Potenzialanalyse:
Schülerinnen und Schüler verpacken rohe Eier

15.02.2012 | Hannover

Was die Schülerinnen und Schüler sich da vorgenommen haben, klingt unmöglich: ein rohes Ei aus zwei Höhenmetern fallen lassen, ohne dass es dabei in die Brüche geht. Ihre einzigen Hilfsmittel: vier Pappblätter, Tesafilm und jede Menge Plastikstrohhalme. Die Eierfall-Übung zieht auf der Bildungsmesse didacta viele Gäste an. Bleibt das Ei wirklich heile?

Spielerisch Schlüsselkompetenzen entdecken

Dicht an dicht stehen Nayrouz, Angin, Jan-Sören und Kevin-Pascal von der Leintorschule Nienburg um den Tisch auf dem Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, vor ihnen liegt ein Ei, sie zerschneiden Strohhalme, knicken und kleben – und alles unter den gespannten Blicken der Messebesucher. Die Aktion der Initiative Bildungsketten hat nicht nur viele Zuschauer angezogen, sondern auch zum Mitmachen eingeladen. Eine Handvoll Kinder probiert sich nun am Nebentisch, und auch hier: kreatives Schaffen rund um das Ei, mit Eifer, vor allem Spaß.

Doch was aussieht wie ein harmloses Spiel, soll in Wahrheit die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Jugendlichen ergründen. „Während der Eierfallübung werden Schlüsselkompetenzen erfasst“, sagt Christine Vatterodt vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft, die das Spektakel gebannt beobachtet. Die Übung ist Teil einer umfangreichen Potenzialanalyse, die am Anfang der Berufsorientierung steht und inzwischen bundesweit an vielen Schulen in der 7. oder 8. Klasse durchgeführt wird. „Wo ihre wahren Stärken und Schwächen liegen, erfahren manche Schülerinnen und Schüler erst dann, wenn sie die Potenzialanalyse durchlaufen haben“, sagt Berufseinstiegsbegleiter Daniel Keune, der auch Nayrouz, Angin, Jan-Sören und Kevin-Pascal betreut.

Ergebnisse sind oft überraschend

Ob das Ei nun wirklich bruchsicher verpackt ist?

Die Ergebnisse der Potenzialanalysen haben schon oft für Überraschungen gesorgt, so auch bei Angin. Der 14-Jährige war eigentlich sicher: Sein Talent liegt im Handwerk. Nach der Potenzialanalyse hat sich aber gezeigt: Es ist doch eher der kaufmännische Bereich. Er will nun Bankkaufmann werden. Ob seine Fingerfertigkeit dennoch ausreicht, um das rohe Ei jetzt bruchsicher zu verpacken, wird sich zeigen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt: „70 Prozent“, schätzt ein Mitschüler, und füllt den selbst gebastelten Karton mit den in Stücke geschnittenen Strohhalmen, während ein anderer die Ecken mit Tesafilm verstärkt. „Übungen wie diese zeigen den Schülerinnen und Schülern auch immer, was sie schon alles können. Es bestärkt sie, wenn sie eine schwierige Aufgabe erfolgreich meistern“, sagt Vatterodt.  

Ob die Jugendlichen auch diesmal mit dem Eierfall, ihr Erfolgserlebnis haben, zeigt sich nach einer Viertelstunde. Inzwischen haben auch die kleinen Besucher am Übungstisch – mit fachkundiger Unterstützung – das rohe Ei denkbar bruchsicher verpackt.

Der jeweils Gruppengrößte hält es mit lang gestrecktem Arm in die Höhe, von Drei bis Null rückwärts gezählt: dann der freie Fall – dann Stille. Kurz darauf Jubel in jeder Gruppe: Das rohe Ei ist in beiden Fällen heil geblieben. Vor allem bei Nayrouz, Angin, Jan-Sören und Kevin-Pascal ist der Stolz kaum zu übersehen. Sie haben die Übung heute zum ersten Mal vor Publikum gemacht.

Am Nachmittag treten die Schülerinnen und Schüler des Wilhelm-Raabe-Schulzentrums Eschershausen zur Eierfall-Übung an: Oliver, Karelina und Peter beweisen unter den Augen ihrer Berufseinstiegsbegleiterin Heidi Wokersin, dass auch der Teamgedanke eine wichtige Rolle spielt. Gemeinsam bauen sie Schritt für Schritt eine gut gepolsterte Schachtel für das Ei – das den Sturz aus zwei Metern unbeschadet übersteht.

Ansprechpartner

  • Servicestelle Bildungsketten beim Bundesinstitut für Berufsbildung

    • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    • Michael Schulte
    • Telefonnummer: 0228/107-2336
    • E-Mail-Adresse: michael.schulte@bibb.de