Regionalkonferenz Koblenz:
Berufsorientierung – Trägerverbund entlastet Schulen

21.03.2012 | Koblenz

Schulen stehen vor einer schwierigen Wahl: Welche Förderprogramme passen zueinander, damit Jugendliche eine optimale Berufsorientierung erhalten? In Aachen bündelt ein Trägerverbund sämtliche Angebote. Ergebnis: Die Schulen haben den vollen Überblick, doppelte Inhalte lassen sich vermeiden. Das Aachener Modell zeigt, wie eine regionale Bildungskette arbeitet.

Konkurrenten, die trotzdem kooperieren

Der Auftrag ist anspruchsvoll: „Keine Schule soll sich bei der Berufsorientierung verzetteln“, sagte Margit Keller von der Handwerkskammer Aachen (HWK) über den Trägerverbund mit insgesamt sieben Einrichtungen. Neben der HWK gehören zum Beispiel die städtische Jugendberufshilfe und das Kolping Bildungswerk dazu. Gemeinsam führen sie für 21 Schulen das Berufsorientierungsprogramm durch. „Darauf sind wir sehr stolz“, so Keller auf der Bildungsketten-Regionalkonferenz in Koblenz am 21. März 2012.

Das hat einen guten Grund: Die Partner stehen sich eigentlich als Konkurrenten gegenüber. Doch zusammen können sie für die Jugendlichen mehr erreichen. So durchlaufen in Aachen bereits 1.000 Schülerinnen und Schüler die vorgeschaltete Potenzialanalyse. Demnächst soll sich die Zahl auf 1.700 fast verdoppeln. Anschließend erkunden die Jugendlichen während der Praxiswochen im Trägerverbund sechs bis acht Berufsfelder. Dagegen könnte ein Träger allein nur drei Berufsfelder anbieten. Weitere Angebote, wie die Berufseinstiegsbegleitung, stimmt der Trägerverbund mit den Schulen ab.

Das Aachener Modell warf in Koblenz die spannende Frage auf: Welche Rolle nimmt die Schule im Berufsorientierungsprozess ein? In Aachen sind die Rollen klar verteilt. Der Trägerverbund steuert den Prozess und entlastet die Schulen bei organisatorischen Aufgaben. „Es kommt auf den Schwerpunkt einer Schule an“, sagte Alfred Ortseifer (Bildungswerk der rheinland-rheinhessischen Wirtschaft). Schulen, die Berufsorientierung zum Schwerpunkt machen und entsprechend Personal bereitstellen, können laut Ortseifer mit dem Prozess anders umgehen als jene Schulen, die Berufsorientierung nur als Teilbereich betrachten.

Betriebe begrüßen einheitliche Standards

Durchaus positiv bewerteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Koblenz, wie sich die Wirtschaft in die Berufsorientierung einbringt. „Immer mehr Schulen knüpfen Kontakte zu Betrieben – dieser Prozess läuft“, stellte Gisela Schlosser von der Integrierten Gesamtschule Koblenz fest. „Aber einige Schulen schöpfen das Potenzial für ihre Schüler nicht voll aus“, entgegnete Alfred Ortseifer.

Eine eigene Lösung hat der Trägerverbund Aachen gefunden. Er verwendet ein einheitliches Design für Einladungsschreiben, Zertifikate und Infoblätter. „Die Betriebe schätzen den hohen Wiedererkennungswert“, erklärte Corinna Bornscheuer-Heschel (low-tec Aachen), die zum Leitungsteam des Konsortiums zählt. Zudem gibt es ein Handbuch für die Potenzialanalyse und Berufsorientierung, auf das alle Fachkräfte der sieben Partner Zugriff haben. Dadurch können die einheitlichen Standards bei der Durchführung eingehalten werden.

Hohe Ansprüche an Netzwerkarbeit

Herbert Petri, Ministerium für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz, beschreibt die Netzwerkarbeit der Akteure der Berufsbildung in Rheinland-Pfalz als zielführend.

Wie wichtig die regionale Netzwerkarbeit für die Initiative Bildungsketten ist, betonte Martina Sarter von der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland: „Es besteht ein enormer Abstimmungsbedarf, um den hohen Ansprüchen an eine gelingende Beratung und Vernetzung gerecht zu werden.“ Deshalb seien Tagungen wie die Bildungsketten-Konferenzen der richtige Ansatz, miteinander ins Gespräch zu kommen und darauf aufzubauen.

Herbert Petri, Ministerium für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz, beobachtet insgesamt eine große Bereitschaft der handelnden Akteure, Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf besser zu unterstützen: „Was Sie mit Ihrer Netzwerkarbeit in Rheinland-Pfalz leisten, ist für die Jugendlichen in der Berufsorientierung zielführend“, ermutigte Petri die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Koblenz.

Was zeichnet eine gelungene Berufsorientierung aus? Diskutieren Sie darüber mit Praktikern/innen in der Bildungsketten-Community auf www.qualiboxx.de

Dokumente

  • Zusammenfassung:
    Themen und Ergebnisse

    [PDF - 379,0 kB]

    Dokumentation Regionalkonferenz Koblenz vom 21.3.2012 (URL: https://www.bildungsketten.de/_media/Dokumentation_Regionalkonferenz_Koblenz_21.3.2012.pdf)

Ansprechpartner

  • Bundesinstitut für Berufsbildung, Arbeitsbereich 4.4, Servicestelle Bildungsketten

    • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    • Michael Schulte
    • Telefonnummer: 0228 107-2336
    • E-Mail-Adresse: michael.schulte@bibb.de