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Bildungsketten-Konferenz
15. - 16. November 2016, Cafe Moskau Berlin

Jugendliche stärken, Übergänge schaffen, Zukunft gestalten

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles eröffneten gemeinsam in Berlin die Bildungsketten-Konferenz „Jugendliche stärken, Übergänge schaffen, Zukunft gestalten“. 350 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Bildungspraxis, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten gemeinsam über die künftige Ausrichtung der Initiative Bildungsketten.

„Bund und Länder ziehen an einem Strang“

Berufsorientierung digitalisieren, Jugendliche individuell begleiten, junge Geflüchtete in die Ausbildung integrieren und Förderinstrumente regional koordinieren – dies sind die Zukunftsthemen am Übergang Schule – Beruf. Was heißt das für die Initiative Bildungsketten?

Die bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen sind so komplex, dass es nur gemeinsam geht. Deshalb stimmen Bund, Länder und die Bundesagentur für Arbeit ihre Förderinstrumente in der Initiative Bildungsketten aufeinander ab – mit Erfolg. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sprachen sich auf der Bildungsketten-Konferenz dafür aus, den eingeschlagenen Weg fortzuführen.

„Bund und Länder ziehen an einem Strang, um junge Menschen beim Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung bestmöglich zu unterstützen“, sagte Bundesbildungsministerin Wanka zum Auftakt vor 350 Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Bildungspraxis, Wirtschaft und Wissenschaft im Berliner Cafe Moskau.

„Mit bisher sieben Ländern ist es uns gelungen, dazu Vereinbarungen zu treffen. Weitere sollen folgen.“

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka

Die Vereinbarungen haben das Ziel, die Berufs- und Studienorientierung und den Übergang Schule – Beruf zu strukturieren. Die Unterstützung soll möglichst allen Jugendlichen flächendeckend zugutekommen.

„Wir wollen werben, dass wir alle 16 Länder noch schaffen. In diesem Jahr sind zehn Vereinbarungen möglich, das ist ja schon eine Menge.“

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles in ihrer Eröffnungsrede

Mehr Transparenz bei den Förderinstrumenten

Was die Initiative Bildungsketten erfolgreich macht, skizzierte Jürgen Spatz, Bereichsleiter in der Bundesagentur für Arbeit (BA), in seinem Impulsvortrag. Die Kooperation hat eine neue Qualität erreicht, weil sie umfassender geworden ist. „Die Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen werden koordiniert, geordnet und systematisiert. Das war ein wesentlicher Beitrag zu Transparenz. Wir müssen noch transparenter werden“, erklärte Spatz.

Jürgen Spatz, Bereichsleiter Bundesagentur für Arbeit, während seines Impulsvortrages.

„Wir müssen noch transparenter werden.“ Jürgen Spatz, Bereichsleiter in der Bundesagentur für Arbeit

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Bildungsketten stehen für Vielfalt

Die Initiative Bildungsketten umfasst die Phasen Schule, Übergang und Ausbildung. In jeder Phase kümmern sich engagierte Menschen darum, dass Jugendliche sich positiv entwickeln. Eine multimediale Bühnenpräsentation mit Filmen und Talkrunden vermittelte den Gästen einen Eindruck von der Vielfalt der Akteurinnen und Akteure. Den größten Teil der Arbeit stemmen die Länder, die mit ihren Konzepten zur Berufs- und Studienorientierung die tragende Säule der Verantwortungsgemeinschaft bilden.

Länder bei Finanzierung gefragt

Die Kultusministerkonferenz (KMK) unterstützt die Ziele der Initiative Bildungsketten. „Für die Länder ist es ein wichtiges Instrument, insbesondere die schwächeren Schülerinnen und Schüler zu unterstützen“, sagte KMK-Vertreter Herbert Püls (Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus). „Wir wissen, dass wir auf dem Weg sind, aber noch längst nicht alles erreicht haben.“ Offen ist zum Beispiel die künftige Finanzierung der Berufseinstiegsbegleitung. Die Länder sollen – so die Vorstellung der beiden Bundesministerinnen Wanka und Nahles – ab dem Schuljahr 2019/2020 mit eigenen Finanzmitteln die Kofinanzierung der Maßnahme übernehmen.

Herbert Püls, Vertreter Kultusministerkonferenz und Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, während der Talkrunde auf der Bühne.

„Wir haben noch längst nicht alles erreicht.“ Herbert Püls, Vertreter Kultusministerkonferenz und Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Der Bund hat seinerseits eine umfangreiche Unterstützung der Länder angekündigt. So möchte Bundesbildungsministerin Wanka mit dem DigitalPakt#D fünf Milliarden Euro in digitale Bildung investieren. Die Infrastruktur der Schulen soll verbessert und Lehrkräfte geschult werden. Konkret sollen 40.000 Grundschulen, weiterführende allgemeinbildende Schulen und Berufsschulen davon profitieren. Zum Teil sind diese Schulen bereits in der Initiative Bildungsketten vertreten. 

Jugendliche entscheiden sich spät für Beruf

An wen richten sich die Unterstützungsangebote von Bund und Ländern? Professor Klaus Hurrelmann (Hertie School of Governance GmbH) stellte die heutigen Jugendlichen und deren Erwartungen an das Berufsleben vor.

Prof. Klaus Hurrelmann während seines Vortrages auf der Bühne.

Stellte die Generation Y vor: Professor Klaus Hurrelmann, Hertie School of Governance GmbH

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Die 15- bis 30-Jährigen – die Generation Y – nutzen das Internet intensiv, sie gelten als digitale Eingeborene. Und sie entscheiden sich spät für einen Beruf, halten sich alle Optionen offen. „In Zeiten der strukturellen Ungewissheit der Zukunftsplanung sind die Angehörigen der jungen Generation dazu gezwungen“, so Hurrelmann in seinem Vortrag am zweiten Konferenztag.

Wie geht´s weiter? Die Kernthesen aus den Foren

Die künftige Ausrichtung der Initiative Bildungsketten diskutierten die Konferenzteilnehmenden in vier Foren. Die Kernthesen (siehe auch ausführliche Dokumentation):

Forum 1: „Berufs- und Studienorientierung – Der Blick über den Tellerrand?!“: In einer digitalen Welt muss die Berufsorientierung zum Jugendlichen kommen – nicht umgekehrt. Es braucht attraktive, internetbasierte Angebote, die auf die jeweilige Schulform und Altersklasse zugeschnitten sind, das gilt auch für Gymnasien.

