Übergang Schule – Beruf: Bund startet Gespräche über neue Bildungsketten-Vereinbarungen

Junge Menschen beim Einstieg in die Arbeitswelt noch stärker unterstützen – das ist das Ziel der neuen Vereinbarungen zur Beruflichen Orientierung und am Übergang Schule – Beruf. Bund und Länder steigen jetzt in die ersten Gespräche ein.

Seit Ende Oktober 2019 haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mit den Ländern und den Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit Arbeitsgespräche über neue Vereinbarungen in der Initiative Bildungsketten aufgenommen. Die bestehenden Vereinbarungen mit bislang 13 Ländern laufen einheitlich Ende 2020 aus. Der Bund strebt an, nahtlos ab 2021 mit allen 16 Ländern eine Vereinbarung abzuschließen.

Dr. Ingo Böhringer, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Auf der bundesweiten Tagung „Gleiches Ziel, vielfältige Ansätze. Strategien und regionale Herausforderungen am Übergang Schule - Beruf“ im hessischen Limburg stellte Dr. Ingo Böhringer (BMBF) die Strategien des Bundes für den Übergang Schule – Beruf vor. In den Vereinbarungen entwickeln Bund und Länder eine jeweils für das Land spezifische Bildungskette zur Beruflichen Orientierung, am Übergang Schule – Beruf und in der Ausbildung. Dabei wird zum einen auf dem bisher Erreichten aufgebaut; gleichzeitig werden gemeinsam neue Herausforderungen im Übergang von der Schule zum Beruf adressiert.

„Vertrauensvolle Zusammenarbeit“

„Flexibilität, Zukunftsoffenheit und vertrauensvolle Zusammenarbeit sind Kennzeichen der Initiative Bildungsketten. Deshalb freue ich mich, dass Bund und Länder sich einig sind, die Initiative fortzusetzen. Dafür wollen wir neue Bildungsketten-Vereinbarungen abschließen, die den Zeitraum bis 2026 abdecken sollen“, erläuterte Böhringer.

Mit dem Land Hessen besteht seit 2015 eine Bildungsketten-Vereinbarung – eine der ersten überhaupt. Darin verankert ist zum Beispiel die sogenannte OloV-Strategie für den Übergang Schule – Beruf.

Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann redet auf der Bühne an einem Rednerpultvergrößern
Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann, Hess. Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen
„Junge Menschen stehen heute vor einer großen Zahl an möglichen Ausbildungs- und Studienangeboten. Das heißt, sie benötigen Orientierung, um den für sie richtigen Start ins Berufsleben nach der Schule zu finden. Viele Unternehmen wiederum suchen händeringend nach Auszubildenden. Unsere OloV-Strategie in Hessen setzt genau hier an und ist darin sehr erfolgreich. Darum wollen wir die gute Arbeit unserer Partner vor Ort weiter unterstützen“, so Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen in Limburg.

Erfolgsbeispiele in der Initiative Bildungsketten

Die Zusammenarbeit von Bund und Ländern in der Initiative Bildungsketten hat bereits viele positive Entwicklungen zur beruflichen Orientierung, am Übergang Schule – Beruf und in der Ausbildung bewirkt. Einige Beispiele:

  • Das BMBF fördert die Entwicklung des Analyseverfahrens „2P Potenzial und Perspektive“ zur Erfassung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler. Verabredet wurde die Entwicklung in der Bildungsketten-Vereinbarung mit Baden-Württemberg. Andere Bundesländer haben die Möglichkeit, das Verfahren zu übernehmen und an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen einzusetzen. Rheinland-Pfalz und Niedersachsen haben dies schon genutzt. So tragen die Bildungsketten dazu bei, dass gute Bildungs-Instrumente entwickelt und länderübergreifend eingesetzt werden.
  • Der Berufswahlpass wird zu einem modernen, digitalen Dokumentations- und Reflexionsinstrument in der Beruflichen Orientierung weiterentwickelt. Der neue digitale Berufswahlpass begleitet, moderiert und fördert das selbstgesteuerte Lernen. Ein Projektkonsortium aus mehreren Ländern arbeitet derzeit an der Entwicklung und Umsetzung. Die Federführung des Vorhabens „Berufswahlpass 4.0“ hat das Land Nordrhein-Westfalen. Die Finanzierung übernimmt das BMBF. Ziel ist ein einheitlicher digitaler Berufswahlpass, der sich bei einem Umzug in ein anderes Bundesland einfach auf die Angebote des neuen Landes umstellt –bundesweites Berufswahl-Roaming sozusagen.
  • Die Koordinierung der Berufsorientierung in Hessen ist geprägt durch ein Zusammenwirken von Bundes- und Landesinstrumenten. Die regionalen OloV-Steuerungsgruppen des Landes wirken mit beim Antragsverfahren für die Werkstatttage im BMBF-Berufsorientierungsprogramm (BOP). Dies führt zu einer ausgewogenen regionalen Verteilung der Maßnahme und sichert insbesondere, dass auch Schülerinnen und Schüler aus ländlichen Räumen Zugang zu zeitgemäßer Berufsorientierung haben.

Zum Hintergrund

Die Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ hilft Jugendlichen, sich gezielt auf ihren beruflichen Einstieg vorzubereiten und ihn erfolgreich zu beenden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Bundesagentur für Arbeit und die Länder setzen hierbei auf die systematische, bundesweite Umsetzung bereits in der Praxis erprobter und erfolgreicher Instrumente. Ziel der Initiative ist es, im Interesse der Jugendlichen den Übergang in die Berufswelt zu verbessern, die Vielzahl der Förderinstrumente von Bund und Ländern miteinander zu verzahnen und den Fachkräftenachwuchs der Wirtschaft zu sichern.

29.10.2019

Text: Michael Schulte, Servicestelle Bildungsketten
Fotos: Milton Arias Fotografie People & Events, www.milton-arias.com