Dialogforum zu aktuellen Themen der Initiative Bildungsketten : Datum:
In einem Dialogforum zur Initiative Bildungsketten kamen Bund, Länder und weitere Fachakteurinnen und Fachakteure zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen in der Beruflichen Orientierung und beim Übergang von der Schule in den Beruf auszutauschen. Die Gespräche lieferten wichtige Impulse für die strategische Weiterentwicklung der Initiative Bildungsketten.
An dem Dialogforum der Initiative Bildungsketten nahmen rund 100 Expertinnen und Experten aus Berufsbildungspraxis, Gesellschaft, Wirtschaft und Forschung teil. Mit dabei waren die 45 Mitglieder der Bund-Länder-BA-Begleitgruppe (BLBG) der Initiative Bildungsketten. Die Veranstaltung fand am 3. Juni 2025 in den Räumen des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in Berlin statt.
Ziel war es, aktuelle Themen der Initiative Bildungsketten sowie ihre zukünftige Weiterentwicklung in Workshops zu diskutieren. Dabei wurden zentrale inhaltliche und programmatische Herausforderungen beleuchtet, Handlungsbedarfe identifiziert und Lösungsvorschläge erarbeitet. Zudem standen die Themen Transparenz und Transfer im Fokus. Die Teilnehmenden konnten sich in einem geführten Gallery Walk über transferfähige Projekte informieren.
Bildergalerie Gallery Walk
Gallery Walk: Projekte zu Beruflicher Orientierung, Übergang Schule – Beruf, Ausbildung
Vorgestellt wurden sechs Projekte aus den Bereichen Berufliche Orientierung, Übergang Schule – Beruf und Ausbildung. Sie gaben Einblicke in unterschiedliche Ansätze und bieten Anknüpfungspunkte für den fachlichen Austausch. Hier finden Sie eine Übersicht zu den Projekten und Konzepten.
Projekt 1: „Transition Guides“
Das Konzept der „Transition Guides“ verfolgt das Ziel, Schülerinnen und Schüler im Übergang von der allgemeinbildenden Schule in das berufsbildende Schulsystem gezielt zu unterstützen. Im Mittelpunkt steht eine individuelle, kontinuierliche sozialpädagogische Begleitung vom zweiten Halbjahr der 10. Klasse an bis in die ersten Monate einer beruflichen Ausbildung oder Maßnahme, über einen Gesamtzeitraum von zwei Jahren.
Die Zielgruppe umfasst Jugendliche ohne Schulabschluss, mit einfacher oder erweiterter Berufsbildungsreife, bei denen absehbar ist, dass sie die Schritte in das schulische Übergangssystem und anschließend in Ausbildung ohne intensive Unterstützung nicht erfolgreich werden bewältigen können. Ziel des Projekts ist eine möglichst stabile Einmündung junger Menschen in eine Berufsausbildung – sei es schulisch, dual-betrieblich oder dual-außerbetrieblich. Auch alternative Wege wie Einstiegsqualifizierungen können je nach individueller Situation einbezogen werden.
Transition Guides sind an berufsbildenden Schulen sowie in der Jugendberufsagentur verortet. Sie arbeiten eng mit Lehrkräften, Berufsorientierungsteams, Eltern und weiteren Netzwerkpartnern zusammen. Ihre Aufgaben reichen vom Beziehungsaufbau über Coaching und Bewerbungsunterstützung bis zur Begleitung in Ausbildung oder Praktikum. Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung berufsübergreifender Schlüsselkompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Selbstorganisation und Problemlösung. Die Begleitung ist freiwillig, setzt jedoch die aktive Mitwirkung der Jugendlichen voraus. Mit diesem Ansatz schafft das Projekt wichtige Voraussetzungen für gelingende Bildungsbiografien und trägt zur langfristigen beruflichen Integration junger Menschen bei.
Projekt 2: „Zweifellos – Finde deinen Weg“ – Unterstützung bei Studienabbruch und -zweifeln
Die Initiative „Zweifellos“ ist eine gemeinsame Initiative der Projekte Beratungsnetzwerk Queraufstieg Transfer, Quickstart Sachsen Transfer und Kompass M-V Transfer. Ziel ist es, eine langfristige Unterstützungskultur für Studienabbrecherinnen und -abbrecher sowie Studienzweiflerinnen und -zweifler zu etablieren und den Transfer guter Praxis bundesweit zu fördern.