Forum 2: „Individuelle Begleitung: Mit Coaching ans Ziel?!“: Coaching muss ein konstantes Modell für Jugendliche am Übergang Schule – Beruf werden, orientiert am individuellen Bedarf. Die Laufzeit sollte langfristig ausgerichtet sein. Angebote wie die Berufseinstiegsbegleitung oder ehrenamtliches Coaching sollten miteinander verzahnt werden. 

Forum 3: „Ausbildung und Migration: Integration mit System?!“: Grundsätzlich stehen die Förderinstrumente von Bund und Ländern allen Jugendlichen zur Verfügung. Eine Migrationsgeschichte spielt dabei keine Rolle. Bestehende Angebote können für junge Geflüchtete weiterentwickelt werden, wie zum Beispiel die Potenzialanalyse.

Forum 4: „Übergänge und Strukturen: Brücken bauen leicht gemacht?!“: Förderinstrumente müssen in den Regionen vor Ort koordiniert werden. Neue Förderinstrumente sind nicht erforderlich, aber die Koordinierungsstrukturen müssen sich verbessen. Ein Ansatz sind dabei die Jugendberufsagenturen, die einige Länder bereits erfolgreich eingesetzt haben.

Podiumsdiskussion greift „Baustellen“ auf

Zum Abschluss der Bildungsketten-Konferenz wurden die Themen aus den Foren in einer Podiumsdiskussion vertieft. „Die Politik ist begeistert von der Idee der Bildungsketten“, begrüßte Moderator Mitri Sirin seine Gäste, „aber es gibt auch viele offene Fragen“.

Es diskutierten Dr. Barbara Dorn, Abteilungsleiterin bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA); Kornelia Haugg, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Bildung und Forschung; Uta Kupfer, Bereichsleiterin in der ver.di Bundesverwaltung mit Dr. Elisabeth Neifer-Porsch, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales; Jürgen Spatz, Bereichsleiter in der Bundesagentur für Arbeit, und Richard Stigulinszky, Gruppenleiter im Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Aus Sicht der Wirtschaft kam die Frage auf, ob die Initiative Bildungsketten bereits die von der Politik gewünschte Durchschlagskraft hat. „Bei den Bildungsketten treten die Kommunen noch nicht so in den Vordergrund. Kommunen sind mit ihrer Verantwortung für die Schulen ein ganz wichtiger Partner und sollten daher noch stärker in den Blick genommen werden“, empfahl BDA-Vertreterin Dorn.

Dr. Barbara Dorn, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, während der Podiumsdiskussion

„Kommunen stärker in den Blick nehmen.“ Dr. Barbara Dorn, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Frau Neifer-Porsch und Frau Haugg während der Podiumsdiskussion auf der Bühne.

Dr. Elisabeth Neifer-Porsch, Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Kornelia Haugg, Bundesministerium für Bildung und Forschung

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Teilnehmende auf dem Podium während der Podiumsdiskussion.

„Berufsorientierung sollte evaluiert werden.“ Uta Kupfer, Dienstleistungsgewerkschaft ver.di (2.v.r.)

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Die Gewerkschaften interessierten sich für die Wirkung der einzelnen Förderinstrumente auf die Jugendlichen. „Potenzialanalysen sollten nicht punktuell, sondern begleitend, als Prozess stattfinden. Bei der Berufsorientierung sollte evaluiert werden, ob sie in Klasse sieben beginnt oder erst eine Klassenstufe später“, so der Vorschlag von ver.di-Bereichsleiterin Kupfer.

Fazit: Bildungsketten ausweiten

Das Fazit der Podiumsdiskussion: Die Initiative Bildungsketten soll in der Fläche sichtbarer gemacht werden; Jugendliche sollen länger und dauerhaft begleitet werden; Bund und Länder müssen sich für den Erfolg der Initiative Bildungsketten noch intensiver beraten; es werden Vereinbarungen mit allen 16 Ländern angestrebt; eine ressortübergreifende Kooperation ist künftig unverzichtbar.

Film: Von der Schule in die Ausbildung

Jeder Jugendliche in Deutschland soll möglichst nahtlos von der Schule in die berufliche Ausbildung übergehen. Jugendliche erhalten individuell – je nach Bedürfnissen – auf diesem Weg Unterstützung durch die Initiative Bildungsketten. Wie das gelingt, zeigen Ihnen die beiden Jugendlichen Daniel und Jana.

Bildergalerie

Bundesbildungsministerin Wanka und Bundesarbeitsministerin Nahles beim Pressegespräch.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (l.) und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles kurz vor der Bildungsketten-Konferenz 2016 beim Pressegespräch.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Moderator Mitri Sirin auf der Bühne.

Bekannt aus dem ZDF-Morgenmagazin: Moderator Mitri Sirin führte humorvoll durch die zweitägige Veranstaltung.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Bundesarbeitsministerin Nahles und Bundesbildungsministerin Wanka im Plenum während der Bildungsketten-Konferenz.

Prominent besetzte erste Reihe: Bundesministerinnen Nahles und Wanka, Abteilungsleiterin Kornelia Haugg und Referatsleiter Peter Thiele (beide BMBF).

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka während ihrer Rede auf der Bühne.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka während ihrer Rede: „Junge Menschen beim Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung bestmöglich unterstützen.“

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Bundearbeitsministerin Nahles während ihrer Rede

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles: „Ich bin darüber froh, dass auch die Länder in diese Verantwortungsgemeinschaft eingetreten sind.“

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Das Plenum während der Bildungsketten-Konferenz.

350 Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft und Bildungspraxis nahmen an der Bildungsketten-Konferenz 2016 teil.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Jürgen Spatz, Bereichsleiter in der Bundesagentur für Arbeit, während seines Impulsvortrags.

Jürgen Spatz, Bereichsleiter in der Bundesagentur für Arbeit: „Die neue Qualität, die wir durch diese Kooperation erreicht haben – sie ist umfassender geworden.“

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Drei Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Talkrunde mit Moderator Mitri Sirin.

Talkrunde zu den Bildungsketten-Vereinbarungen (v.l.): Herbert Püls, Kultusministerkonferenz; Kornelia Haugg, BMBF; Jürgen Spatz, Bundesagentur für Arbeit

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Moderator Mitri Sirin mit Teilnehmenden der Konferenz auf der Bühne.

