„Immer an vorderster Front“ – Podiumsdiskussion zum Einstieg ins Berufsleben

Stefanie Rießler macht gerade ihren Abschluss, dann folgt eine Ausbildung. Für viele Jugendliche ist der Übergang von der Schule in den Beruf nicht leicht. Mit Akteuren der Berufsbildung diskutierte Stefanie, wie er erfolgreich gestaltet werden kann.

Berufseinstiegsbegleiterin Ute Jungherz, Schülerin Stefanie Rießler, Angelika Richter, Lehrer und Berufswahlkoordinator Wolfgang Figgen, Moderator Nicolas Tribes (WDR 3) und Senior-Experte Hans-Josef Kahlen (v.l.n.r.) stellten sich auf der didacta der Diskussion „Traumberuf oder Albtraum?“.

Eine Schülerin, eine Berufseinstiegsbegleiterin, ein Berufswahlkoordinator, eine Mutter, ein Senior-Experte – fünf Personen, eine Bildungskette. Stefanie Rießler, Ute Jungherz, Wolfgang Figgen, Angelika Richter und Hans-Josef Kahlen stellen auf dem Gemeinschaftsforum des Bundesinstituts für Berufsbildung und der didacta 2013 in ihren Funktionen eine Bildungskette dar.

Unter dem Titel „Traumberuf oder Albtraum? – Wie gelingt Jugendlichen der Einstieg ins Berufsleben“ berichten sie, wie ihre Arbeit ineinandergreift. Moderiert wird die Diskussion von WDR-3-Moderator Nicolas Tribes.

 

Frühzeitig Unterstützung bieten

Ute Jungherz (links) begleitet Stefanie Rießler beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Stefanie Rießler ist Schülerin der 10. Klasse. Veranstaltungskauffrau möchte sie werden. Doch das war nicht von Beginn an klar. Die Potenzialanalyse zeigte zwar, dass ihre handwerklichen Fähigkeiten besonders gut ausgeprägt sind. Doch in der Berufseinstiegsbegleitung stellte sich heraus, dass Stefanie andere Interessen hat.

„Ein Jahr hat die Orientierung gedauert“, erzählt Stefanie. Sie ist eine von den Schülern der Katholischen Hauptschule (KHS) Großer Griechenmarkt in Köln, die an der Berufseinstiegsbegleitung teilnimmt.

„Es gibt noch nicht genug individuelle Hilfe. Bedarf haben eigentlich alle, bei keinem ist der Prozess klar“, sagt Wolfgang Figgen, Lehrer und Berufswahlkoordinator an der KHS  Großer Griechenmarkt.

Großer Andrang bei der Podiumsdiskussion

Bereits in der siebten Klasse startet an der Schule zum Beispiel das Handwerkerinnenhaus für Mädchen. In den Klassen 8, 9 und 10 folgen Schülerbetriebspraktika. Für zwei Schüler pro Jahrgang kann die Schule individuelle Berufseinstiegsbegleitung anbieten.

Gerade das frühzeitige Einsetzen der Maßnahmen ist von zentraler Bedeutung, erklärt Berufseinstiegsbegleiterin  Ute Jungherz (Jugendhilfe Köln): „Man kann den Schülern beim Übergang ins Arbeitsleben zur Seite stehen. Die Schüler können es sich nicht vorstellen, wie es ist, nicht mehr in der Schule zu sein, sondern acht Stunden am Tag im Betrieb, immer an vorderster Front und immer das zu tun, was der Chef sagt. Das ist für viele sehr, sehr anstrengend.“

 

Faktor Eltern

„Ich hätte meiner Tochter bei den Bewerbungen gar nicht helfen können“, erklärt Angelika Richter.

Wie Stefanie Rießler ist Angelika Richters Tochter ebenfalls eine Schülerin, die von Ute Jungherz begleitet wird. Dass ihre Tochter ausgewählt wurde, war für die Mutter eine große Erleichterung: „Ich hätte meiner Tochter bei den Bewerbungen gar nicht helfen können“, erklärt sie. „Es hat sich so viel verändert. Meine Aufgabe besteht nun vielmehr im Motivieren und Anschieben.“

Die Unterstützung der Eltern ist dennoch wichtig. „Eltern sind eine erhebliche Größe im Berufswahlprozess“, berichtet Jungherz.

So komme es vor, dass Eltern aus unterschiedlichen Gründen wollen, dass ihre Kinder bestimmte Berufe erlernen oder auch nicht erlernen. „Daher bin ich darauf angewiesen, dass Eltern meine Arbeit unterstützen und nicht gegen mich arbeiten.“

Darüber hinaus sei es für die Eltern oft schwierig, alle Fähigkeiten ihres Kindes in einem Beruf vereint zu bekommen, so Angelika Richters Erfahrung. „Eltern haben oft keinen Weitblick“, sagt sie. Der Berufseinstiegsbegleiter dagegen kenne viel mehr Berufe und könne so Fähigkeiten und Interessen besser mit Ausbildungsmöglichkeiten zusammenführen.

 

Begleitung langfristig sichern

Gelingt die Vermittlung des Jugendlichen in einen Ausbildungsberuf, darf die Begleitung nicht abreißen. Bis zum Ende des ersten Ausbildungsjahres betreut Jungherz daher weiterhin die Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

„Wir telefonieren stundenlang“, erklärt Hans-Josef Kahlen über seine ehrenamtliche Tätigkeit als Senior-Experte.

Danach gibt es die Möglichkeit, sich an den sogenannten Senior Experten Service (SES) zu wenden.

Dieser versucht, insbesondere bei problematischen Lehrverhältnissen zu vermitteln und einen Ausbildungsabbruch zu verhindern.

„Es geht darum, Eltern, Lehrer, Ausbilder auf eine Linie zu bringen. Jeder spricht eine andere Sprache und der Lehrling versteht nichts. Ich sitze dazwischen und vermittle“, beschreibt Hans-Josef Kahlen seine Aufgabe. Momentan betreut er ehrenamtlich drei Auszubildende.

 

Angebote müssen individuell sein

Mit dem SES und dem Abschluss der Berufsausbildung endet die Bildungskette. Eine Individualisierung und ein großflächiger Ausbau der Bildungsketten  wünscht  sich daher Berufswahlkoordinator Figgen. Bisher scheitere dies vor allem am  Geld.

Die Bildungskette von der Potenzialanalyse über die Berufsorientierung und -einstiegsbegleitung bis hin zur Initiative VerA hat sich also etabliert. Ziel sollte es nun sein, dass mehr Jugendliche wie Stefanie Teil ihrer eigenen Bildungskette werden und sowohl den Schul- und Ausbildungsabschluss schaffen, als auch den Anschluss im Berufsleben finden.

Publikationen

  • Berufseinstiegsbegleitung - die Möglichmacher ID = 1476

    Titelbild der Publikation

    Informationen für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer

    2015, 40 Seiten
    Bestell-Nr.: 30689

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