Ziele der Initiative sind
- der Aufbau einer gemeinsamen Dachmarke
- die Enttabuisierung des Themas Studienabbruch
- die Förderung von Austausch und Transfer
- die Entwicklung und Hinleitung zu nachhaltigen Unterstützungsstrukturen
- sowie die Sichtbarkeit und Öffentlichkeitsarbeit (z. B. Webseite, Social Media, Podcast)
Transferaktivitäten in der Initiative „Zweifellos“ sind sowohl zwischen den drei Projekten als auch in der deutschlandweiten Öffnung erfolgt – in gemeinsamen Fachtagungen, Netzwerkveranstaltungen, z. B. Betriebs- und Berufserkundungen, der Entwicklung von Selbstlerneinheiten für Beratende (ab 2026 vollständig verfügbar) sowie Kooperationsvereinbarungen und Transferkonzepten. Dabei stellten sich die Tabuisierung des Themas an Hochschulen und unterschiedliche regionale Bedarfe (bei gleichzeitiger Identifizierung auch gemeinsamer Themen) als Herausforderung dar. In der Umsetzung fiel auf, dass die Vermeidung von Doppelstrukturen sowie die Herstellung einer Balance zwischen „Erfahrung“ und dem Anspruch nach „Übersichtlichkeit“ ebenfalls sensible Aspekte bei der Ausgestaltung waren.
Als Erfolgsfaktor konnte klar identifiziert werden, dass bestimmte Indikatoren der Zusammenarbeit zur Wirksamkeit der Initiative beitragen. Dazu gehören neben regelmäßigen Updates und einer offenen Kommunikation zur Herstellung von Transparenz auch die Flexibilität, die es für die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Lösungsfindung braucht sowie langfristig tragende nachhaltige Strukturen, die auch eine Sichtbarkeit, Verlässlichkeit und Wirksamkeit schaffen.
Weiterführende Informationen unter: Zweifellos – Finde deinen Weg
Projekt 3: „BOaktiv“ – auf dem Weg in Deinen Beruf
Mit BOaktiv wurde in Baden-Württemberg ein schulartenübergreifendes Gesamtkonzept zur Erfassung, Dokumentation, Reflexion und individuellen Förderung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen entwickelt. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler nachhaltig in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken – unabhängig von Schulart oder Schulwechsel – und sie gezielt auf den Übergang in Ausbildung oder Beruf vorzubereiten.
Individuelle Kompetenzen in Kombination mit Werten, der individuellen Motivation, familiären Zusammenhängen, Zukunftsvorstellungen, etc. führen zur Entwicklung und Stärkung einer reflektierten und selbstbestimmten Berufswahlkompetenz. Schülerinnen und Schüler übernehmen bei der Entwicklung ihrer Berufswahlkompetenz zunehmend Verantwortung für ihren eigenen Bildungs- und Berufsweg.
Die Grundlage für BOaktiv bildet die in Baden-Württemberg etablierte Kompetenzanalyse Profil AC, die seit 2008 zur Erfassung überfachlicher Kompetenzen eingesetzt wird. In Zusammenarbeit mit weiteren Bundesländern (insbesondere Niedersachsen und Rheinland-Pfalz) wurde das Verfahren durch neue Reflexionsmodule und Instrumente zur emotionalen und zur digitalen Kompetenz ergänzt und technisch weiterentwickelt. Das Konzept ermöglicht eine modulare, bedarfsorientierte, individuelle Zusammenstellung von Tests, Fragebögen, Planspielen und Beobachtungsaufgaben, die als Ausgangslage für Reflexion, individuelle Fördermaßnahmen und persönliche Lernentwicklungsgespräche dienen – alles mit Unterstützung der Plattform BOaktiv.
In der Pilotphase erwies sich BOaktiv als praxistauglich und vielseitig einsetzbar. Die Erfahrungen der beteiligten Schulen flossen direkt in die Weiterentwicklung ein, Best-Practice-Beispiele aus der Erprobung stehen künftig allen Schulen digital zur Verfügung.
Ab dem Schuljahr 2025/2026 ist BOaktiv verpflichtend für die allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe 1 in Baden-Württemberg.