Abschluss des ersten Tages: Moderator Mitri Sirin und seine Gäste waren bestens gelaunt.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Prof. Dr. Klaus Hurrelmann während seines Vortrags.

Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Hertie School of Governance GmbH, über die Erwartungen der Jugendlichen ans Berufsleben.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Teilnehmende der Podiumsdiskussion auf der Bühne.

Abschluss der Bildungsketten-Konferenz auf der Podiumsdiskussion ging es um die künftige Ausrichtung der Berufs- und Studienorientierung.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Teilnehmende der Podiumsdiskussion auf der Bühne.

Jürgen Spatz (re.) eröffnete die Diskussion.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Teilnehmende der Konferenz während der Pause.

Fachlicher Austausch: Die Teilnehmenden  sprachen in den Pausen über die Themen Berufs- und Studienorientierung sowie Übergang Schule – Beruf…

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Zwei Teilnehmende der Konferenz unterhalten sich während einer Pause an einer Theke.

…blätterten im neuen Bildungsketten-Journal…

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Eine Teilnehmerin informiert sich am Bildungsketten-Stand über Publikationen.

…und informierten sich am Stand der Initiative Bildungsketten über neue Publikationen

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Forum I „Berufs- und Studienorientierung – Der Blick über den Tellerrand?!“

Wie sieht die Zukunft der Berufs- und Studienorientierung aus? Stimmen die Konzepte noch oder müssen wir sie weiterentwickeln? Diesen Fragen stellten sich ca. 140 Fachkräfte der Initiative Bildungsketten und diskutierten über Trends und Möglichkeiten.

Systematisch, individuell und verbindlich muss eine gute Berufs- und Studienorientierung (BOSO) sein. Dabei kommt es darauf an, dass die BOSO als lernendes System und Entwicklungsprozess zu verstehen ist, denn die BOSO muss sich den unterschiedlichen (Lern)-Bedürfnissen der Jugendlichen und (medialen) Einflüssen anpassen. „Qualitätsentwicklung lebt davon, in den Prozess einzusteigen und einzugreifen, um Stolpersteine und Gelingensfaktoren auszumachen und dementsprechend nachplanen zu können“, erklärte Dr. Katja Driesel-Lange vom Zentrum für Berufsorientierungs- und Berufsverlaufsforschung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Einblicke in aktuelle Trends und Möglichkeiten

Zusammen mit Prof. Dr. Tim Brüggemann vom Institut für Weiterbildung und Kompetenzentwicklung der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld forscht Dr. Driesel-Lange über die Messbarkeit und Förderung der Berufswahlkompetenz. Es gibt unterschiedliche diagnostische Verfahren zur Messung der Berufswahlkompetenz, wie beispielsweise BOX (Berufsorientierungsindex), die jeweils spezifische Aspekte abbilden.

Sie zeigen gezielt Ansatzpunkte zur individuellen Förderung auf. Driesel-Lange und Brüggemann beschäftigen sich mit der Frage, wie Interventionen zur Berufsorientierung (z.B. die Potenzialanalyse) die Berufswahlkompetenz fördern können. Sie wiesen u.a. darauf hin, dass „die Nützlichkeit von Interventionen abhängig vom Entwicklungsstand der Berufskompetenz des einzelnen Jugendlichen ist.“

Prof. Dr. Brüggemann und Dr. Driesel-Lange stellen den Berufsorientierungsindex vor

Prof. Dr. Brüggemann, Institut für Weiterbildung und Kompetenzentwicklung der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld, und Dr. Driesel-Lange, Zentrum für Berufsorientierungs- und Berufsverlaufsforschung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, stellten den Berufsorientierungsindex vor.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

„Je individualisierter die Angebote der Berufsorientierung sind, desto größere Wirksamkeit entfalten sie.“

Prof. Dr. Brüggemann und Dr. Driesel-Lange

BOSO muss zunehmend Möglichkeiten bieten, individuell zu sein

Darüber waren sich die Teilnehmenden des Forums einig. „Angebote zur Studien- und Berufsorientierung müssen an die Schülerschaft – an ihren spezifischen Fähigkeiten, Interessen, Ressourcen – angepasst sein“, erklärte Dr. Andreas Borchers vom Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung GmbH an der Universität Hannover in seinem Beitrag. „Wir müssen nicht alles neu machen. Wir müssen die Instrumente gut und effizient einsetzen“, erläuterte Mathias Meßoll vom Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz.

Man braucht Stallgeruch – möglichst früh

In Baden-Württemberg beginnt die Berufsorientierung bereits in der Klassenstufe 5: Im Fach Deutsch stellen die Schülerinnen und Schüler die Berufe ihrer Eltern vor, in Geografie erkunden die jungen Menschen, welche Geschäfte und Betriebe es in ihrer Gemeinde gibt. Insofern liegen die Bundesländer, die frühzeitig mit der Berufsorientierung beginnen und auch ihre Curricula anpassen, ganz nah bei der Forderung von Dr. Carl-Heiner Schmid von der Heinrich Schmid Systemhaus GmbH & Co. KG, „den Entwicklungen der Fertigkeiten in der Schule mehr Platz einzuräumen sowie eine gute Balance zwischen Fähigkeit und Fertigkeit zu entwickeln.“ Schmid weiter: „Letzteres gelingt nur, wenn man früh damit beginnt.“

BOSO-Angebote an gymnasiale Anforderungen anpassen

Und wie sieht die Realität an den Gymnasien aus? Hierzu konnte Borchers dem Publikum wichtige Erkenntnisse liefern. Derzeit arbeitet er an einer Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), die u.a. einen systematischen Überblick zum Stand der Berufswahl- und Laufbahnforschung gibt. Er stellte fest, dass die Angebote unbedingt an die Schülerschaft angepasst sein sollten. Viele Gymnasiasten sind sich kurz vor dem Abitur nicht sicher, welchen beruflichen Weg sie gehen wollen.

Deshalb brauchen diese Jugendlichen mehr Information, mehr individuelle Beratung und angemessene Praxiserfahrung. An Gymnasien ist BOSO ein relativ neues Thema, die Lehrenden tun sich schwer damit. Sie werden unzureichend darauf vorbereitet, trotz diverser Fortbildungsangebote. Eine Herausforderung liegt auch darin, den Jugendlichen die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Ausbildung zu vermitteln. Eltern sind für ihre Kinder die wichtigsten Ratgeber in der Berufsfindung, allerdings haben sie dabei oftmals nur das Studium im Blick.

