Navigation und Service

Logo Bundesministerium für Bildung und Forschung Logo Bundesministerium für Arbeit und Soziales Logo von Bildungsketten (Link zur Startseite)

KAUSA-Transfer-Veranstaltung: "Bewerben mit wenig Deutschkenntnissen mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI)" : Datum:

Die KAUSA-Landesstelle Bayern hat auf einer Online-Veranstaltung ihr Wissen zum Thema KI und ihre Erfahrungen an über 50 Mitarbeitende der KAUSA-Projekte und der BOFplus-Träger weitergegeben. In Kleingruppen haben die Teilnehmenden den Einsatz von KI diskutiert, ihre Erfahrungen ausgetauscht und Impulse für ihre Arbeit erhalten.

Junge Frau und Beraterin der KAUSA-Landesstelle Bayern sitzen vor Computer
© Fotografin: Gerlinde Kern, KAUSA-Landesstelle Bayern

Wie können junge Menschen mit Migrationshintergrund die Künstliche Intelligenz (KI) einsetzen, wenn sie eine Bewerbung schreiben? Welche Tools eignen sich und worauf sollten sie achten? Mit diesen Fragen haben sich Mitarbeiterinnen der KAUSA-Landesstelle Bayern am 19. März 2026 intensiv auseinandergesetzt. „Generell wollten wir Hilfestellungen zum Bewerbungsschreiben entwickeln“, sagt Projektleiterin Dr. Clarissa Eck. „Dann kam die Welle mit der KI und mehrsprachigen Online-Tools und damit die Idee, KI für Bewerbungen zu nutzen. Unser Wissen geben wir nun seit etwa einem Jahr an Beratungsfachkräfte und Multiplikator*innen aus der Migrationsarbeit weiter. Bisher konnten wir etwa 300 Personen über das Thema informieren.“

KI kann Migrantinnen und Migranten einfach unterstützen

„Wir sind keine IT-Expertinnen und betrachten die KI aus der Nutzerperspektive“, erklärte Dr. Annette Maurer, die bei der KAUSA-Landesstelle Bayern für die Website, den Newsletter und Tools zuständig ist.

An der KAUSA-Transfer-Veranstaltung nahmen KAUSA- und BOFplus-Mitarbeitende mit unterschiedlichen Kenntnisständen teil: 12 % hatten keine Erfahrungen mit KI, 17 % verfügen hingegen über sehr viele Erfahrungen. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden setzen KI-Tools bereits bei der Beratung und Unterstützung von Menschen mit Migrationshintergrund ein. 60 % der Teilnehmenden informieren Migrantinnen und Migranten schon darüber, wie KI im Bewerbungsprozess eingesetzt werden kann.

Praxisnah stellte Maurer verschiedene KI-Tools vor, die ohne Anmeldung genutzt werden können. „Wie soll ein gutes Bewerbungsschreiben aussehen?“, fragte sie die KI „Le Chat“, die in Frankreich entwickelte Alternative zu ChatGPT. Die Teilnehmenden ermutigte sie, die Tools einfach auszuprobieren: „Zur Nutzung von KI ist wenig digitale Kompetenz erforderlich. Sie können auf eine Website gehen und einen Prompt eingeben. Ein Prompt ist eine Frage oder Aufforderung an die KI.“

Wesentlich für Migrantinnen und Migranten ist, dass viele Plattformen in andere Sprachen übersetzen und Texte verbessern können. „Gib mir die Antwort auf Arabisch!“, wäre eine mögliche Aufforderung an die KI. Für die Korrektur von Bewerbungsschreiben eignet sich das Tool DeepL Write, das von einem Kölner Start-Up-Unternehmen entwickelt wurde. Anhand eines Beispiels führte Maurer vor, wie DeepL Write in Texten die Rechtschreibfehler korrigiert oder einen Text in „Einfache Sprache“ umformuliert.

Das Bewerbungsschreiben muss zum Menschen passen

Welche Online-Angebote Menschen mit Migrationshintergrund beim Bewerben helfen können und worauf bei Bewerbungsschreiben zu achten ist, wenn KI eingesetzt wird, erläuterte Gerlinde Kern, Expertin bei der KAUSA-Landesstelle Bayern für Bewerbungsmanagement. Einleitend verwies sie auf Angebote, die in mehreren Sprachen die Berufliche Orientierung und das Bewerben unterstützen – wie  auf die Kompetenzkarten zur Beratung von Einwanderern und den Europass, mit dem ein Lebenslauf und Bewerbungsschreiben erstellt werden kann.

„Wenn Sie KI bei Bewerbungen einsetzen, sollten Sie darauf achten, dass die Bewerbungsschreiben zu den Menschen passen“, betonte Kern. Es solle nicht alles der KI überlassen, sondern kleinteilig vorgegangen werden. So könne zum Beispiel das Anschreiben von der KI nur korrigiert oder der Schreibstil geändert werden. „Am Schluss sollte immer die Authentizität geprüft werden, zum Beispiel, ob die Inhalte stimmen und ob die Sprache zum Absender passt“, empfahl Kern. „Wenn jemand wenig Deutsch kann, dürfen die Sätze nicht zu kompliziert sein.“

Doch KI helfe nicht nur beim Schreiben von Texten, sondern eigne sich auch hervorragend für die Ideenfindung. In der Muttersprache könnten mithilfe der KI leicht Fragen zur Selbstreflexion gestellt oder überlegt werden, welche Punkte in dem Anschreiben angebracht sind. „Mit KI können sogar Vorstellungsgespräche geübt werden. Die KI übernimmt dabei die Rolle des Arbeitgebers“, sagte Kern.