Weiterführende Informationen unter: BOaktiv - BO-BW
Projekt 4: Adaptiver Sprachtest in „2P“ – für Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache
Seit 2018 steht das internetbasierte Verfahren „2P - Potenzial & Perspektive“ Schulen in Rheinland-Pfalz kostenfrei zur Verfügung. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler zur Diagnostik und Dokumentation von Fördermaßnahmen in den Fächern Deutsch, Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Englisch und Mathematik. Ziel des Verfahrens ist es, Lernstände zu erfassen, Lernrückstände zu identifizieren und als Grundlage für eine individuelle und gezielte Förderung zu dienen.
Besonders hervorzuheben ist der Baustein „Lernstand DaZ“, der Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine fundierte Sprachförderung ermöglicht. Dieser Test wurde speziell auf die Bedürfnisse berufsbildender Schulen angepasst, um den Übergang in deren Bildungsgänge flexibel und bedarfsgerecht zu unterstützen.
Ein zentrales Merkmal des Tests ist seine Adaptivität: Die Aufgaben werden in den Sprachkompetenzstufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) von A1 bis C1 angeboten und passen sich dynamisch an die Leistungsfähigkeit der Testteilnehmer an. Die Aufgaben sind dabei speziell für die Zielgruppe entwickelt und berücksichtigen kulturelle Neutralität, um Chancengleichheit zu gewährleisten. Der Test ist einfach zugänglich, erfolgt per E-Mail und kann innerhalb von maximal 45 Minuten durchgeführt werden.
Die Testergebnisse werden in zwei Dokumenten bereitgestellt: Einem Ergebnisdokument für Lehrkräfte, das als Basis für die weitere Sprachförderplanung dient, sowie einem Dokument für Arbeitgebende (auch im Rahmen von Praktika), welches eine präzise Einschätzung des Sprachniveaus der Schülerinnen und Schüler ermöglicht. Das Projekt wird durch die Zusammenarbeit mit Praxisexpertinnen und -experten aus den berufsbildenden Schulen sowie durch wissenschaftliche Beratung aus den Bereichen DaZ-Fachdidaktik und adaptives Testen unterstützt.
2P wird bereits in acht Bundesländern erfolgreich eingesetzt und passt sich flexibel an schulische Gegebenheiten an: Tests können individuell, in Gruppen, wiederholt und zu frei wählbaren Zeitpunkten durchgeführt werden.
Ende 2026 soll 2P – Lernstand DaZ vollständig in die 2P-Plattform Rheinland-Pfalz integriert werden.
Weiterführende Informationen unter: 2P - "Potenzial und Perspektive" Kompetenzfeststellung Rheinland-Pfalz
Projekt 5: „BOje“ – Digitale Unterstützung für gelingende Berufliche Orientierung in Mecklenburg-Vorpommern
Die Herausforderungen in der Beruflichen Orientierung (BO) sind seit Jahren bekannt: Unternehmen finden kaum noch qualifizierte Nachwuchskräfte, während die Ausbildungsabbruchsquoten bundesweit bei rund 30 Prozent liegen – in Mecklenburg-Vorpommern nochmals höher. Gleichzeitig sind die Ressourcen an Schulen wie in Betrieben knapp, Zuständigkeiten oft unklar und die Wege der Zusammenarbeit wenig strukturiert.
boje-mv.de setzt genau hier an: Als digitales Portal bündelt es Informationen, erleichtert den Zugang zu relevanten Akteuren und unterstützt systematisch die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Wirtschaft. Zielgruppe sind insbesondere Lehrkräfte und Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter auf der einen sowie Unternehmen, Kammern und Verbände auf der anderen Seite. Anders als klassische Ausbildungsbörsen fokussiert boje-mv.de auf die inhaltliche und organisatorische Unterstützung von Kooperationen im Bereich der BO.
Für Schulen bietet das Portal rechtliche Rahmenbedingungen (z. B. Versicherungsschutz, Vorschriften), Materialien und Leitfäden für BO-Konzepte und deren Evaluation (u. a. auf Basis des BerufswahlSIEGEL MV) sowie fachlich fundierte Inhalte zu wissenschaftlichen Grundlagen und praktischen Umsetzungsbeispielen. Für Unternehmen und Institutionen ermöglicht boje-mv.de die Platzierung von Angeboten (z. B. Messen, Projekttage, Materialien) und eine zielgerichtete Sichtbarkeit an Schulen durch filterbare Angebotsübersichten.