Dr. Andreas Borchers während seines Vortrages im Forum I auf der Bühne.

Dr. Andreas Borchers, Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung GmbH, über Chancen und Herausforderungen der Berufsorientierung an Gymnasien.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Forschungslücken schließen

„Die bedeutsame Rolle von Eltern und Peers in der Berufswahl der Jugendlichen ist noch nicht ausreichend erforscht“, resümierte Borchers. Des Weiteren wiesen Borchers, Brüggemann und Driesel-Lange darauf hin, dass es bislang noch zu wenige Erkenntnisse über die Langzeitwirkung der BOSO sowie die langfristigen Wirkungen berufsorientierter Begleitprozesse gibt.

Prof. Dr. Gehrau während seines Vortrages im Forum I auf der Bühne.

Prof. Dr. Gehrau, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, über den Einfluss von Massenmedien auf die Berufsorientierung.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Ein weiterer Trend, der bisher wenig Beachtung findet, ist der Einfluss der Digitalisierung und der zunehmenden Medialisierung auf den Berufsorientierungsprozess. Prof. Dr. Volker Gehrau von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zeigte in seinem Beitrag, dass Massenmedien die Berufsorientierung beeinflussen, z.B. die Bekanntheit von Berufen.

Er riet dazu, Forschungsansätze aus der Kommunikationswissenschaft hierbei stärker zu berücksichtigen. Auch durch den gezielten Einsatz von digitalen Angeboten entstehen Chancen, bestehende Barrieren zu BOSO-Angeboten abzubauen und den Berufswahlprozess positiv zu unterstützen.

Wie funktioniert die Arbeitswelt? In welchem System lande ich da?

Mehr Beachtung sollte auch die berufliche Lebenswelt spielen. „Berufsorientierung ist immer auch ein Teil von Lebensorientierung!“, lautet das Fazit von Matthias Möbius, Leiter der Johann-Gottlieb-Fichte-Schule im sächsischen Mittweida. Die Verknüpfung der BOSO in der Schule mit der Realität der Arbeitswelt ist bislang nicht ausreichend.

„Heute kann man Jugendliche nicht mehr wirklich (nur) auf den Beruf orientieren“, so Gehrau, „man muss auch vermitteln, was ich im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium auch tue.“ Anna Leona Gerhardt vom Deutschen Gewerkschaftsbund unterstützt diese These und sagt, dass das Ziel von Berufs- und Studienorientierung weit mehr als das Finden einer Beschäftigung nach der Schule ist:

Vielmehr muss BOSO der Zukunft verstärkt das Ziel haben, Jugendliche zu befähigen, sich mit Lebensfragen auseinanderzusetzten, z.B.  „Welches Familienbild habe ich?“, „Wie wichtig ist mir finanzielle Sicherheit?“ etc. Menschen sollen auch den Mut entwickeln, Entscheidungen zu revidieren, sich bewusst neuen Alternativen zuzuwenden und ihr Leben zu gestalten.

Fazit: Mehr ist nicht mehr! Mehr ist manchmal anders!

„Berufs- und Studienorientierung ist wesentlich komplexer geworden, mit den vorhandenen Instrumenten kann ein breite Spanne bedient werden“, so Dr. Hans-Ortwin Nalbach, BMBF. „Wir brauchen auch keine neue Kette.“ Eine grundsätzliche Überarbeitung bzw. Neuausrichtung ist nicht erforderlich. Es gilt vielmehr bei Vorhandenem anzusetzen, nachzusteuern, Prozesse zu individualisieren und zu systematisieren sowie den Blick z.B. durch eine vertiefte Zusammenarbeit mit den Hochschulen und der Bildungspraxis zu weiten.

„Bildungsketten sind im Wesentlichen eine Philosophie. Die unterschiedlichen Angebote sind miteinander so zu verzahnen, dass sie effektiv sind.“

Dr. Hans-Ortwin Nalbach
Diskussionsrunde im Forum I auf der Bühne.

Diskussionsrunde über die Zukunft der Berufs- und Studienorientierung.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Moderation: Dr. Alfred Lumpe, SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland

Film: Stärken entdecken

Was sind meine Stärken? Worin bin ich gut, was liegt mir eher nicht so? Bereits in der Schule können Jugendliche ihre Stärken durch verschiedene Instrumente wie der Potentialanalyse oder in Werkstatttagen erkunden. Wie das in Schulen umgesetzt wird, sehen Sie im Filmeinspieler.

Forum II: „Individuelle Begleitung: Mit Coaching ans Ziel?“

Wie blicken Bildungspraxis und Politik auf Coaching? Wie erleben Jugendliche Coaching am Übergang Schule – Beruf? Welche Erfahrungen machen Betriebe? Im Fokus standen verschiedene Coaching-Modelle wie Berufseinstiegsbegleitung und das Programm Jobfüxe.

Jugendliche und Betriebsvertreterinnen lieferten Einblicke in die praktische Umsetzung individueller Begleitung am Übergang Schule – Beruf. Die Beispiele veranschaulichten die Möglichkeiten und Wirkungen entsprechender Angebote: Ein VerA-Ausbildungsbegleiter hat eine junge Frau dazu ermutigt, ihrer Rechenschwäche auf den Grund zu gehen.

Die Diagnose: Dyskalkulie. Mit seiner Hilfe konnte sie das Problem angehen. Ein erfolgreicher Ausbildungsabschluss wäre, nach Aussage der betroffenen jungen Frau Sabrina Grosch, ohne die Begleitung durch den Ehrenamtlichen nicht denkbar gewesen.

Ein Mädchen und ein Junge sitzen im Plenum der Veranstaltung.

Chiara Ruhl und Nico Cremer werden durch eine Berufseinstiegsbegleitung gestärkt.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Ihre Chefin Alexandra Hantschel von der Tischlerei Hantschel machte deutlich, dass – neben dem Engagement der Coaches und der Motivation der Jugendlichen - vor allem die Bereitschaft und das Durchhaltevermögen der Betriebe bei der Ausbildung von Jugendlichen mit Förderbedarf von großer Bedeutung  ist. Sabine Will vom Ausbildungsverbund der Wirtschaftsregion Braunschweig/Magdeburg e.V. verwies darauf, wie wichtig es ist, die Transparenz der existierenden Angebote am Übergang Schule – Beruf zu fördern, um deren Bekanntheit und Akzeptanz bei den relevanten Akteuren zu erhöhen. Sie selbst habe nur durch Zufall vom Projekt ISABEL erfahren, das Studienaussteiger/-innen durch ein gezieltes Coachingangebot bei der Sondierung alternativer Berufswege unterstützt.

