Neue Studie zur Rolle der Eltern bei der beruflichen Orientierung

10.01.2018 | Bonn

Wie unterstützen Eltern Jugendliche im Prozess der beruflichen Orientierung? Wo liegen Möglichkeiten und Grenzen der Elterneinbindung? Eine neue Studie zeigt, welche Rolle Eltern bei der beruflichen Orientierung ihrer Kinder spielen.

Ein Team von Wissenschaftlern des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung und des SOKO Instituts haben im Auftrag des Bundesbildungsministeriums eine Studie zum „Aktivierungspotential von Eltern im Prozess der Berufsorientierung – Möglichkeiten und Grenzen“ erstellt.

Die nun vorliegende Studie zeigt die Möglichkeiten und Grenzen von Elterneinbindung im Berufsorientierungsprozess von Jugendlichen auf. Sie bietet einen Einblick in das Potenzial und die Bedeutung von Eltern in verschiedenen Phasen der beruflichen Orientierung (BO) und des Übergangs von der Schule in den Beruf. Auch wurde untersucht, wie die Beteiligung und Einbindung von Eltern in die BO gestaltet werden kann. Um der Vielfalt der Perspektiven gerecht zu werden, wurden Sichtweisen verschiedener an der BO beteiligten Akteure, der Eltern und der Jugendlichen in die Analyse einbezogen. Die Studie liefert mit der Vorstellung verschiedener Projektansätze umsetzbare Handlungsoptionen zur Stärkung der Elterneinbindung. Sie sollen die Vielfalt der Elterneinbindung während der BO stärken. Als Zwischenschritt auf dem Weg zur finalen Studie wurden die Projektvorschläge im Rahmen des Bildungsketten-Fachgesprächs im Juni 2017 zum Thema „Elterneinbindung in Berufsorientierung und Übergang“ mit weiteren Experten diskutiert und verbessert. Die Ergebnisse sind teilweise in die vorliegende Studie eingeflossen.

Fachgespräch „Elterneinbindung in Berufsorientierung und Übergang“

In Kleingruppen wurde über verschiedene Vorschläge der Elterneinbindung diskutiert.
Beim Fachgespräch „Elterneinbindung in Berufsorientierung und Übergang“ der Initiative Bildungsketten wurden am 21.06.2017 vorläufige Ergebnisse der Studie „Aktivierungspotential von Eltern im Prozess der Berufsorientierung – Möglichkeiten und Grenzen“ des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung und des SOKO Instituts und darauf basierende Projektideen für die Elterneinbindung vorgestellt.

Um mehr über den Kenntnisstand und die Unterstützung durch Eltern im Prozess der Berufsorientierung zu erfahren, befragten die Wissenschaftler/innen über 1.000 Jugendliche ab Klasse 9, im Übergangsbereich und in der Ausbildung und rund 250 Eltern. Zusätzlich wurden weitere Akteure aus Praxis und Politik einbezogen: Lehrer/innen, Berufsorientierungsfachkräfte bei Bildungsträgern, Vertreter/innen von Kammern und Betrieben sowie Vertreter/innen aus den Kultusministerien der Länder. „Durch die Verknüpfung der Interviews von Jugendlichen und Eltern blicken wir aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Potenziale der Elterneinbindung“, erläuterte Bernhard Boockmann vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung.

Eltern verfügen über Grundlagen im Berufswahlprozess

Die Studie zeigt, dass die Grundlagen für eine erfolgreiche Begleitung im Berufswahlprozess durch die Eltern bestehen:

  • Sowohl Jugendliche als auch Eltern geben an, dass sie die Stärken und Schwächen ihrer Kinder kennen.
  • Kinder schätzen ihre Eltern als kompetent im Prozess der beruflichen Orientierung ein.

Unterschiede bei den wahrgenommenen Kenntnissen der Eltern zeigen sich etwa in Abhängigkeit der Bildung der Eltern oder wenn Jugendliche in Deutschland geboren sind. In diesen Fällen werden höhere Kenntnisse wahrgenommen. Zudem sehen die Jugendlichen ihre Eltern als wichtige Unterstützer in der Berufsorientierung, auch wenn Meinungsverschiedenheiten nicht selten auftreten.

Wenn es um die Kenntnisse von Angeboten der Berufsorientierung geht, deutet vieles darauf hin, dass die wahrgenommenen Kenntnisse von den tatsächlichen abweichen. Bekannt sind vor allem Infobörsen, Messen, Berufsorientierung außerhalb der Schule sowie Gesprächskreise und Elternabende. Eine Beteiligung von Eltern ist eher sporadisch, differiert aber von Angebot zu Angebot. Auch die befragten Fachkräfte sehen Eltern zwar gut in den Prozess der Berufsorientierung eingebunden, weisen ihnen aber keinen guten Überblick über die Angebote und eine eher geringe Beteiligung zu.

In der weiteren Auswertung der Befragungsergebnisse soll ermittelt werden, ob die Einbeziehung der Eltern einen feststellbaren Einfluss auf den Erfolg bei der Berufswahl hat.

Fachgespräch: „Eltern müssen keine Experten sein“

Ein Mann und eine Frau diskutieren.vergrößern
Podiumsdiskussion zu Möglichkeiten und Grenzen der Elterneinbindung.
Beim Fachgespräch waren sich die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion darüber einig, dass Eltern eine zentrale Rolle im Berufswahlprozess ihrer Kinder einnehmen. Eltern müssen jedoch keine Berufsberatungsexperten sein. Wichtiger sei es, die Kinder selbstbewusst in diesem Prozess zu unterstützen, auch durch die Nutzung beratender Angebote.

Durchaus kritisch diskutierten die Teilnehmenden bestehende Projektansätze und neue Ideen zur Einbindung von Eltern in der Berufsorientierung. Zwar gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen, diese werden aber nicht strukturiert angeboten und stehen nicht allen Eltern jederzeit zur Verfügung.

Eine Herausforderung sahen die Fachleute darin, Informationen für alle zur Verfügung zu stellen, dabei aber auch lokale Strukturen zu berücksichtigen. Gleichzeitig wurde betont, dass bei der Einrichtung von Beratungsangeboten auf die Heterogenität der Eltern als Zielgruppe geachtet werden müsste. Ein Angebot für alle Eltern schien den Teilnehmenden nur schwer umsetzbar.

Nicht nur die Heterogenität der Eltern stellt zentrale Angebote vor große Herausforderungen, auch regionale Unterschiede in der Berufsorientierung in den Bundesländern und sogar auf kommunaler Ebene machen einen Überblick schwierig. Wichtig für alle Angebote ist, dass sie die beteiligten Eltern motivieren, sich im Berufsorientierungsprozess ihrer Kinder zu engagieren. Eltern dürfen dabei aber keinesfalls bevormundet werden.


Text: André Grabinski, Servicestelle Bildungsketten
Fotos: Michael Schulte, Servicestelle Bildungsketten

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