Entwickelt mit Partnern wie den IHKs, Handwerkskammern und der Universität Rostock, ist das Portal seit August 2024 online. Die Plattform trägt nicht nur zur inhaltlichen Verbesserung der BO bei, sondern bietet durch kontinuierliches Monitoring auch eine strategische Grundlage für weitere Maßnahmen. Langfristig ist das Projekt als Baustein einer landesweiten Fach- und Servicestelle für Berufliche Orientierung in MV gedacht – mit dem Ziel, Strukturen zu stärken, Prozesse zu entlasten und allen Beteiligten mehr Orientierung zu ermöglichen.
Weiterführende Informationen unter: Berufliche Orientierung jederzeit erreichbar - Boje
Projekt 6: „Türöffner: Zukunft Beruf“ – Unterstützungsprojekt der Lokalen Koordinierungsstellen (LOK) an den Oberstufenzentren im Land Brandenburg
Das Förderprogramm „Türöffner: Zukunft Beruf“ im Land Brandenburg unterstützt Auszubildende und Jugendliche ohne Ausbildungsplatz beim Übergang von der Schule in die Ausbildung. Es wird finanziert durch Mittel der Europäischen Union (ESF) und des Landes Brandenburg. Beantragt wird das Programm über Landkreise und kreisfreie Städte. Darüber hinaus helfen die Lokalen Koordinierungsstellen bei Fragen rund um das Thema „Übergang Schule – Beruf“ und lotsen die Jugendlichen zu passenden Unterstützungsangeboten.
Kern des Programms bilden 15 Lokale Koordinierungsstellen an Oberstufenzentren, die Jugendliche mit kompetenzstärkenden Projekten begleiten und bei Problemen gezielt zu Hilfsangeboten lotsen. Die Lokalen Koordinierungsstellen habe ihre Büros direkt in Oberstufenzentren. Sie fungieren als Schnittstelle zwischen Schulen, Betrieben, Eltern und Beratungsinstitutionen und tragen zur besseren Vernetzung im Übergangssystem bei. Ergänzt wird das Programm durch ein Begleitprojekt des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb), das bis Juli 2025 die Qualitätsentwicklung, den Aufbauprozess, Vernetzung und die Öffentlichkeitsarbeit unterstützt.
Die Türöffner haben sich zu einer Unterstützungsstruktur an den Oberstufenzentren entwickelt. Gerade durch die Organisation von kompetenzstärkenden bedarfsorientierten Projekten (z.B. Teambuildings) für die jungen Menschen sind sie sehr nah an den Themen der Jugendlichen und können sich gleichzeitig durch ihre Vernetzung vor Ort für die Themen der Jugendlichen stark machen. Sie arbeiten eng mit den Agenturen für Arbeit und den Jugendberufsagenturen zusammen. Hierzu wurden auch Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen.
Der Türöffner schafft niedrigschwellige Anlaufstellen für die Schülerinnen und Schüler vor Ort und fördert eine enge Zusammenarbeit aller relevanten Akteure. Ziel ist es, die Strukturen langfristig zu verstetigen und auch allgemeinbildende Schulen stärker einzubinden.
Weiterführende Informationen unter: Türöffner 2: Zukunft Beruf - Unterstützungsprojekt der Lokalen Koordinierungsstellen (LOK) an den Oberstufenzentren im Land Brandenburg - f-bb Forschungsinstitut Betriebliche Bildung
Bildergalerie Workshops
Ergebnisse aus den Workshops
Im Rahmen des Dialogforums fanden insgesamt zehn Workshops statt, verteilt auf zwei Workshop-Phasen. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der zentralen Diskussionspunkte und Impulse aus den Workshops:
Workshop 1: Herausforderungen am Übergang Schule – Beruf: Übergangsmanagement gestalten!
