Neue Studie zum Übergang Schule – Beruf vorgestellt

28.09.2017 | Bonn

Die Bildungspraxis findet das Angebot an Förderinstrumenten am Übergang Schule – Beruf ausreichend. Es fehlen jedoch Konzepte, Netzwerkstrukturen und ein Bildungsmonitoring für eine systematische Förderung junger Menschen.

Den Übergangsbereich prägt eine große Bandbreite sowie starke Heterogenität. Je nach Region unterscheiden sich die strukturellen Rahmenbedingungen stark. Jedoch besteht viel Potenzial für Verbesserungen. Das zeigt eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die die Strukturen und Prozesse am Übergang Schule – Beruf und das regionale Zusammenspiel unterschiedlicher Förderinstrumente von Bund und Ländern beispielhaft ermittelt hat.

Die qualitative Untersuchung umfasste Fallstudien in 15 Regionen (5 Großstädte, 10 Landkreise) in Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen. Befragt wurden rund 270 regionale Bildungsakteure/innen, darunter die Kommune, die Arbeitsagentur, das Jobcenter, Kammern (IHK und HWK), Bildungsträger, allgemeinbildende sowie berufsbildende Schulen und Elternvertretungen.

Kaum Übergaben und wenig Transparenz

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Dr. Rabea Krätschmer-Hahn, Amt für Soziale Arbeit/Sozialplanung (Stadt Wiesbaden)
Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Bildungsketten-Fachtagung „Herausforderung Übergang Schule – Beruf“ am 28. September 2017 in Bonn vorgestellt. Kaum eine der 15 untersuchten Regionen verfügt über ein übergreifendes und verschriftlichtes Konzept zum Übergangsbereich, auf das sich die beteiligten Bildungsakteure/innen berufen könnten. Strategische Absprachen oder ein regionales Bildungsmonitoring bei der Maßnahmenplanung bilden eher die Ausnahme als die Regel.


 

Sandra Fitzen, Regionales Bildungsbüro (Stadt Dortmund)

Hinzu kommt, dass bei schulischen Maßnahmen zur Berufsorientierung häufig der Anschluss zum Übergangsbereich fehlt. Instrumente wie der Berufswahlpass werden kaum für Zugänge und Anschlüsse genutzt. Die befragten Bildungsakteure/innen kritisierten die mangelnde Transparenz bei Angebotsstrukturen am Übergang. In den meisten Regionen stehen keine systematischen Informationen über die Übergangswege junger Menschen zur Verfügung.

Positiv bewerteten die Bildungsakteure/innen das Angebot an Förderinstrumenten. Aus ihrer Sicht ist für alle Zielgruppen zumindest theoretisch das passende Instrument dabei.

Konzepte entwickeln und Bildungsmonitoring einführen

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Hermine Nowottnick (Bildungsbüro Ostalbkreis) und André Louis (IHK Ostwürttemberg)
Bund und Länder sollten eigene Strategien und Konzepte für den Übergangsbereich entwickeln. Um mehr Transparenz und verbindliche Abstimmungen zu erreichen, empfiehlt das Evaluationsteam die Einführung eines regionalen Bildungsmonitoring, wie es zum Beispiel die Städte Dortmund und Wiesbaden erfolgreich vormachen. Ein weiterer Schritt ist der Aufbau von Netzwerkstrukturen: Der Bund könnte durch Arbeitsbündnisse die Zusammenarbeit vorantreiben, während die Länder Bildungsregionen mit Bildungsbüros initiieren – etwa nach dem Vorbild des Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Und schulische Maßnahmen zur Berufsorientierung sollten so gestaltet sein, das sie anschlussfähig für den Übergangsbereich sind, zum Beispiel durch inhaltliche Ausrichtung, Aktualität und einheitlichere Umsetzung.

Fazit: „Wirkliches Übergangssystem“ aufbauen

Vertreter/innen von Bund, Ländern, Kommunen und der Bundesagentur für Arbeit (BA) diskutierten auf der Bildungsketten-Fachtagung die Studienergebnisse. Alle sahen die Notwendigkeit, den Übergangsbereich zu verbessern. Peter Thiele, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): „Der zumeist pauschal kritisierte Übergangsbereich erfüllt in vielen Fällen bildungspolitisch sinnvolle vorqualifizierende Funktionen, muss aber in der Gesamtheit konsequent zu einem stärker arbeitsmarktorientierten, von den verschiedenen Akteuren aktiv koordinierten, wirklichen Übergangssystem mit Priorität auf Maßnahmen mit hohem Ausbildungs-Klebeeffekt fortentwickelt werden“.

„Wir müssen das Ausbildungspotenzial besser ausschöpfen. Kein junger Mensch darf verloren gehen“, so Roland Schauer, Bundesministerium für Arbeit und Soziales. „Die enge Abstimmung der Angebote am Übergang von der Schule in Ausbildung zwischen Bund und Ländern in der Initiative Bildungsketten ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg.“

Ulrich Eberle, Bundesagentur für Arbeit, schätzte die Situation wie folgt ein: „Es gibt immer noch zahlreiche Jugendliche, die Schwierigkeiten im Übergang von Schule zu Beruf haben und Hilfestellung benötigen, um den Anforderungen einer Berufsausbildung gewachsen zu sein. In unserem föderalen System mit unterschiedlichen Akteuren, Verantwortlichkeiten und Instrumenten ist daher eine gute Abstimmung zum Nutzen unserer Jugendlichen zwingend notwendig.“

Podiumsdiskussion mit Vertretern/innen von Bund, Ländern und Bundesagentur für Arbeit
Aus Sicht der Länder spielen regionale Strukturen und dualisierte Ausbildungswege eine große Rolle für den Übergangsbereich. Hilke Smit-Schädla, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung: „Auf der systemischen Ebene ist uns in Hessen wichtig, die unterschiedlichsten Akteure am Übergang Schule und Beruf in den Regionen zusammen zu bringen und miteinander abzustimmen, um so den Jugendlichen die bestmögliche Unterstützung am Übergang zukommen zu lassen. Unsere OloV Strategie leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.“

Elena Sannwald, Niedersächsisches Kultusministerium: „Für ein durchlässiges und zielgerichtetes Übergangssystem ist die Dualisierung, die abhängig von der Ausbildungsreife, Schulmüdigkeit und den strukturellen Bedingungen vor Ort unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann, besonders wichtig.“

Hintergrund zur Studie

Erstellt wurde die Studie „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss: Erfolgreiche Übergänge in die betriebliche Ausbildung“ vom Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung (ies) und Zentrum für Evaluation und Politikberatung (ZEP). Auftraggeberin ist die Servicestelle Bildungsketten beim BIBB für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Die komplette Studie wird voraussichtlich in Kürze als PDF-Dokument zum Herunterladen veröffentlicht.

Text und Fotos: Michael Schulte, Servicestelle Bildungsketten

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