„Von Affen und Fischen“ zu Spannungsfeldern und Gelingensfaktoren des Coachingansatzes

Prof. Dr. Annamarie Ryter von der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW näherte sich in ihrem Vortrag über eine Metapher von Affen und Fischen den Spannungsfeldern, die bei einer individuellen Begleitung auftreten können. „Ein Coach weiß nicht, was für den Coachee gut ist“, ebenso wenig wie der Affe, der den Fisch wohlwollend aus dem Wasser auf den Baum hebt, um ihn vor dem Ertrinken zu retten. Angelehnt an sieben Thesen legte sie die Kernelemente gelungenen Coachings sowie die Abgrenzungen des Ansatzes zu Konzepten der Beratung dar.

Prof. Dr. Annamarie Ryter während ihres Vortrags in Forum II.

Prof. Dr. Annamarie Ryter, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, erläuterte anhand von sieben Thesen Coaching in der Berufsintegration.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Ein Coach müsse den Jugendlichen als Expertin oder Experte seines/ihres Lebens ansehen und sich durch Offenheit und gezielte Fragetechniken Kenntnis über die Potenziale, Ziele und den Unterstützungsbedarf seines Mentees verschaffen.

„Coaching ist als Prozessbegleitung zu verstehen und lebt von der Kontinuität und dem Vertrauen zwischen Coach und Jugendlichen.“

Prof. Dr. Annamarie Ryter

Coaches bewegen sich dabei in verschiedenen Spannungsfeldern, die es auszuloten gelte: Wie lassen sich die individuellen Ziele und der Bedarf der Jugendlichen mit den übergeordneten Erfolgskriterien der Maßnahmen in Balance bringen? Inwiefern sollte ein Coach systembedingte Ungleichheiten thematisieren? Und wie kann ein Coach die Vertraulichkeit gegenüber dem Jugendlichen wahren und sich dennoch intensiv mit den relevanten Akteurinnen und Akteuren vernetzen und austauschen? 

Dass vor allem die Diskrepanz zwischen Vertraulichkeit und Vernetzung häufig ein Dilemma bei der Begleitung von Jugendlichen darstellt, wurde in einer lebhaften Diskussion deutlich.

Das Landeskonzept in Rheinland-Pfalz – ein Beispiel guter Praxis für eine durchgängige Bildungskette

„In Rheinland-Pfalz verfügen wir bereits über eine durchgängige Bildungskette.“ Diese Aussage untermauerte Herbert Petri vom Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz, indem er einen Überblick über die Maßnahmen und deren Verzahnung am Übergang Schule – Beruf gab. Getragen wird das Landeskonzept durch die enge Vernetzung aller relevanten Akteurinnen und Akteure und wird vor allem durch die intensive Zusammenarbeit mit den beteiligten Schulen und Lehrkräften gestärkt.

Neben überregional bekannten Instrumenten wie der Potenzialanalyse über Profil AC, Praxistagen, Fördergesprächen und der Berufseinstiegsbegleitung (BerEb) ergänzen die Smartphone-App „Zukunft läuft“ sowie die seit 2010 angebotene landesspezifische Maßnahme Jobfüxe – vorgestellt durch Nina Clemens vom Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz – das Portfolio des Landes.

Jobfüxe agieren als Ansprechpartner/-innen an Schulen, die – anders als das Instrument der Berufseinstiegsbegleitung – allen Schüler/-innen zur Verfügung stehen und sie bei Bedarf in Einzel- oder Gruppenberatungen in ihrem Berufs- und Studienorientierungsprozess unterstützen.

Vor allem die Offenheit der Maßnahme ohne gezielte Teilnehmerzuweisung sowie die Möglichkeit eines Coachings für Kleingruppen wurden als vorteilhaft gesehen.

Vortrag zu Rheinland-Pfalz im Forum II.

Herbert Petri und Nina Clemens, beide Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz, stellten das Landeskonzept Rheinland-Pfalz vor.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Die Zukunft individueller Begleitung am Übergang Schule – Beruf

Die abschließende Fishbowl-Diskussion gab den Teilnehmenden des Forums Gelegenheit, sich aktiv in den Dialog zwischen Vertreterinnen und Vertretern des Bundes, der Bundesagentur für Arbeit und der Gewerkschaften über die Zukunft individueller Begleitung am Übergang Schule – Beruf einzubringen. Die Frage nach den Erfolgskriterien guter Begleitung eröffnete die Diskussion. Das Statement von Ulrich Schuck (BMBF), dass individuelle Begleitung am Übergang Schule – Beruf Kontinuität und Verlässlichkeit brauche, bot Anlass für einen einstimmigen Appell aus dem Plenum: Durch Modifikation der strukturellen Rahmenbedingungen könne die Kontinuität und Qualität der Maßnahmen im Übergang gestärkt werden. Als Stellschrauben wurden dabei Anpassungen in den Ausschreibungskriterien genannt.

Thomas Giessler (DGB) forderte „echte Bildungsketten“, da man bei der Systematisierung des Übergangs noch am Anfang stehe. Berufsorientierung, Berufsberatung und Ausbildungsvermittlung sollten stärker als ein einheitlicher, aufeinander aufbauender Prozess organisiert werden.

Aus Sicht von Markus Kiss (DIHK) wird der Erfolg der Coachingangebote durch die intensive Einbindung von Betrieben getragen. Über die Vereinbarung realistischer und gemeinsamer Ziele könne der „Player Betrieb“ stärker in das System integriert werden.

Als  Zukunftsthemen auf der politischen Agenda  wurden die Integration von Geflüchteten sowie die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt benannt, auch in Bezug auf individuelle Begleitung am Übergang Schule – Beruf.

Moderator Hardy Adamczyk resümierte die Notwendigkeit im Gespräch zu bleiben, um die angesprochenen „Baustellen“ gemeinsam anzugehen und eine stetige Optimierung der Angebote zu fördern.