Moderation: Susanne Schemmer, Bettina Trappmann-Webers (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Referierender: Frank Neises (Bundesinstitut für Berufsbildung, Arbeitsbereich 4.1 Fachstelle für Übergänge, Grundsatzfragen)
Im Workshop wurden aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Übergangsbereich Schule – Beruf diskutiert. Im Mittelpunkt standen strukturelle Rahmenbedingungen, individuelle Ausgangslagen junger Menschen sowie institutionelle Anforderungen an ein gelingendes Übergangsmanagement. Ein weiterer Fokus lag auf der Vielfalt bestehender Maßnahmen und Bildungsangebote. Die Teilnehmenden setzten sich mit Fragen zur Ausgestaltung von Förderstrukturen, zur Rolle multiprofessioneller Netzwerke sowie zur Bedeutung von Jugendberufsagenturen auseinander.
Weiterführende Informationen unter: ueberaus.de
Workshop 2: Individuelle Begleitung im Übergang
Moderation: Sarah Schippritt (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Referierende: Christian Gardt: Ergebnisse einer wissenschaftlichen Befragung im Rahmen des Projektes BeSOS; Thomas von Fintel: Praxisklassen Hamburg: Lernen in Schule und Betrieb
Im Workshop wurden Herausforderungen und Rahmenbedingungen einer wirksamen individuellen Begleitung junger Menschen diskutiert – auf der Ebene der Teilnehmenden, der Maßnahmen sowie der beteiligten Institutionen und Fachkräfte. Praxisbeispiele dienten als Ausgangspunkt für den fachlichen Austausch. Im Mittelpunkt standen unter anderem Fragen der Rollen- und Aufgabenverteilung in multiprofessionellen Teams, der Verankerung sozialer Dienste an Schulen sowie der Ressourcensicherung. Auch Aspekte der finanziellen und personellen Stabilität sowie der Verlässlichkeit von Strukturen wurden thematisiert. Die Teilnehmenden tauschten Erfahrungen aus und benannten erste Gelingensbedingungen für eine systematisch verankerte individuelle Begleitung.
Weiterführende Informationen unter: besos-sachsen.de und jba-hamburg.de
Workshop 3 + 6: Neuausrichtung BO-Instrumente (Teil I + II)
Moderation: Guido Kirst und Olga Füten (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Referierende: Workshop 3: Guido Kirst (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Workshop 6: Sabine Hakimpour-Jawabreh (Koordinatorin für Berufliche Orientierung, Georg-Herwegh-Gymnasium, Berlin-Reinickendorf); Petra Liese und Sevgül Özbakis (BO-Team der Paul-Löbe-Schule ISS, Berlin-Reinickendorf)
Die Weiterentwicklung der Beruflichen Orientierung – sowohl inhaltlich als auch strukturell – stand im Fokus der beiden Workshops. Ziel war es, Impulse für eine zukunftsfähige Berufliche Orientierung zu erarbeiten, die Jugendlichen eine fundierte und realistische Berufswahlentscheidung ermöglicht. Der erste Teil widmete sich schwerpunktmäßig der Instrumentenebene – insbesondere denjenigen Maßnahmen, die in den Phasen des Einstimmens und Erkundens in den Schulen am häufigsten zum Einsatz kommen. Die Teilnehmenden diskutierten, welche inhaltlich-methodischen Anpassungen oder Neuausrichtungen dieser Instrumente sinnvoll erscheinen, um ihre Wirksamkeit und Passgenauigkeit zu erhöhen. Dabei wurden sowohl allgemeinbildende als auch berufsbildende Schulen in den Blick genommen.
Zum Einstieg des zweiten Teils kamen Vertreterinnen zweier Berliner Schulen zu Wort, die vom Netzwerk Berufswahl-SIEGEL für „Exzellente Berufliche Orientierung“ ausgezeichnet wurden. Sie erörterten, was ihrer Meinung nach gute Berufliche Orientierung ausmacht, wie ihre Schulen sich zu Berufswahl-SIEGEL-Schulen entwickelt haben, welche Hindernisse sie zu überwinden hatten oder auch nach wie vor bestehen. Während des Gesprächspodiums hatten die Teilnehmenden großes Interesse an den unterschiedlichen Voraussetzungen der beiden Schulen und deren Umgang damit.
