Regionalkonferenz Nürnberg:
"Wenn jeder nur im eigenen Topf kocht, wird es schwierig."

28.11.2011 | Nürnberg

Viele Partner sitzen bei der Initiative Bildungsketten mit im Boot: Schulen, Arbeitsagenturen, Betriebe und mehr. Sie alle unterstützen Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf. Hierfür braucht es regionale Netzwerke, wie ein erfolgreiches Beispiel in Nürnberg beweist.

Nichts dem Zufall überlassen

Dieter Rosner, Bildungsbüro Nürnberg: „Wir sind bei der Umsetzung der Bildungsketten sehr weit vorangeschritten“

Die Stadt Nürnberg überlässt nichts dem Zufall: Ein Bildungsbüro sorgt dafür, dass sich Fördermaßnahmen für Jugendliche an Mittel- und Förderschulen sinnvoll ergänzen. Die städtischen Förderangebote fügen sich in die Initiative Bildungsketten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ein. „Wir sind bei der Umsetzung der Bildungsketten sehr weit vorangeschritten“, erklärte Dieter Rosner vom Bildungsbüro auf der Bildungsketten-Regionalkonferenz in Nürnberg am 27. November 2011.

In Nürnberg haben Bildungsträger und Schulen gemeinsam vereinbart, wie sie die Bildungsketten praktisch umsetzen wollen. Rosner erachtet solche Kooperationsvereinbarungen für „sehr, sehr wichtig“. Denn dadurch erhielten Schülerinnen und Schüler die passende Unterstützung zum richtigen Zeitpunkt. Geregelt ist zum Beispiel, wer die sensiblen Ergebnisse der Potenzialanalyse eines Jugendlichen einsehen darf, wer welche Informationen wann an wen weiterleitet und wie Lehrer und Eltern einzubinden sind, etwa bei der Berufsorientierung.

Modell für andere Städte und Regionen

Andere Städte und Regionen können vom Nürnberger Modell lernen, wie man ein regionales Netzwerk aufbaut. Was dafür zu tun ist, trug Moderatorin Christa Oberth (Forschungsinstitut Betriebliche Bildung Nürnberg) in der Diskussion mit Akteurinnen und Akteuren der Inititaive Bildungsketten zusammen:

   • eine Übersicht aller regionalen Angebote und Akteure erstellen,
   • ein Leitbild schaffen und verbindliche Absprachen treffen,
   • auf Kontinuität bei den Ansprechpartnern/innen setzen,
   • Fördermaßnahmen punktgenau anbieten – also nur was wirklich nötig ist,
   • bestehende Angebote nutzen, z.B. die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit,
   • Eltern aktiv einbeziehen.

Die Praxis zeigt: Wo viele Partner an einem Strang ziehen sollen, kommt es zu Reibungsverlusten. Allein durch die unterschiedlichen Herangehensweisen, die zum Beispiel eine Schule, ein Bildungsträger oder ein Betrieb verfolgen. Felix Fröhlich warb deshalb dafür, mehr Verständnis für die Rolle des anderen aufzubringen und Eigeninteressen zurückzustellen. Zugleich warnte der Konrektor der Nürnberger Ludwig-Uhland-Mittelschule: „Wenn jeder nur in seinem eigenen Topf kocht, wird es schwierig.“

Ketten schmieden, Netze knüpfen – das machen auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Regionalkonferenz in Nürnberg.

Einen Anfang zu finden, das scheint eine der größten Hürden bei der regionalen Netzwerkarbeit. Strukturelle Hemmnisse könnten dafür der Grund sein, ergab die Diskussion in Nürnberg. So erschwerten zum Beispiel unklare Zuständigkeiten und wechselnde Ansprechpartner/innen den Aufbau eines Netzwerks. Andererseits brauche es auch „den Willen, um überhaupt anzufangen“, sagte Margarete Petersein, OloV-Koordinatorin der Stadt Hanau.

Für Nicole Kröcker (Jugendberufshilfe Groß-Gerau) stellte sich zudem die Frage, wie regionale Netzwerke zu finanzieren sind, wie sie sich verstetigen lassen und welche Fördermaßnahmen in eine Region passen. Beim Nürnberger Modell finanziert zum Beispiel die Stadt Nürnberg das Bildungsbüro. Als nächstes ist geplant, das Sonderprogramm Berufseinstiegsbegleitung Bildungsketten in die Nürnberger Fördermaßnahmen stärker einzuflechten.

„Die Berufseinstiegsbegleitung ist genial“

In Bayern hat sich die Berufseinstiegsbegleitung für den Übergang von der Schule in die Berufsausbildung bewährt. „Die Berufseinstiegsbegleitung ist eine geniale Konstruktion, weil sie eine Brückenfunktion hat und so viele Probleme abfangen kann“, erklärte Erwin Siebert, Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit.

Mittel- und Förderschulen geben dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus insgesamt positive Rückmeldungen – verbunden mit dem Wunsch, die Berufseinstiegsbegleitung weiter auszubauen. „Ich halte einen weiteren Ausbau für erforderlich“, sagte Ministerialrat Helmut Krück. Er habe den Eindruck, die personellen und finanziellen Mittel der Berufseinstiegsbegleitung würden effizient eingesetzt – zum Wohl der geförderten Schülerinnen und Schüler.

Was haben Sie bei der regionalen Netzwerkarbeit erlebt? Diskutieren Sie darüber mit Praktikern/innen in der Bildungsketten-Community auf www.qualiboxx.de

Ansprechpartner

  • Servicestelle Bildungsketten beim Bundesinstitut für Berufsbildung

    • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    • Michael Schulte
    • Telefonnummer: 0228/107-2336
    • E-Mail-Adresse: michael.schulte@bibb.de