Rheinland-Pfalz startet Kompetenztests für zugewanderte Schüler

Welche Kompetenzen bringen junge Geflüchtete in Mathematik, Deutsch und Englisch mit? Rheinland-Pfalz testet nach Baden-Württemberg die Kompetenzanalyse „2P“. Auch andere Bundesländer können das vom Bund geförderte Verfahren übernehmen.

Mohammed Husseini aus Afghanistan ist einer von zehn jungen Zuwanderern an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Ludwigshafen Gartenstadt, der den Mathematiktest der Kompetenzanalyse „2P – Potenzial und Perspektive“ absolviert. Die IGS Gartenstadt nimmt als eine von fünf Schulen an  dem landesweiten Pilotprojekt teil. „Ziel ist es herauszufinden, wo die Kinder und Jugendlichen stehen, um sie bestmöglich zu fördern und zu integrieren. So helfen wir ihnen, den Weg durch unser Schulsystem in einen Beruf erfolgreich zu gehen“, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig am 3. Februar 2017 bei ihrem Besuch an der IGS.

Das Computerprogramm „2P“ erfasst neben Sprachkenntnissen auch weitere Kompetenzen, zum Beispiel Konzentrationsfähigkeit, logisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen. Bei dem Test sitzen die Jugendlichen vor einem Computer und bearbeiten verschiedene Übungen. Die Ergebnisse besprechen Lehrkräfte und Schüler gemeinsam. Dann wird entschieden, welche Förderung noch benötigt wird.

Ein Schüler und Ministerin Hubig schauen gemeinsam in den Bildschirm eines Computersvergrößern
Bildungsministerin Hubig informiert sich über den Kompetenztest „2P“ für zugewanderte Jugendliche.
Analyseverfahren „2P“ steht allen Bundesländern offen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Entwicklung des Analyseverfahrens „2P“ für neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler mit zwei Millionen Euro. Die Entwicklung wurde in der  Bund-Länder-Vereinbarung  Baden-Württemberg zur Umsetzung der Initiative Bildungsketten verabredet. Andere Bundesländer haben die Möglichkeit, das Verfahren zu übernehmen und an allgemein bildenden Schulen und Berufsschulen einzusetzen.

„Die Pilotierung läuft gut“, sagte Hubig. Rheinland-Pfalz werde bis zum Beginn des kommenden Schuljahres entscheiden, ob das Verfahren flächendeckend auf weiterführende Schulen ausgeweitet wird. Bedarf sieht Hubig insbesondere bei den Realschulen plus und berufsbildenden Schulen: „Diese Schulen nehmen einen Großteil der neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler auf.“

„Einfache Implementierung“

„Die Implementierung von 2P gestaltet sich sehr einfach“, erklärte Stufenleiter Steffen Dißinger von der IGS Ludwigshafen Gartenstadt. Es habe lediglich eine Stunde gedauert, um die Computer für den Testlauf mit den Schülerinnen und Schülern vorzubereiten.

Entwickelt wurde das Verfahren von MTO Psychologische Forschung und Beratung GmbH im Auftrag  des Landes Baden-Württemberg. Finanziert wird die Pilotierung vom BMBF. Baden-Württemberg hat bereits viele positive Erfahrungen mit „2P“ gesammelt. Dort soll das Programm flächendeckend an weiterführenden allgemeinbildenden und beruflichen Schulen eingeführt werden.

Text und Foto: Michael Schulte, Bildungsketten