„Quickstart Sachsen“: Berufsausbildung nach Studienabbruch

19.09.2018 | Radebeul

Ein Studienabbruch bedeutet nicht das Ende: Mit dem neuen Landesprojekt „Quickstart Sachsen“ möchte der Freistaat Studienabbrechern/innen alternative Qualifizierungswege in der beruflichen Bildung aufzeigen.
Sachsens Kultusstaatssekretär Herbert Wolff: „Studienabbrecher für die Ausbildung gewinnen.“
Speziell geschulte Mitarbeiter/innen kümmern sich künftig direkt an Sachsens Hochschulen um die stärkere Vernetzung der Beratungsangebote für Studienabbrecher/innen und Studienzweifler/innen. „Ziel ist es, Studienzweifler und Studienabbrecher für eine Berufsausbildung zu gewinnen“, sagte Kultusstaatssekretär Herbert Wolff auf der Eröffnungskonferenz in Radebeul. Auf der einen Seite leide die Wirtschaft unter dem Fachkräftemangel. Auf der anderen Seite sei die Zahl der Studienabbrecher/innen zu hoch. „Beide Probleme müssen wir lindern. Wir wollen in Zukunft die Studienabbrecher mit den Unternehmen noch besser zusammenbringen“, so Wolff.

„Es ist wichtig, Studienabbruch nicht als Scheitern junger Menschen zu begreifen, sondern als Korrektur einer Weichenstellung in einem durchlässigen Bildungssystem“, sagte der Abteilungsleiter Hochschulen des Wissenschaftsministeriums, Dr. Ronald Werner. Das duale System eröffne Studienabbrechern häufig neue Optionen, die besser zu ihren Talenten passten.

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Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert „Quickstart Sachsen“ mit rund 1,4 Millionen Euro von 2018 bis 2020. Grundlage ist eine Vereinbarung des Bundes mit dem Freistaat Sachsen und der Bundesagentur für Arbeit in der Initiative Bildungsketten. Ziel ist es, Förderinstrumente zur Beruflichen Orientierung und zum Übergang Schule – Beruf aufeinander abzustimmen. Zudem ist „Quickstart Sachsen“ Teil der 2014 gestarteten BMBF-Gesamtinitiative, um Studienabbrecher/innen für die berufliche Bildung zu gewinnen. Auf der Eröffnungsveranstaltung wünschte Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär beim BMBF, den beteiligten Partnern einen erfolgreichen Projektstart.

Jeder dritte bis vierte Studierende bricht Studium ab

Forscher Dr. Ulrich Heublein (DZHW) sprach die Keynote zum Thema Studienabbruch
Nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) bricht jeder dritte bis vierte Studierende das Bachelorstudium ohne Abschluss ab. Das entspricht einer Studienabbruchquote von bundesweit 29 Prozent. „Das sind alles Fälle, die die Hochschule endgültig verlassen haben“, sagte Dr. Ulrich Heublein vom DZHW. Besonders hoch sei der Anteil der Abbrecher/innen in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie mit zum Teil über 40 Prozent. In seiner Keynote ging der Forscher in Radebeul auch auf die Ursachen ein. Am häufigsten führten Leistungsprobleme, mangelnde Motivation und persönliche Gründe (z.B. Krankheit) zum Studienabbruch.

Um die Lücke zwischen dem Studienabbruch und Ausbildungsstart zu schließen, werden künftig speziell geschulte Mitarbeiter/innen an den Hochschulen in Sachsen eingesetzt. Ihre Aufgaben sind unter anderem Netzwerkarbeit, Weiterentwicklung von Werbematerialien und „Best-Practice“ zu finden und zu multiplizieren. Hinzu kommen Messeteilnahmen, Frühwarnsysteme an den Hochschulen, Workshops, Coachings sowie eine Begleitevaluation, um zu sehen, wie die Maßnahmen des Projekts wirken.

Berufsberatung unterstützt bei beruflicher Neuorientierung

Die Berufsberater/innen der Arbeitsagenturen helfen den Studienzweiflern/innen und Studienabbrechern/innen bei der beruflichen Neuorientierung – direkt an den sächsischen Hochschulen. Sie kennen die Berufe, deren Anforderungen, die Zukunftsaussichten und wissen, welche Unternehmen in der Region freie Ausbildungsstellen anbieten.

Die neue Website www.studienabbruch-und-weiter.de informiert Studienzweifler/innen und Studienabbrecher/innen sowie Unternehmen und Netzwerkpartner über das Projekt „Quickstart Sachsen“ und wo sie Beratungsstellen finden können.

Geleitet wird „Quickstart Sachsen“ vom Kultusministerium und von der TU Bergakademie Freiberg. Das Projekt wird unterstützt durch neun sächsische Hochschulen, die Agenturen für Arbeit, Beratungsinstitutionen sowie die Kammern (wie z.B. IHK, Handwerkskammer, Kammern für freie Berufe).

Text: Michael Schulte, Servicestelle Bildungsketten; Pressemitteilung Sächsisches Staatsministerium für Kultus  
Fotos: TU Freiberg