mit Praktikern/innen in der Bildungsketten-Community auf www.qualiboxx.de

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