Weiterführende Informationen unter: Praktische Berufsorientierung - BMBF Bildungsketten
Workshop 4: Digitale Instrumente in der Beruflichen Orientierung
Moderation: André Grabinski (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Referierende: Susanne Enssen und Dr. Monique Ratermann-Busse, Institut Arbeit und Qualifikation, Universität Duisburg, Essen; Oliver Stoy und Karsten Krämer, Alexander-von-Humboldt-Schule, Gymnasium Lauterbach
Im Workshop stand der Einsatz digitaler Instrumente im Kontext der Beruflichen Orientierung im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden diskutierten, wie Schulleitungen und Lehrkräfte die dafür notwendigen pädagogischen, technischen und finanziellen Voraussetzungen schaffen können. Das Motto „Doing Digitality“ verdeutlicht den Anspruch, digitale Arbeitsweisen fest im Schulalltag zu verankern. Es verweist zugleich auf die Chancen der Digitalisierung - etwa als Innovationsmotor für die Gestaltung der Beruflichen Orientierung und zur Stärkung von Berufswahlkompetenzen. Im Austausch wurden Fortbildungsangebote, die Vermittlung digitaler Kompetenzen, Qualitätsmanagement, Prozessbeschreibungen sowie Datenschutz behandelt. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Feedback-Möglichkeiten, die KI-basierte Instrumente im Berufsorientierungsprozess eröffnen.
Weiterführende Informationen unter: berufswahlapp.de
Workshop 5: Einbindung von weiteren Partnern für die Initiative Bildungsketten
Moderation: Carsten Schülke (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Referierende: Yvonne Kohlmann (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, SchuleWirtschaft)
Der Workshop widmete sich den Herausforderungen im Übergang von der Schule in den Beruf. Im Mittelpunkt standen Fragen zur Kooperation und Einbindung weiterer Akteurinnen und Akteure, um Schulen bei der Implementierung von Konzepten zur Beruflichen Orientierung zu unterstützen. Diskutiert wurden unter anderem der Wandel der Arbeitswelt, die zunehmende Vielfalt an Bildungswegen sowie die begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen. Die Teilnehmenden richteten den Blick auf die Notwendigkeit, die Haltung zur Beruflichen Orientierung auf institutioneller Ebene zu stärken und diese als gemeinsame Aufgabe im schulischen Kontext zu verankern. Ein zentrales Thema war zudem der Aufbau nachhaltiger Strukturen, unabhängig von einzelnen „Leuchtturmpersonen“. Zum Abschluss wurden Gelingensfaktoren für eine erfolgreiche regionale Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren herausgearbeitet. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der passgenauen Ausgestaltung in städtischen wie auch ländlichen Räumen.
Weiterführende Informationen unter: schulewirtschaft.de und netzwerk-berufswahlsiegel.de
Workshop 7: Transfer und Weiterentwicklung von Maßnahmen und strukturellen Ansätzen
Moderation: Bettina Trappmann-Webers (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Referierende: Christiane Schönauer-Gragg (Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz) zu „Gelingende Länderkooperation und Transfer – am Beispiel von 2P und Profil AC/BOaktiv“
Der Workshop befasste sich mit dem Transfer von Fördermaßnahmen und erprobten Ansätzen. Im Mittelpunkt standen der Erfahrungsaustausch zur Umsetzung sowie die Vorstellung konkreter Projektbeispiele. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit Fragen zu Impulswirkungen – insbesondere im Hinblick auf die Stärkung von Vernetzung, Kooperation und Koordination. Zudem wurden zentrale Einflussfaktoren für einen erfolgreichen Transfer diskutiert, darunter die Erprobung und Implementierung von Maßnahmen, die wissenschaftliche Begleitung, die Einbindung relevanter Akteurinnen und Akteure sowie Festlegung von Zuständigkeiten und die Sicherstellung von Transparenz. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage der Messbarkeit von Transfererfolgen. Dabei wurde auch erörtert, wie etwa die Länder gegenseitig vom Transfer profitieren können, etwa durch geteilte Finanzierungslasten oder einen effizienteren Ressourceneinsatz. Abschließend wurden Gelingensbedingungen für einen erfolgreichen Transfer formuliert.