Moderation: Renate-Anny Böning und Hardy Adamczyk, Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik GmbH

Film: Für die Ausbildung fit machen

Nicht jede(r) Jugendliche schafft den direkten Übergang von der Schule in eine Ausbildung. Maßnahmen wie die Berufseinstiegsbegleitung unterstützen Jugendliche wie Emina und Krystian dabei. Wie die beiden ihren Weg gemacht haben, sehen Sie hier.

Impressionen und Stimmen von der Konferenz

Anderthalb Tage diskutierten die Konferenzeilnehmer und -teilnehmerinnen im Cafe Moskau in Berlin bildungspolitische Themen. ZDF-Moderator Mitri Sirin führte durch die Veranstaltung. Was die Initiative Bildungsketten leistet, zeigte eine multimediale Bühnenshow, bei der Jugendliche, Politik und Bildungspraxis zu Wort kamen.

Forum III: „Ausbildung und Migration: Integration mit System?!“

Die Integration von Geflüchteten in Ausbildung und Arbeit ist eine große Herausforderung. Rund 80 Expertinnen und Experten tauschten sich über Rahmenbedingungen, Regelinstrumente und weitere Angebote des Bundes und der Länder für die Zielgruppe aus. Das Ziel: eine Bildungskette für Geflüchtete.

Aber was ist notwendig, damit jungen Geflüchteten eine schnelle Integration in Ausbildung und Beruf gelingt? Lässt sich auf Grundlage der bereits vorhandenen Instrumente eine Bildungskette für junge Geflüchtete stricken? Neben spezifischen Präsentationen unterschiedlicher Angebote und Instrumente für Geflüchtete diskutierten die Teilnehmenden in einem regen Austausch über Erfolge, Hindernisse und mögliche Bedarfe auf dem Weg in eine Bildungskette speziell für diese Zielgruppe. An den Voraussetzungen und den notwendigen Instrumenten dazu wird derzeit auf verschiedenen Ebenen gearbeitet.

Die Vielfalt der Instrumente und Methoden kommunizieren

Das Forum bot die Gelegenheit, beispielhafte Angebote des Bundes und der Länder kennenzulernen und gemeinsam zu erörtern. Die Präsentationen praktischer Anwendungen boten wertvolle Grundlagen, auf die die Teilnehmer/-innen des Forums künftig in ihrer praktischen Arbeit zurückgreifen können. Gleichzeitig wurden Möglichkeiten der Kooperation zwischen den verschiedenen Angeboten aufgezeigt und auf die Wichtigkeit ihrer Verzahnung hingewiesen.

Nähe herstellen und Zugänge sichern

Aber auch auf Herausforderungen bei der Umsetzung der Instrumente und ihrer Anpassung an konkrete Bedarfe für die Zielgruppe wurde eingegangen.

„Entscheidend ist es, die Geflüchteten schon frühzeitig zu erreichen und erste Schritte als Hilfestellung zu erläutern. Nur so kann eine erfolgreiche Integration in Ausbildung und Arbeit gelingen.“

Ulrich Eberle

Mit der Einrichtung von „Integration Points“ in Nordrhein-Westfalen und ihrer Verzahnung mit entscheidenden Akteuren konnten bereits Wege verkürzt und Verfahren beschleunigt werden, unterstrich Ulrich Eberle von der Bundesagentur für Arbeit im Rahmen seines Vortrags.

Ulrich Eberle während seines Vortrages im Forum III.

Ulrich Eberle, Bundesagentur für Arbeit, stellte u.a. sogenannte „Integration Points“ für Geflüchtete vor.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Netzwerke ausweiten und Migrantenorganisationen einbinden

Die Vortragenden verdeutlichten, dass eine erfolgreiche Integration der Geflüchteten kein kurzer Prozess sei. Alle Akteure müssten von vornherein eingebunden werden und gut miteinander kommunizieren. Der vertrauensvolle Kontakt und Dialog spiele eine Schlüsselrolle für die zielgruppengerechte Informationsvermittlung. Dies unterstrich auch Nilgün Öksüz vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und verwies auf die Erfolge durch eine Ausweitung der Netzwerke und Bildung von Verbünden: „Wir haben gute Erfahrungen gemacht in der Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Organisationen der Flüchtlingshilfe, Migrantenorganisationen, Kirchengemeinden und Unternehmen.“

Nilgün Öksüz während ihres Vortrags im Forum III.

Nilgün Öksüz, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, verwies auf Erfolge durch engere Zusammenarbeit.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Elternarbeit entlang der Bildungskette ernst nehmen

Auch die Elternarbeit wurde als ein entscheidendes Arbeitsfeld identifiziert. „Die Einbindung der Eltern spielt eine Schlüsselrolle und ist entlang der Bildungskette bei den Kommunalen Integrationszentren bereits fest eingebunden“, unterstrich Erik Freedman von der Landesweiten Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren NRW.

Aus dem Kreis der Teilnehmenden wurde die Entwicklung zusätzlicher Konzepte zur Einbindung vor allem der Migranteneltern angeregt.

Kompetenzen bewerten, nicht nur Abschlüsse

Eine möglichst umfassende Betrachtung der Gesamtpersönlichkeit des Geflüchteten fand ebenfalls besonderen Anklang. „Vor allem das Erkennen von non-formalen und informellen Kompetenzen und Potenzialen ist eine wichtige Eingangsdiagnostik zu einer optimalen Berufsorientierung. Wir wollen mit unseren Maßnahmenpaketen ermöglichen, dass Talente schnell erkannt, motiviert und gestärkt werden“, verdeutlichte Dr. Lena Arends vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Präsentation der Initiative „Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“.

Rechtssicherheit schaffen für alle Beteiligten

Im Forum wurden die wesentlichen Änderungen durch das Integrationsgesetz als entscheidende Stellschraube zur Ermöglichung der systematischen Integration der Geflüchteten betont. Durch die festgeschriebene Duldung in der Ausbildung, die Erweiterung der Ausbildungsförderung sowie die erleichterten Zugänge zu Assistierter Ausbildung und ausbildungsbegleitender Hilfe, konnte die Wirtschaft als Schlüsselpartner für Praktika und Ausbildung bei der Integration von Geflüchteten eingebunden werden. Nun gelte es, die Bildungskette für Geflüchtete auf Grundlage der vorgestellten Instrumente zu sichern, forderten die Teilnehmenden und ergänzten, dass eine erfolgreiche Arbeit in der Praxis für alle Beteiligten stabile Strukturen erfordere, die es erlauben, langfristig zu planen.