Die Teilnehmenden machte Kern auch auf den Umgang mit möglichen Problemen aufmerksam: „Nicht alle Angaben von der KI sind richtig. Die KI kann etwas Falsches erfinden, das glaubwürdig erscheint. Deshalb sind alle Angaben immer sorgfältig zu prüfen.“ Besonders hob sie hervor, dass der Datenschutz zu beachten ist und keine vollständigen Lebensläufe mit persönlichen Angaben hochgeladen werden sollten, weil die KI die Inhalte dauerhaft speichert. Abschließend empfahl Kern: „Sprechen Sie mit Ihrem Team und den Menschen, die Sie beraten, über die Möglichkeiten und Grenzen der KI.“

Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden

Nach dem Vortrag haben die Teilnehmenden in Kleingruppen diskutiert, wie sie die KI bei ihrer Arbeit mit Migrantinnen und Migranten einsetzen können und welche Vor- und Nachteile bestehen.

Erfahrene KI-Nutzerinnen gaben weitere Tipps zum Schreiben von Bewerbungen mit der KI. Die BOFplus-Mitarbeiterin Yvonne Gentzsch vom Nestor Bildungsinstitut berichtete, dass sie Text aus Stellenausschreibungen in die KI kopiere, um Bewerbungen zu erstellen. „Hinterher muss die Bewerbung aber gründlich überarbeitet werden“, so Gentzsch. „Bei Menschen mit Migrationshintergrund führe ich immer die Deutschkenntnisse auf.“

Beate Peltzer von der KAUSA-Landesstelle Niedersachsen lädt neben Stellenausschreibungen auch personenbezogene, anonymisierte Daten in das KI-Tool hoch. Im Beratungsgespräch empfiehlt Peltzer den Jugendlichen mit wenig Deutschkenntnissen, dass sie in ihrer Bewerbung auf den Einsatz von KI hinweisen sollen.   

Mit KI geschriebene Bewerbungen können negativ auffallen, wenn der persönliche Charakter fehlt – das war ein wichtiges Resümee der Diskussionen. Stefka Nikolov von der KAUSA-Landesstelle Bayern berichtete von einer Bewerberin, die trotz sehr guter Unterlagen keine Stelle gefunden hatte. „Vermutlich war die Bewerbung zu perfekt“, erläuterte Nikolov. „Vom Betrieb kam die Rückmeldung, dass die Bewerbungsunterlagen nicht zur Person passen und nicht authentisch sind.“

„Schreib wie ein Mensch“, sagt Elinga Karaliou von der KAUSA-Landesstelle Sachsen-Anhalt grundsätzlich in Beratungsgesprächen, obwohl für sie KI zum Alltag gehört. „Die Unternehmen sehen, wenn die KI genutzt wurde und sich jemand keine Mühe gegeben hat. Eine Bewerbung sollte nicht nach KI aussehen.“

Elena Dirlam-Sewostjanow von der KAUSA-Landesstelle Rheinland-Pfalz empfiehlt den Jugendlichen, dass sie so einfach wie möglich schreiben sollen. „Im Handwerk ist es besser, einfach persönlich im Unternehmen vorbeizukommen und in einem Praktikum zu zeigen, dass man fleißig und zuverlässig ist.“

Die Gruppenarbeit hat nochmals verdeutlicht, welche Folgen ein unbedachter Umgang mit der KI haben kann und worauf bei der Nutzung zu achten ist. So kann die KI beim Sprachenlernen weiterhelfen – sie sollte aber nicht das eigenständige Denken ersetzen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die KI gerade für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen zahlreiche Vorteile bietet und daher gut bei Beratungen und beim Schreiben von Bewerbungen eingesetzt werden kann. Nach der KAUSA-Transfer-Veranstaltung gaben 80 % der befragten Teilnehmenden an, Migrantinnen und Migranten in Beratungs­gesprächen über den Einsatz von KI im Bewerbungsprozess zu informieren.

Online-Schulungen und Materialien der KAUSA-Landesstelle Bayern

Veranstaltungen

Die KAUSA-Landesstelle Bayern bietet einstündige Online-Vorträge und 2,5-stündige Workshops zum Thema „Bewerben mit wenig Deutschkenntnissen – KI & Co“ an. Die Veranstaltungen richten sich insbesondere an Haupt- und Ehrenamtliche, die in der Migrationsarbeit tätig sind. Teilnehmen können zudem interessierte Personen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte, die über gute Deutschkenntnisse auf Niveau B2/C1 verfügen.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen

Materialien

Für Jugendliche mit geringen Deutschkenntnissen sowie für in der Migrationsarbeit tätige Beratungsfachkräfte und Multiplikatoren hat die KAUSA-Landesstelle Informationsblätter und Linklisten erstellt. Veröffentlicht sind diese Materialien in der Toolbox der KAUSA-Landesstelle Bayern unter www.kausa-bayern.de/infothek/links-toolbox sowie auf der Website bildungsketten.de unter Arbeitsmaterialien.