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Kette statt Flickenteppich – Wie Bund, Länder und Kommunen gemeinsam im Übergang Schule – Beruf wirken können

Wie können Bund, Länder und Kommunen an einem Strang ziehen, um junge Menschen auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf zu unterstützen? Dies war die Kernfrage des Workshops "Kette statt Flickenteppich", mit dem sich die Servicestelle Berufliche Orientierung | Bildungsketten am 12. November 2025 an der Zukunftsträger-Konferenz "The Net Works" der PHINEO AG in Berlin beteiligt hat. 

Carsten Schülke beim Workshop "Kette statt Flickenteppich"
© Stefanie Loos

Im Mittelpunkt des Bildungsketten-Workshops stand die Bestrebung, die Ebenen Bund, Land und Kommune mit Blick auf die Projektlandschaft noch gezielter zu vernetzen, sodass die einzelnen Projekte optimal ineinandergreifen und sich in eine Gesamtlogik einfügen. Dabei geht es um Projekte, die darauf hinwirken, dass Jugendliche individuell abgestimmte Unterstützung erhalten und so die Anzahl der unversorgten Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber sinkt.

Analog zu seiner Ausrichtung wurde der Workshop von einem Trio aus den drei Ebenen angeleitet: Carsten Schülke von der Servicestelle Berufliche Orientierung | Bildungsketten (Bundesinstitut für Berufsbildung) vertrat die Ebene des Bundes, Martina Lüking vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW stand für die Landesebene und Claudia Hilse von der REGE Bielefeld für die kommunale Ebene. Die Teilnehmerschaft des Workshops bestand aus Vertreterinnen und Vertretern von Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Die Mission der Initiative Bildungsketten: Maßnahmen verknüpfen

Der Übergang von der Schule in den Beruf erfordert mehr als isolierte Einzelmaßnahmen wie Praktika oder Informationsveranstaltungen. Die Initiative Bildungsketten setzt auf der (förder‑)politischen Ebene an: Ihre Akteure – das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Länder – stimmen ihre Aktivitäten und Programme systematisch aufeinander ab. Auf diese Weise können sich die verschiedenen Institutionen (Schulen, Jugendberufshilfe, Arbeitsagenturen, Jobcenter, Wirtschaftsbetriebe, Politik und Verwaltung) ergänzen und zusammenwirken.  

Viele erfolgreiche Beispiele belegen, wie eine wirkungsvolle Zusammenarbeit erfolgen kann. Dabei kommt es besonders darauf an, die verschiedenen Verantwortlichkeiten klar zu definieren und die Ressourcen effizient einzusetzen, um Jugendliche passgenau auf dem Weg in die Arbeitswelt zu unterstützen.  

Auf die Wirkung kommt es an: Collective Impact statt Einzelkämpfertum

Es reicht nicht, wenn jedes einzelne Projekt seine eigene, in sich geschlossene, nur auf sich selbst bezogene Wirklogik hat – "das Projekt tut dies, um jenes zu erreichen". Vielmehr soll ein projektübergreifender, bewusst gesteuerter Wirkzusammenhang geschaffen werden. Hier lohnt sich ein Blick auf den Collective‑Impact-Ansatz der „Initiative Zukunftsträger“ des Gastgebers PHINEO. Denn dieser Ansatz bietet ein gemeinsames Ziel, einen Orientierungsrahmen, eine zentrale Koordinierungsstelle, eine abgestimmte Datengrundlage und kontinuierliche interne wie externe Kommunikation aller beteiligten Akteure. Statt auf Einzelkämpfertum zu setzen, geht es um synchronisierte Wirkung – also um das systematische Zusammenspiel von Schulen, Betrieben, Verwaltungen, freien Trägern und Zivilgesellschaft.

An dieser Stelle erfordert es einen Akteur, der den Auftrag und die Kompetenz hat, die Projektlandschaft zu gestalten und ihre Projekte systematisch aufeinander abzustimmen.

