Nachgefragt: Eltern wünschen sich frühzeitige Berufsorientierung für ihr Kind

Eltern sind eine wichtige Instanz in beruflichen Orientierungsprozessen von Jugendlichen. Wie sie besser in die Berufsorientierungsphase eingebunden werden könnten, zeigt eine Elternbefragung in der Region Koblenz-Mayen in Rheinland-Pfalz.
Eltern unterstützen ihr Kind bei der Berufsorientierung.
Um Näheres über die Bedürfnisse, Wünsche und Einstellungen von Eltern in Bezug auf die Berufsorientierung ihrer Kinder zu erfahren, hat das JOBSTARTER Regionalbüro West im Rahmen der Initiative Bildungsketten eine Elternbefragung unter dem Titel „Nachgefragt: Eltern und Berufsorientierung“ durchgeführt – in enger Kooperation mit dem Runden Tisch für Berufsorientierung Koblenz. Die Datenerhebung erfolgte mittels eines teilstandardisierten Fragebogens, der an die Eltern aller weiterführenden Schulen der Region verteilt wurde.


Die Befragung liefert einige interessante Erkenntnisse, die hier  zusammengefasst werden:

  • Das Vertrauen der Eltern in schulische Maßnahmen zur Berufsorientierung ist mehrheitlich groß. Gleichzeitig äußern sich Eltern auch zu Verbesserungsbedarfen. Insbesondere wünschen sie sich, dass schulische Berufsorientierungsmaßnahmen frühzeitiger einsetzen, intensiver betrieben und durch Praxiserfahrungen flankiert werden.
  • Eltern bevorzugen zum größten Teil das Internet, um sich über das Thema Berufsorientierung zu informieren. Dies gilt für Eltern von Schülern/innen fast aller Schulformen. Insgesamt kennen und nutzen die befragten Eltern in Bezug auf die Berufsorientierung ihrer Kinder ein breites Spektrum von Informationsquellen (Schulveranstaltungen, Internet, Berufsinformationszentrum BIZ, Bekannte/Freunde). Dies lässt darauf schließen, dass Eltern kaum Unterstützungsbedarf in Bezug auf die Erschließung von Informationsquellen haben.
  • Schulische und externe Informationsveranstaltungen sowie der Postversand von Informationsmaterialien stehen bei Eltern an erster Stelle, wenn es um die Frage geht, wie sie zukünftig gerne über Themen der Berufsorientierung unterrichtet werden möchten. Während die Informationsverbreitung per E-Mail noch weitgehend akzeptiert ist, spielt die direkte Informationsweitergabe per Hausbesuch bzw. Telefon eine untergeordnete Rolle.

Die qualitative Auswertung des offenen Fragebogenteils gewährt zusätzliche Einblicke:

  • Zumindest ein Teil der befragten Eltern wünscht sich einen besseren Überblick über berufliche Bildungsgänge. Neben Wissen über das berufliche Bildungssystem benötigen sie Auskunft über konkrete Berufe, deren Zukunftsperspektiven und regionale Ausbildungsangebote.
  • Darüber hinaus wird deutlich, dass Eltern für ihre Kinder einen frühzeitig einsetzenden, intensiven und durch praktische Erfahrungen flankierten Berufswahlprozess wünschen.
  • Um die Berufsorientierung ihrer Kinder besser begleiten zu können, wünschen sich Eltern, die Potenziale ihrer Kinder besser einschätzen zu können. Sie schlagen hierzu individuelle Beratungsangebote unter Nutzung von Stärken-Schwächen-Profilen vor.
  • Auch wird deutlich, dass sich Eltern Informationen aus erster Hand von berufserfahrenen Fachkräften wünschen. Dies würde erfordern, dass Fachkräfte beispielsweise in Schulen im direkten Kontakt mit den Jugendlichen ihren Beruf vorstellen.
  • Bei den Eltern lassen sich deutliche Unterschiede hinsichtlich ihrer Rolle bei der Unterstützung der Berufsorientierung feststellen: Es gibt sowohl unsichere Eltern, die sich bei der Berufsorientierung der eigenen Kinder ausdrücklich die Hilfe von Dritten wünschen, als auch selbständig agierende Eltern, die solche Hilfestellung z.T. deutlich ablehnen. Daneben gibt es Eltern, die ihren Kindern die Verantwortung übertragen und den Berufswahlprozess nur bei Bedarf unterstützend begleiten. Wie stark sich Eltern in Bezug auf die Berufsorientierung ihrer Kinder engagieren, scheint damit verbunden zu sein, was sie sich und ihrem Kind selbst zutrauen.
  • Die abschließende Frage nach dem Berufswunsch für ihre Kinder zeigt, dass den meisten Eltern weniger ein spezieller Beruf als vielmehr qualitative Eigenschaften der beruflichen Zukunft, wie finanzielle Sicherheit, Zufriedenheit und Familienfreundlichkeit, wichtig sind.

Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Um Eltern besser in die institutionalisierte Berufsorientierung einbinden zu können, sollten folgende Erkenntnisse der Elternbefragung aus dem Raum Koblenz-Mayen berücksichtigt werden:

Aktivitäten zur Berufsorientierung transparent machen

Eine frühzeitig einsetzende, intensive Berufsorientierung, die durch praktische Erfahrungen flankiert wird, ist in Rheinland-Pfalz (wo die Erhebung durchgeführt wurde) wie in anderen Ländern auch bereits jetzt vorgesehen. Es bestehen Rechtsrahmen und Vereinbarungen, die die Umsetzung einer solchen Berufsorientierung sichern sollen. Die Ergebnisse der Befragung legen nahe, dass diese Bemühungen besser kommuniziert werden könnten, bzw. gegenwärtig von den Eltern als nicht hinreichend wahrgenommen werden. Hier sollte ggf. darüber nachgedacht werden, wie der Umsetzungsstand der geplanten Maßnahmen zur Berufsorientierung transparenter gemacht werden kann.

Offene Angebote statt Hausbesuche

Informations- und Begleitangebote zur Berufsorientierung für Eltern sollten generell als offene Angebote konzipiert sein, wobei sensibel auf unterschiedliche Bedürfnisse in den Familien reagiert werden sollte: Einerseits sollten diese Angebote die eher unsicheren Eltern „abholen“, andererseits sollten sie von eher selbständig agierenden Eltern nicht als unerwünschte Einmischung empfunden werden.

Potenzialanalysen stärker nutzen

In dieser Hinsicht unterstreicht die Elternbefragung, dass Potenzialanalysen ein wichtiges Begleitinstrument darstellen könnten: Zum einen liefern sie den Eltern Erkenntnisse über Potenziale und Kompetenzen ihrer Kinder, die nicht in Schulnoten ausgedrückt werden können, zum anderen orientieren sie sich an Stärken. Damit liefern sie eine positive Gesprächsgrundlage (z.B. für Lehrkräfte), wenn es darum gehen soll, Eltern besser in eine neigungsgerechte Berufsorientierung ihrer Kinder einzubinden.

Ausbildungs- und Berufemarketing ausbauen  

Um Eltern in Bezug auf die Berufsorientierung ihrer Kinder anzusprechen, eignen sich in besonderer Weise schulische und außerschulische Informationsveranstaltungen. Hier sollten verstärkt Formate angeboten werden, die Ausbildungs- bzw. Berufemarketing vorsehen. Dies beinhaltet, dass das berufliche Bildungssystem mit seinen Aus-, Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten erläutert und auch über konkrete Berufsbilder eingehend informiert wird.
 

Text: Svenja Prinz und Martina Thomas (ZWH e.V., JOBSTARTER Regionalbüro West)

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