Weiterführende Informationen unter: 2P - "Potenzial und Perspektive" Kompetenzfeststellung Rheinland-Pfalz
Workshop 8: Wirkungsorientierung als Steuerungsinstrument
Moderation: Kevin Zäuner (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Referierende: Birgitta Kinscher (Hochschule für Technik & Wirtschaft Berlin)
Der Workshop widmete sich der Frage, wie Fördermaßnahmen gezielt so gestaltet werden können, dass sie bei der Zielgruppe tatsächlich eine nachhaltige Wirkung entfalten. Im Fokus stand dabei nicht nur die Projektpraxis, sondern auch die übergeordnete Governance-Ebene. Im ersten Teil erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Einblicke in das Konzept der Wirkungsorientierung. Dabei wurde das siebenstufige Wirkungsmodell nach Phineo („Wirkungstreppe“) als hilfreiches Analyseinstrument vorgestellt. Im zweiten Teil diskutierten die Teilnehmenden intensiv über Chancen und Herausforderungen einer wirkungsorientierten Steuerung auf strategischer Ebene. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Abgrenzung zwischen Wirkungsorientierung und Evaluation sowie auf der Frage, wie Steuerungsprozesse wirksam und zielgerichtet gestaltet werden können.
Weiterführende Informationen
zu VerOnika up! unter: Good Practice-Datenbank - HRK Modus sowie AbschlussberichtVerOnika.pdf und Startseite Veronika-Verbund
zur Methode der Wirkungsorientierung beispielsweise unter: phineo – Grundbegriffe der Wirkungsorientierung
Workshop 9: Wirkverbünde zur Etablierung von regionalen Kooperationsstrukturen
Moderation: Carsten Schülke (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Referierende: Lara Hensch und Katrina Zuchina (Phineo)
Der Workshop widmete sich dem Thema Wirkverbünde und beleuchtete das Konzept des Collective Impact - des Gemeinsam Wirkens. Dieses Modell basiert auf der koordinierten Zusammenarbeit verschiedener Akteurinnen und Akteure, bei der eine zentrale Anker-Organisation, z.B. ein Bildungsträger oder eine Stiftung, die Koordination übernimmt. Alle Beteiligten bringen ihre Angebote und Fördermaßnahmen für junge Menschen in den Verbund ein. Bei Bedarf können weitere Unterstützungsmöglichkeiten gemeinsam entwickelt werden. Als wirksam gilt eine Kooperation, wenn Wissen geteilt, bestehende Strukturen vereinfacht und klare Abläufe für die Zusammenarbeit definiert werden. Im Fokus des Workshops stand die Frage, welche Faktoren beim Aufbau eines regionalen bzw. lokalen Verbundes eine zentrale Rolle spielen. Diskutiert wurde anhand von Praxisbeispielen, welche Problemlagen entstehen können und welche Lösungsansätze zur Verfügung stehen, zum Beispiel eine gemeinsame Strategie und ein zentrales Wirkungsmanagement.
Weiterführende Informationen unter: Gemeinsam Wirken und Collective Impact: So gelingt die Zusammenarbeit in Verbünden!
Workshop 10: Übergang Schule – Beruf für Zugewanderte: Welche Maßnahmen wirken nachhaltig in unserer Einwanderungsgesellschaft?
Moderierende: Gerburg Benneker (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Referierende: Dr. Katharina Wehking: Herausforderung bei der Integration in Ausbildung; Bodo Fargeon: Erfahrungen aus der Praxis der KAUSA-Landesstelle Bayern
Im Workshop wurde die Frage erörtert, wie die Ausbildungsbeteiligung Zugewanderter gezielt erhöht werden kann. Ausgangspunkt war ein Impulsvortrag, der die besonderen Herausforderungen beim Einstieg in Ausbildung beleuchtete, insbesondere für junge Menschen mit Fluchterfahrung. Daran anknüpfend diskutierten die Teilnehmenden, welchen Stellenwert zukünftige Förder- und Strukturmaßnahmen einnehmen sollten, um – unter Einhaltung bestehender Regelangebote – mehr Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Im Mittelpunkt standen dabei die Gelingensfaktoren für nachhaltige Projekte sowie Ansätze zur besseren Systematisierung bestehender Unterstützungsangebote. Drei zentrale Themen prägten die Diskussion: Die Erreichbarkeit der Zielgruppen, die Kooperation mit Migrantenselbstorganisationen oder Integrations- und Migrationsbeiräte sowie die Ansprache von Betrieben und Unternehmen.
Weiterführende Informationen unter: kausa-bayern.de
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