Den Blick schärfen und bündeln: Eine Bildungskette für junge Geflüchtete

In einem Word Café zum Abschluss des Forums konnten sich die Teilnehmenden aktiv zum Thema „Integration mit System – Bildungsketten für junge Geflüchtete?“ austauschen und einbringen. Flexibilisierung sowie Anpassung vorhandener Regularien und Instrumente wurden als Schlüssel identifiziert um sichere Zugänge für Flüchtlinge in das Regelsystem zu ermöglichen. Alles andere würde bedeuten, dass „wir um den Brei herumreden und nicht weiterkommen“, unterstrich ein Teilnehmer die Brisanz dieser Notwendigkeit und ergänzte: „Wenn wir uns an alle Regeln halten müssen und nicht flexibilisieren, dann können wir die Zielgruppe nicht bedienen.“

Teilnehmende des World Café an einem Tisch im Forum III.

Angeregter Austausch im World Café, was für eine gelungene Integration benötigt wird.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Der Praxistest wird zeigen, was noch besser gemacht werden kann

Die Teilnehmenden des Forums waren sich einig: Mit System ins System ist eine Voraussetzung und der Garant für den Erfolg der Integration von Geflüchteten in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Vielfältige Beispiele aus unterschiedlichen Bundesländern zeigten, dass eine gute Integration möglich ist. Dank solider Maßnahmen zur schnellen Ansprache der Zielgruppe und erprobter Methoden der Eingliederung der Geflüchteten in das Regelsystem gelingt es immer deutlicher, auch der Vielfalt der geflüchteten Jugendlichen und ihrer Bedarfe auf dem Weg in die Ausbildung und in den Arbeitsmarkt insgesamt gerecht zu werden. Der Bund hat mittlerweile gute Instrumente etabliert, die in das bestehende System eingepasst sind und auf einen schnellen Übergang in das Regelsystem zielen.

„Wir werden jetzt den Zuzug der Familien erleben. Wir werden uns über Ausbildung und Menschen ohne Bleibeperspektiven unterhalten müssen“, sensibilisierte Dr. Oliver Diehl vom Bildungsministerium für Bildung und Forschung die Teilnehmenden zusätzlich und regte an: „Geben Sie Platz zum Experimentieren. Ich glaube, das ist es, was es ausmacht.“

Vor allem jedoch, so die allgemeine Einschätzung der Teilnehmenden, gelte es nun die Bildungskette an die Bedarfe für junge Geflüchtete auf Grundlage der vorgestellten Instrumente anzupassen, zu verzahnen und auch überregional dauerhaft zu sichern. „Nur so könne man auch der Vielfalt der Jugendlichen insgesamt gerecht werden“, schloss Forums-Moderatorin Dr. Alexandra Leipold von der KAUSA Servicestelle Bonn.

Moderation: Dr. Alexandra Leipold, KAUSA Servicestelle Bonn

Film: Ausbildung erfolgreich abschließen

Probleme in Mathe oder Sprachschwierigkeiten stellen den einen oder anderen Jugendlichen wie Nihad oder Sinan in der Ausbildung auf die Probe. Unterstützung erhalten sie durch die assistierte Ausbildung oder auch durch ehrenamtliche Senior-Experten. Wie die Jugendlichen mit den Herausforderungen während ihrer Ausbildung umgehen und wer ihnen dabei hilft, erfahren Sie hier.

Forum IV: „Übergänge und Strukturen: Brücken bauen leicht gemacht?!“

Welche Strukturen sind notwendig, damit direkte Übergänge von der Schule in die Berufsbildung gelingen? Was leisten Instrumente der Initiative Bildungsketten im Übergangsbereich? Die Teilnehmenden des Forums IV diskutierten diese Fragen mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundes, der Bundesagentur für Arbeit, der Wirtschaft, den Gewerkschaften und der Praxis.

Trotz steigender Anzahl unbesetzter Ausbildungsplätze bleibt die Quote der Jugendlichen in Übergangsmaßnahmen konstant. Dr. Joachim Ulrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung führte dies unter anderem auf unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Erwartungen der beteiligten Akteure an Ausbildung zurück. Über den Übergang in duale Ausbildung wird auf dem Ausbildungsmarkt entschieden, der regional sehr unterschiedlich aufgestellt ist.

Dr. Joachim Ulrich während seines Vortrages in Forum IV.

Dr. Joachim Ulrich, Bundesinstitut für Berufsbildung, erläuterte unterschiedliche Ansprüche an Ausbildung.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Aufgrund des gesetzlichen Verbots, dass Jugendliche für die Ausbildung zahlen, sind damit „Zahlende“  und auch „Nachfrager“ allein die Betriebe. Ulrich führte aus, dass eine „Marktinklusion“ im Spannungsverhältnis zum politischen Inklusionsziel in Ausbildung steht. Hinzu kommen als weitere Faktoren: Ansprüche der Betriebe, das soziale Umfeld der Jugendlichen und die Vorstellungen und Hoffnungen von jungen Menschen für ihre berufliche Zukunft.

Über den eigenen Tellerrand hinweg

Um Übergänge so effizient wie möglich zu gestalten, ist im Rahmen der Bildungsketten ein Blick über den eigenen Tellerrand erforderlich: Bund (BMBF, BMAS) und Bundesagentur für Arbeit streben mit allen Bundesländern eine individuelle Vereinbarung zur Förderung eines kohärenten Angebots für den Übergang Schule – Beruf an. Mit diesen über mehrere Ressorts von Bund und Ländern abgestimmten Vereinbarungen sollen die Instrumente der Initiative Bildungsketten zur Berufsorientierung und am Übergang Schule – Beruf dauerhaft in Landeskonzepte eingebunden werden.

Bisher wurden mit sieben Bundesländern Vereinbarungen geschlossen. Die künftigen Herausforderungen bestünden für Jens Peschner von der Servicestelle Bildungsketten insbesondere in der Optimierung und Vereinheitlichung der schulischen Angebote im Übergang und in der kommunalen Koordinierung der Maßnahme- und Beratungsangebote.