In diesem Sinne könnten regionale Akteure aufgestellt oder bereits bestehende Koordinierungsstellen – wie die von KAoA (Kein Anschluss ohne Abschluss, NRW) oder OloV (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule – Beruf, Hessen), möglicherweise auch die Jugendberufsagenturen – noch gezielter für diese Koordinationsaufgabe gestärkt werden.

Das "Aber" bei der Wirkungsorientierung

Was bedeutet „Wirkungsorientierung“ bei Projekten und Strukturen überhaupt, wer kann seine Expertise weitergeben, wie viel Zeit kann und darf es kosten, auf allen Ebenen Kompetenz im Wirkungskonzept aufzubauen? Und lohnt es sich am Ende – messbar? Stichwort „Messung“: Zudem kann es sich als problematisch herausstellen, pädagogischen Fachkräften zu vermitteln, dass eine Wirkungsmessung etwas Positives ist. Da steht für manche der Eindruck „wir werden bewertet“ im Raum, was Vorbehalte auslösen kann. Und natürlich stellt sich immer wieder die Frage der Finanzierung.

Die Servicestelle Berufliche Orientierung | Bildungsketten verfolgt das Ziel, Missverständnisse zum Konzept der Wirkungsorientierung auszuräumen und seine Bedeutung auf allen Ebenen – Bund, Land, Kommune, Projekte – zu befördern. Welche Vorteile bringt es? Wirkungsorientiertes Planen und Handeln trägt zu klareren Zielsetzungen und Fokussierungen von Projekten bei. Es hilft Organisationen, bei der Durchführung von Projekten systematisch zu lernen und ihre Formate kontinuierlich zu verbessern. Das Konzept der Wirkungsorientierung lenkt den Fokus von kurzfristigen Output-Kennzahlen (z.B. "Wir haben 2.000 Jugendliche beraten") hin zu messbaren Outcomes – zum Beispiel, bei wie vielen Jugendlichen sich die Selbstwirksamkeit messbar erhöht hat oder wie viele Jugendliche einen Ausbildungsplatz gefunden haben. Und es gibt Orientierung in der Ressourcenallokation, sodass Gelder dorthin gelenkt werden, wo sie tatsächlich etwas bewirken.

Expertise der Workshop-Teilnehmenden für die Bildungsketten-Vereinbarungen

Die konkrete Fragestellung im Workshop lautete: "Wie gelingt es, dass Bund, Länder und Kommunen im Übergang Schule – Beruf wirkungsvoll zusammenarbeiten?"

Arbeitsziel des Workshops war, die Perspektiven der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufzugreifen, um das spezifische Wissen und die Erfahrungen der Akteure in die Konzepte für die anstehenden Bildungsketten-Vereinbarungen einfließen zu lassen.

Die neuen Bildungsketten-Vereinbarungen sollen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Damit wollen Bund, Länder und die Bundesagentur für Arbeit ihre erfolgreiche Zusammenarbeit in der Initiative Bildungsketten nahtlos fortsetzen. Die Bildungsketten-Vereinbarungen umfassen mehrere Handlungsfelder, zum Beispiel die Berufliche Orientierung, die Weiterentwicklung des Übergangsbereichs zu einem System und die individuelle Begleitung am Übergang Schule – Beruf. Erfolgreiche Fördermaßnahmen sollen inhaltlich weiterentwickelt, ausgebaut und, soweit möglich, verstetigt werden.

Die Veranstaltung "The net works" der PHINEO AG

Die Veranstaltung "The Net Works" brachte Menschen aus verschiedenen Sektoren zusammen, um den Übergang Schule – Beruf durch funktionierende Netzwerke besser zu gestalten – mit einem besonderen Fokus auf Koordination, Dialog und direkter Beteiligung junger Menschen.

Die PHINEO gAG ist ein Sozialunternehmen und unterstützt Non-Profits, Stiftungen, Unternehmen sowie Politik und Verwaltung dabei, maximale gesellschaftliche Wirkung zu erzielen.

Links

The Net Works: Die Zukunftsträger-Konferenz

Die Initiative Bildungsketten