Regionalkonferenz Düsseldorf: Förderschüler rücken in den Fokus

19.10.2011 | Düsseldorf

Jugendliche auf Förderschulen brauchen beim Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung eine besondere Unterstützung. Wie diese aussehen kann, haben Praktiker auf der Bildungsketten-Regionalkonferenz in Düsseldorf analysiert. Die Ergebnisse sind für Unternehmer und Berufseinstiegsbegleiter gleichsam interessant.

Wirtschaft muss sich Förderschulen stärker öffnen

Jugendliche auf Förderschulen haben ein Recht auf Zugang zur Bildung und Arbeitswelt. Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung hat diese Jugendliche gestärkt und schreibt für sie ein integratives Bildungssystem vor.

Die Berufseinstiegsbegleitung kann einen Beitrag zur Inklusion leisten, indem sie Förderschülerinnen und Förderschüler zu einem Schulabschluss oder sogar in eine betriebliche Ausbildung begleitet.

Eine erfolgreiche Vermittlung in die betriebliche Berufsausbildung machten die Praktiker aus Schule und Wirtschaft bei der Düsseldorfer Regionalkonferenz am 17. Oktober 2011 von drei Faktoren abhängig:

  • Die Berufseinstiegsbegleitung muss die Potenziale von Förderschülern exakt erfassen und Unternehmen die Vorteile erläutern. Denn die Begleitung orientiert sich nicht an den Schwächen, sondern an den Stärken der geförderten Jugendlichen. Förderschüler sind zum Beispiel sehr gute Praktiker, so ein Befund in der Diskussionsrunde.
  • Die Wirtschaft muss sich Förderschulen stärker öffnen.
  • Unternehmen brauchen eine besondere Beratung und Unterstützung, damit sie sich auf Förderschüler besser einstellen können.

Besondere Situation für Berufseinstiegsbegleiter

Daraus ergibt sich für die Berufseinstiegsbegleiter und -innen (BerEb) eine besondere Situation, wie Moderatorin Satiye Sarigöz (Servicestelle Bildungsketten) von den Praktikern erfuhr. Einerseits sollen die BerEb die Stärken der Förderschüler herausarbeiten, anderseits sollen sie auch deren Grenzen erkennen und akzeptieren lernen. Das falle nicht immer leicht.

Den BerEb bieten sich einige Stellschrauben, um Förderschüler für die berufliche Ausbildung fit zu machen. Dazu zählen etwa die Potenzialanalyse und die Berufsorientierung. „Dabei sind nicht die Instrumente entscheidend, sondern wie die Berufseinstiegsbegleiter diese Instrumente bespielen“, erklärte Wolfgang Heer vom Kolping-Bildungswerk Diözesanverband Köln. Ein Praktikum zur Berufsorientierung etwa kann sich für Förderschüler doppelt positiv auswirken: Sie fassen Vertrauen in ihre eigenen Stärken. Und zugleich erschließen sie Fähigkeiten, die bei der Potenzialanalyse übersehen oder anders eingeschätzt wurden.

Ein Vorteil ist der relativ große Freiraum, den die Berufseinstiegsbegleitung bei den möglichen Zielen für ihre Schützlinge hat: ein Förderschulabschluss, eine Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt oder sogar beides. „BerEb ist eine Unterstützung zum Einstieg in den Beruf, und nicht in die Werkstatt“, sagte Ralf Steinhauer von der Agentur für Arbeit Bonn.

Wie wichtig die Arbeit der Berufseinstiegsbegleitung in einer Förderschule ist, zeigt die Feststellung von Rita Feldkamp, Leiterin einer Förderschule in Osnabrück: „Ohne unseren BerEb können wir uns die Berufsorientierung in unserer Schule nicht mehr vorstellen.“

Online-Fachgruppe zu Förderschulen

Fazit: Die Wirtschaft braucht Fachkräfte. Deshalb sollte sie sich für die Potenziale der Jugendlichen auf Förderschulen öffnen und verstärkt mit Förderschulen zusammenarbeiten. Dadurch käme auf die Berufseinstiegsbegleiter ein umfangreiches Ausbildungsmanagement zu. Sie müssten zum Beispiel mittelständische Unternehmen davon überzeugen, dass Jugendliche aus Förderschulen für eine Ausbildung attraktiv sind.

Kann die Berufseinstiegsbegleitung diese Aufgaben leisten?
Diskutieren Sie darüber in der Bildungsketten-Community auf www.qualiboxx.de

Dokumente

Ansprechpartner

  • Servicestelle Bildungsketten beim Bundesinstitut für Berufsbildung

    • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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