Regionalkonferenz Berlin:
Berufsorientierung – In drei Schritten ein Netzwerk schmieden

04.05.2012 | Berlin

Wie entsteht an einer Schule ein Netzwerk? Akteure aus Schule, Politik und Wirtschaft suchen nach einem Masterplan, um Angebote für Jugendliche in der Berufsorientierung sinnvoll zu verzahnen. Drei Schritte sind entscheidend, so das Ergebnis der Bildungsketten-Regionalkonferenz in Berlin.

Viele Angebote, viele Schnittmengen

Beim ersten Schritt zu einem Netzwerk geht es darum, Transparenz in die verschiedenen Angebote der Berufsorientierung zu bringen. „Wer macht was - diese Frage sollte sich eine Schule anfangs stellen“, erklärte Jana Pampel (SPI Consult), Referentin auf der Regionalkonferenz der Initiative Bildungsketten am 4. Mai 2012 in Berlin.

Denn die Vielfalt ist groß, wie das Beispiel einer Integrierten Sekundarschule in Berlin zeigt. Sie kann zwischen 31 Angeboten von Bund, Land und Stadtbezirk wählen. Häufig gibt es Schnittmengen bei der inhaltlichen Ausrichtung und den Instrumenten. Die Potenzialanalyse etwa setzt gleich mehrere Anbieter ein.

Deshalb steht eine Schule beim zweiten Schritt vor mehreren Herausforderungen. Sie muss die für sie am besten geeigneten Angebote auswählen, inhaltlich aufeinander abstimmen und koordinieren. Was dabei zu beachten ist, dokumentiert die folgende Checkliste:

  • Welchen Unterstützungsbedarf hat eine Schule, um den Jugendlichen den Übergang in die Berufswelt zu ermöglichen?
  • Wie ist die Qualität der Angebote?
  • Welches Angebot spricht welche Schülerinnen und Schüler an?
  • Wie passen die Angebote ins Schulkonzept?
  • Wie gelingt die Kommunikation zwischen Schule und externen Partnern?

Im dritten Schritt gründen die Kooperationspartner einen Arbeitskreis, der regelmäßig zusammenkommt. „Wichtig ist, dass die Partner ein verbindliches Ziel festlegen und sich auf eine gemeinsame Arbeitsweise einigen“, sagte Jana Pampel. Feste Ansprechpartner und ein Koordinator bei der Schule tragen dazu bei, ein Netzwerk zu stabilisieren. Das belegen die Erfahrungen aus dem Berliner Beispiel.

Die Rolle der Schule – kontrovers diskutiert

Nicht immer sind sich die Teilnehmer einer Meinung. Im Forum „Ketten schmieden, Netze knüpfen” vertritt Manfred Scholz, Internationaler Bund, seine Ansicht.

Welche Rolle eine Schule im Berufsorientierungsprozess spielt, darüber gingen die Meinungen in der Diskussionsrunde auseinander. „Für eine Schule ist es nicht zumutbar, die Angebotsvielfalt mit großem Aufwand selbst zu sichten“, so Regina Schmidt-Roßleben (kiezküchen Berlin).

Manfred Scholz (Internationaler Bund) sprach sich dafür aus, dass Dienstleister die Angebote zusammentragen und sichtbar machen.

Seine Kollegin Alice Wittmann verwies auf den „gesellschaftlichen Auftrag“, den Schulen zu erfüllen hätten. Deshalb solle die Schule für die Gesamtkoordination zuständig sein. Auch Jana Pampel sieht die Federführung bei der Schule. Ganz anders war das Ergebnis auf der Regionalkonferenz in Koblenz ausgefallen.

Für Dr. Wolfgang Skroch, Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, kommt es darauf an, die Systematik und Nachhaltigkeit in der Arbeit mit Bildungsketten-Akteuren zu fördern: „Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben, die Aktivitäten aller Partner noch besser aufeinander abzustimmen und doppelte Arbeitsabläufe zu vermeiden“. Bei der Berufseinstiegsbegleitung, an der viele Partner beteiligt sind, erkennt Skroch bereits große Erfolge. Das Instrument habe bei der Betreuung von Jugendlichen eine Lücke geschlossen, die vorher nicht zu schließen gewesen sei.

Welchen Stellenwert die Initiative Bildungsketten aus landespolitischer Sicht hat, erläuterte Dr. Thomas Nix, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin „Künftig wird es darauf ankommen, auch den Jugendlichen mit Startschwierigkeiten besser als bisher den Einstieg in eine betriebliche Ausbildung und den Ausbildungsabschluss zu ermöglichen. Die Bildungsketten zeigen Möglichkeiten auf, wie dies gelingen kann. Sie sind eine zielführende Unterstützung der Maßnahmen, die wir auch in Berlin umgesetzt haben.“

Nächste Veranstaltungsreihe: die Bildungsketten-Werkstatt

Mit Abschluss der insgesamt acht Regionalkonferenzen plant die Servicestelle Bildungsketten eine weitere Veranstaltungsreihe: In der Bildungsketten-Werkstatt erstellen Praktiker Materialien, Leitfäden und Handlungstipps für die Fachkräfte an der Basis.

Thematisch baut die Werkstatt auf den Arbeitsgruppen der Regionalkonferenzen auf. Zudem fließen die Erkenntnisse aus den Konferenzen in die Arbeit der Bund-Länder-Begleitgruppe. Die regionalen Partner der Bildungsketten bieten bei Bedarf flankierende Veranstaltungen an, um den fachlichen Austausch auszubauen.

„Wir bedanken uns bei allen für die aktive Mitarbeit“, verabschiedete Jens Peschner, Leiter der Servicestelle Bildungsketten, in Berlin die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Und wir freuen uns, den einen oder anderen in der Bildungsketten-Werkstatt wieder zu sehen.“

Welche Rolle hat die Schule bei der Berufsorientierung? - Diskutieren Sie darüber mit Praktikern/innen in der Bildungsketten-Community auf www.qualiboxx.de

Dokumente

Ansprechpartner

  • Servicestelle Bildungsketten beim Bundesinstitut für Berufsbildung

    • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    • Michael Schulte
    • Telefonnummer: 0228/107-2336
    • E-Mail-Adresse: michael.schulte@bibb.de