Zeit dort verbringen, wo ich hin möchte

Hartmut Sturm, Volker von Garrel, Mike Wantikow vom Hamburger Institut für Berufliche Bildung und Frank Worczinski, Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg zeigten auf, wie die Instrumente der Initiative Bildungsketten in das Hamburger Landeskonzept einfließen:

Eine individuelle Vorbereitung kann nur mit einer kontinuierlichen Begleitung funktionieren. Die Jugendberufsagentur Hamburg ermöglicht die Beratung aus einer Hand und unter einem Dach für alle Jugendlichen. Die Teilnehmenden informierten sich in Kurzworkshops zu den Kernelementen des Landeskonzepts der Freien Hansestadt Hamburg: Hamburger Potenzialanalyse und Berufs- und Studienorientierung, dualisierte Berufsqualifizierung (BQ dual) und Ausbildungsvorbereitung (AV dual) sowie Jugendberufsagenturen.

Frank Worcinski stellt vor einer Wand das Hamburger Landeskonzept vor.

Frank Worczinski, Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg, stellte das Hamburger Landeskonzept vor.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Bauplan für einen gelungenen Übergang

Dr. Thomas Freiling vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung stellte vier Säulen für einen gelungenen Übergang vor:

  • Berufsorientierung ist nicht punktuell, sondern ein im Lebensverlauf aufeinander aufbauender Prozess.
  • Eine realistische Berufsorientierung erfordert den Überblick über die Vielfalt der Bildungswege.
  • Individuelle Förderung und Begleitung sind Garanten für erfolgreiche Übergänge.
  • Eltern müssen in den Prozess eingebunden werden, weil sie für die jungen Menschen eine zentrale Rolle spielen.

„Wir müssen uns davon lösen, dass die Schulform automatisch den weiteren Bildungsweg bestimmt.“

Dr. Thomas Freiling

Win-win-Situation für Betrieb und Azubi: die Assistierte Ausbildung (AsA)

Stefan Rohrbach von der Deutschen Angestellten-Akademie GmbH erläuterte die Rolle eines Dienstleisters im Rahmen der Assistierten Ausbildung (AsA): passgenaue Unterstützungsangebote für Betrieb und Jugendliche sorgen dafür, dass Ausbildungsverhältnisse zustande kommen und erfolgreich verlaufen.

Konstantin Stuber, Ausbilder bei Bethanien Havelgarten, und sein Auszubildender Max Krcmar berichteten von ihren durchwegs positiven Erfahrungen mit der Assistierten Ausbildung. Krcmar empfand die AsA zwar als anstrengend und zeitintensiv, aber „sie hat mir ermöglicht, die Zwischenprüfung gut zu bestehen“.

Azubi Max Kretschmer berichtet über seine Erfahrungen mit AsA im Forum II.

Azubi Max Krcmar berichtete über seine Erfahrungen mit der Assistierten Ausbildung.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Trotz der positiven Resonanz stellten die Teilnehmenden fest, dass die AsA noch zu unbekannt ist und mehr beworben werden sollte.

Was muss sich verbessern?

In der abschließenden Diskussion tauschten sich die Teilnehmenden insbesondere über AsA und Berufseinstiegsbegleitung als zentrale Maßnahmen in der Übergangsbegleitung aus. Im Zentrum standen die Fragen: Was muss künftig besser gemacht werden? Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit mit den Maßnahmen erfolgreiche Übergänge gelingen?

Die Rückmeldung aller Diskutanten war einhellig: Der Weg von der Schule ins Berufsleben ist voller Hürden, die Jugendliche nur mit Hilfe von professionellen Begleiterinnen und Begleitern nehmen können. Dies erfordere jedoch personelle und institutionelle Kontinuität. Die Diskutanten waren sich einig, dass eine gute Begleitung eine gute Bezahlung braucht.

Moderation: Christoph Acker, Bundesministerium für Bildung und Forschung

Film: Zusammenfassung

Was wünschen sich Jana, Daniel und Co. für die Zukunft? Welche Ziele und Träume haben sie? Was erwarten sie von ihrer Schule und ihrem Ausbildungsbetrieb? Ein Streifzug durch die Phasen Schule, Übergang und Ausbildung.


„try five!“-Parcours: Stärken entdecken mit allen fünf Sinnen

Was hat Schokolade essen mit Problemlösekompetenz oder Geräusche zuordnen mit Merkfähigkeit zu tun? Beim „try five!“-Erlebnisparcours konnten die Teilnehmer/-innen der Bildungsketten-Konferenz herausfinden, was sie besonders gut können.  

Der „try five!“-Erlebnisparcours führt spielerisch in die Potenzialanalyse ein. An fünf Stationen konnten die Gäste ihre Sinne schärfen: Gehör, Riechorgan, Geschmacks- und Tastsinn sowie das Sehvermögen kamen zum Einsatz. Durch verschiedene Übungen ermittelten die Teilnehmenden über die fünf Sinnesorgane ihre überfachlichen Kompetenzen wie beispielsweise Konzentrationsfähigkeit oder Arbeitstempo.

An der Station „Hören“ testeten die Mitmachenden ihre Merkfähigkeit: aus zehn verschiedenen Geräuschen sollten die Teilnehmer/-innen Geräusch-Paare bilden, die in ihren Ohren gleich klingen. An der Station „Schmecken“ ging es um die Problemlösefähigkeit. Die Teilnehmenden sollten  Vollmilch-, Zartbitter- und weiße Schokolade auseinanderhalten.

Was eigentlich für Schüler/-innen der 7. Klasse konzipiert ist, brachte auch den Erwachsenen Spaß: „Es ist interessant, was durch spielerische Übungen für Kompetenzen festgestellt werden können. Die Übungen sehen einfach aus, sind dann aber doch schwieriger als gedacht“, so ein Parcours-Teilnehmer.

Neue Arbeitshilfe erklärt Umsetzung des Erlebnisparcours

Wer nicht dabei sein konnte und den Erlebnisparcours selbst durchführen möchte, kann sich unter www.bildungsketten.de/tryfive die neue Arbeitshilfe herunterladen.

Teilnehmende bei der Einführung in den „try five!“-Parcours.

Wie funktioniert der „try five!“-Erlebnisparcours?

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Eine Frau hält die Punktkarte des „try five!“-Erlebnisparcours in die Luft.

Die Punktekarte des „try five!“-Erlebnisparcours. Nach jeder absolvierten Station erhalten Teilnehmende einen Aufkleber.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger

Ein Teilnehmender an der Station Hören des „try five!“-Erlebnisparcours.

Ein Teilnehmender an der Station Hören des „try five!“-Erlebnisparcours.

Bildungsketten/Fotograf: Nils Krüger