Wege in Ausbildung finden und begleiten – die KAUSA Servicestelle Thüringen

22.11.2018 | Erfurt

Die KAUSA Servicestelle hat sich in Erfurt als eine zentrale Anlaufstelle für Menschen mit Migrationshintergrund bewährt. Vor anderthalb Jahren hat sie ihre Arbeit aufgenommen. Drei Geflüchtete erzählen von ihrem Weg.

Karima Samadi ist 17 und kommt ursprünglich aus Afghanistan. Seit 2015 ist sie in Deutschland und strebt derzeit ihren Schulabschluss an, um später Medizin studieren zu können. Der 27-Jährige Syrer Amr Krouma ist Auszubildender der Mechatronik und frisch gebackener Vater. Niman Adbirisaks Traum ist es, eine Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter zu machen, um Straßen zu bauen. Im November 2016 ist er aus Somalia nach Deutschland gekommen. So unterschiedlich die beruflichen Wünsche sind, haben Karima, Amr und Niman doch eines gemeinsam: um eine bessere Zukunft zu haben, sind sie 2015/2016 nach Deutschland geflüchtet. Der Weg dahin war für alle drei nicht einfach – angefangen damit, die deutsche Sprache zu lernen.

Im Dompalais in Erfurt berichten sie auf der Fachtagung „Wege in Ausbildung finden. Halbzeitbilanz der KAUSA Servicestelle Thüringen“ von ihren Erfahrungen. Eine zentrale Rolle hat die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration – kurz: KAUSA Servicestelle - Thüringen gespielt. Sie war wichtige Anlaufstelle für die drei jungen Erwachsenen und hat ihnen Perspektiven und Optionen für ihren Weg aufgezeigt und sie bei der Verwirklichung ihrer Ziele unterstützt.

Förderung junger Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund

Die KAUSA Servicestelle Thüringen ist bundesweit eine von inzwischen insgesamt 31 KAUSA Servicestellen, wo Jugendliche und junge Erwachsene wie Amira, Amr und Niman Unterstützung erhalten. Aber auch Eltern mit Migrationshintergrund und Unternehmern stehen die Beratungs- und Unterstützungsleistungen der KAUSA Servicestellen offen. In Thüringen ist die KAUSA Servicestelle in der Thüringer Bund-Länder-BA-Vereinbarung zur Initiative Bildungsketten verankert und wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert und durch das Landesprogramm „Arbeit für Thüringen“ kofinanziert.

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Heike Werner, Arbeitsministerin in Thüringen und Michael Heister, Abteilungsleiter im Bundesinstitut

Die Thüringer Arbeitsministerin Heike Werner betont auf der Veranstaltung, wie wichtig es sei, gerade für Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchteten, Wege in die Ausbildung aufzuzeigen. Dabei leiste die KAUSA Servicestelle einen wichtigen Beitrag: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KAUSA Servicestelle und ihre Kooperationspartner haben in den letzten anderthalb Jahren genau das getan, was das Motto der Halbzeitbilanz fordert: für die berufliche und somit gesellschaftliche Integration geflüchteter Menschen sowie Migrantinnen und Migranten Wege gefunden oder geschaffen.“
 

Busfahrpläne richtig lesen, mit dem Rad sicher zur Arbeit fahren oder den Pendelweg zur Arbeit planen – die Arbeit der KAUSA Servicestelle hat viele Facetten. Manchmal sind es auch vermeintlich kleine Dinge, die Zugewanderten helfen können und für die berufliche und gesellschaftliche Integration eine Rolle spielen. Michael Heister, Abteilungsleiter für „Initiativen für die Berufsbildung“ im Bundesinstitut für Berufsbildung lobt die kreativen Ansätze der Servicestelle vom interkulturellen Mobilitätsfest bis zur Initiierung von regionalen Unternehmerstammtischen und macht deutlich: „Es ist wichtig, den Jugendlichen und jungen Geflüchteten Lust auf eine duale Ausbildung zu machen, sie darüber zu informieren, was Ausbildung bedeutet. Denn dies ist die Grundvoraussetzung für einen gelingenden Übergang in Ausbildung.“

Erstmalige Verleihung der Auszeichnung Unternehmen mit Kultur

Die Preisträger der diesjährigen Auszeichnung “Unternehmen mit Kultur”
Die Arbeit der KAUSA Servicestellen und vieler anderer Institutionen, Netzwerke, Kammern und Verbände trägt Früchte. Das zeigt sich auch darin, dass es immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund gibt, die einen aktiven Beitrag zur Entwicklung der Thüringer Wirtschaft leisten und eigene Unternehmen gegründet haben. Ahmad Helwa ist einer von ihnen. 2017 hat er sich mit einem Friseurladen selbstständig gemacht und bildet auch selbst aus. Bei der Fachtagung erhielt er den erstmalig verliehenen Preis „Unternehmen mit Kultur“. Dieter Lauinger, Thüringer Migrationsminister, betonte bei seiner Laudatio, dass es wichtig sei, genau diese positiven Beispiele zu nennen. Genau diese Leuchttürme würden ein wichtiges Signal geben.

Ahmad Helwa ist einer von insgesamt drei ausgezeichneten Unternehmen. Maliek Harbaa erhielt mit seinem Unternehmen „EZSI – Erfurter Zentrum für Sprache und Integration“ den Preis in der Kategorie „Innovation“. Mit dem Preis für „Unternehmerischen Mut“ sind Olga Mertins und Lada Leippi ausgezeichnet worden. Im April 2018 haben sie den Pflegedienst Ambulantica GmbH ins Leben gerufen und mittlerweile 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einen Sonderpreis erhielt die ursprünglich aus Vietnam kommende Phuong Nguyen für ihr besonderes Engagement für die Integration.

Die Auszeichnung „Unternehmen mit Kultur“ ist durch die KAUSA Servicestelle initiiert worden in Kooperation mit dem Ausländerbeirat Erfurt. Auch künftig sollen Unternehmerpersönlichkeiten mit Migrationshintergrund aus Thüringen ausgezeichnet werden.

Text: Carolin Jochum
Fotos: Claus Carl Jakob