SPRINT: Niedersachsen integriert junge Geflüchtete in Berufsausbildung

07.11.2017 - 08.11.2017 | Hannover

Sprachbarrieren abbauen, die Berufswelt kennenlernen: Mit den Sprach- und Integrationsprojekten SPRINT und SPRINT-Dual bereitet Niedersachsen junge Geflüchtete auf eine Berufsausbildung vor. Ein Beispiel für gelungene Arbeitsmarktintegration.
Bei den SPRINT-Fachtagen stellten Lehrkräfte Beispiele guter Praxis vor.
Ein Jahr lang besuchen neu Zugewanderte zwischen 16 und 21 Jahre eine SPRINT-Klasse an einer berufsbildenden Schule. Die jungen Menschen sollen sich zunächst mit der deutschen Sprache und Kultur vertraut machen sowie erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln. Ein dreitägiger, von der Werk-statt-Schule e. V. entwickelter Kompetenztest – komPASS³ – ermittelt ihre Kompetenzen und beruflichen Interessen. Anschließend gehen die Jugendlichen, soweit bereits entsprechende Kompetenzen vorliegen und Interesse besteht, im Rahmen von SPRINT-Dual für sechs bis zwölf Monate in ein Betriebspraktikum, das über eine Einstiegsqualifizierung (EQ) von den örtlichen Agenturen für Arbeit organisiert wird. Sie verbringen 1,5 Tage im Berufsschulunterricht sowie 3,5 Tage in einem Betrieb. Das Ziel ist der Abschluss eines Ausbildungsvertrags.

SPRINT-Dual ist das Ergebnis einer sehr engen und letztendlich erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Niedersächsischen Kultusministerium und der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit. Das Ministerium finanziert und verantwortet den schulischen Teil des Projekts, die Regionaldirektion den praktischen Teil in den Betrieben, organisiert über das berufsvorbereitende Instrument der EQ.


Große Nachfrage bei Schulen und Betrieben

Bei Schulen und Betrieben finden SPRINT und SPRINT-Dual viel Zuspruch. Entsprechend groß ist auch die Nachfrage: 98 berufsbildende Schulen nehmen an dem niedersachsenweiten Schulversuch teil, mit insgesamt 481 SPRINT-Klassen. Seit dem Start im Oktober 2015 durchliefen 6573 Schülerinnen und Schüler das Projekt. Etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler, die SPRINT-Dual erfolgreich durchlaufen haben, konnten in eine Ausbildung vermittelt werden. Und der Bedarf hält an: Im August 2018 erwartet die Niedersächsische Landesschulbehörde laut Prognoserückmeldungen der berufsbildenden Schulen bei SPRINT eine ungebrochene Nachfrage und bei SPRINT-Dual einen Anstieg von mehr als 25 Prozent.

vergrößern
Ein Unternehmer berichtete, wie er junge Geflüchtete durch SPRINT für die Ausbildung fit macht.
Bei den SPRINT-Fachtagen zur „Integration jugendlicher Geflüchteter heute und morgen“ am 7. und 8. November 2017 in Hannover erläuterte Volker Barckmann von der Landesschulbehörde die Vorteile des Schulversuchs: „SPRINT bietet durch die Möglichkeit einer auf die Region ausgerichteten Ausgestaltung der Module und durch die zeitliche Entkopplung vom Schuljahr bei ausreichenden Ressourcen ein hohes Maß an Flexibilität und somit sehr pragmatische Rahmenbedingungen für niedersächsische berufsbildende Schulen, die so in die Lage versetzt werden, spontan und bedarfsgerecht auf Veränderungen reagieren zu können.“

Dieses hohe Maß an Flexibilität aller Beteiligten, soweit wie möglich den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten angepasst, hat auch im Rahmen von SPRINT-Dual die erfolgreiche Zusammenarbeit geprägt. Auf diese Weise konnte eine erfreulich hohe Zahl an Einmündungen in duale Ausbildungsverhältnisse erreicht werden. 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Bildung und Wirtschaft diskutierten über Erfolgsfaktoren und gute Praxisbeispiele der SPRINT-Projekte.


Prozessbegleitung unterstützt Berufsschulen und Betriebe

Neben engagierten Lehrkräften, Beratungs- und Vermittlungsfachkräften der Arbeitsagenturen und Betrieben ist die regionale Prozessbegleitung ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Damit die Arbeitsmarktintegration der jungen Geflüchteten gelingt, helfen 15 regionale Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter beim Übergang von SPRINT in SPRINT-Dual. Die Prozessbegleitung sitzt an der Schnittstelle zwischen Ausbildungsbetrieb, Kammern, Arbeitsagentur/Jobcenter und den berufsbildenden Schulen. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, einen EQ-Betrieb mit einem geeigneten Jugendlichen zusammenzuführen. Die Ergebnisse des Kompetenztests komPASS³ dienen dabei als Orientierung.

Die Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter arbeiten durchschnittlich für vier Landkreise und sieben berufsbildende Schulen mit 11 SPRINT-Klassen und vier SPRINT-Dual-Klassen bzw. 100 SPRINT- und 43 SPRINT-Dual-Teilnehmenden.


Bundesbildungsministerium fördert Prozessbegleitung und komPASS³ mit 2,2 Millionen Euro

Zwei junge Geflüchtete erzählten von ihren positiven Erfahrungen in einer SPRINT-Klasse.
Das Bundesbildungsministerium (BMBF) fördert die Arbeit der Prozessbegleitung im Projekt „Begleitete Berufsorientierung für jugendliche Flüchtlinge an öffentlichen berufsbildenden Schulen“ bis 2018 mit rund 1,5 Millionen Euro. Grundlage ist eine Vereinbarung des Bundes mit dem Land Niedersachsen und der Bundesagentur für Arbeit in der Initiative Bildungsketten. Ziel ist, Förderinstrumente zur Berufs- und Studienorientierung und zum Übergang Schule – Beruf aufeinander abzustimmen.

Für die Weiterentwicklung von komPASS³ sowie dessen flächendeckende Einführung an den berufsbildenden Schulen hat das BMBF rund 700.000 € zur Verfügung gestellt. Die wissenschaftliche Evaluation von komPASS³  wurde von der Leibniz Universität Hannover durchgeführt.

„Die Integration von Geflüchteten ist eine komplexe Herausforderung. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Integration vor allem Zeit und aufeinander abgestimmte Rahmenbedingungen und Förderinstrumente braucht. In Niedersachsen ist SPRINT ein gutes Beispiel dafür, wie Integration funktionieren kann. Für die Integration der jungen Flüchtlinge heute und morgen müssen wir gemeinsam denken und gut funktionierende Lösungen in die Fläche bringen. So wird Integration auch langfristig gelingen“, so Lena Arends (BMBF).


IntegrationS zur Qualifizierung junger Geflüchteter

Zuständig für die regionale Prozessbegleitung im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums sind das Bildungswerk der niedersächsischen Wirtschaft (BNW) sowie die gewerkschaftsnahe Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN Niedersachsen. Beide bündeln ihre Aktivitäten in der sozialpartnerschaftlichen Initiative IntegrationS, um junge Geflüchtete für den Ausbildungsmarkt sprachlich zu fördern und praktisch zu qualifizieren.


Text: Michael Schulte, Servicestelle Bildungsketten
Fotos: Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft gemeinnützige GmbH (BNW)