Preisverleihung für „Beste*r Ausbildungsabsolvent*in mit Einwanderungsgeschichte“

Preisträger und Preisträgerin des Wettbewerbs „Beste*r Ausbildungsabsolvent*in mit Einwanderungsgeschichte“ (© BWK BildungsWerk in Kreuzberg)
In einer Online-Preisverleihung ehrten am 24. März 2021 das BildungsWerk in Kreuzberg, die KAUSA-Servicestelle Berlin und der Verband der Migrantenwirtschaft e.V. drei erfolgreich ausgebildete junge Menschen mit Migrationshintergrund. 

Über den Wettbewerb wurden erstmals bundesweit Ausbildungsabsolventinnen und Ausbildungsabsolventen mit Einwanderungsgeschichte gewürdigt. Die Veranstaltung zur Vielfalt in der Ausbildung ist im kommenden Jahr wieder vorgesehen.

Preisträger und Preisträgerin

Den ersten Preis erhielt Hedayatullah Tajik, der seine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme bei dem Unternehmen SMA Solar Technology AG in Kassel absolviert hat. Für seine hervorragende Ausbildung wurde er bereits von der IHK ausgezeichnet, seine Ausbildungsdauer konnte auf drei Jahre verkürzt werden. Hedayatullah Tajik wurde in Afghanistan geboren und hat seine Kindheit im Iran verbracht. 2015 flüchtete er nach Deutschland und schloss zwei Jahre später die Hauptschule mit einer sehr guten Note ab. Trotz seiner enormen Leistungsbereitschaft war er mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert: „Der Anfang war sehr schwer für mich. Mein Asylantrag wurde abgelehnt und ich wusste nicht, ob ich überhaupt in Deutschland bleiben kann.“ Nach seiner Ausbildung wurde er von SMA übernommen. Um beruflich weiterzukommen, besucht er parallel zur Arbeit eine Technikerschule. Ehrenamtlich engagiert sich der junge Mann, der fließend Deutsch, Englisch, Persisch und Dari spricht, als Laiendolmetscher.

Mit dem zweiten Preis wurde Dalea Mahmod gewürdigt. Die Mutter von drei Kindern hat 2020 ihre Ausbildung als Verkäuferin in Gera bei PENNY sehr gut abgeschlossen. 2014 flüchtete sie von Syrien nach Deutschland, wo sie zielstrebig Sprach- und Integrationskurse belegte. „Als Frau mit Kopftuch hat sie ihren Platz erkämpft“, betonte Ferry Pausch vom Verband der Migrantenwirtschaft in der Laudatio. Langfristiges Ziel der 33-Jährigen ist die Übernahme einer Marktleitung. Auch Dalea Mahmod engagiert sich ehrenamtlich: Als Integrationslotsin begleitet sie Geflüchtete bei Arzt- und Behördenbesuchen.

Der dritte Preis ging an Blerton Elmazi, der seine Ausbildung als Automobilkaufmann in Berlin als Landesbester schaffte. Sein Studium der Wirtschaftsinformatik hatte er zuvor abgebrochen, weil er es „zu trocken und theoretisch“ fand. Er ist in Berlin geboren und hat hier die Schule besucht, seine Eltern stammen aus Nordmazedonien. Trotz guter Abiturnoten sei er von vielen Ausbildungsbetrieben nicht zu Gesprächen eingeladen worden, berichtete er. Ehrgeiz zeigt Blerton Elmazi nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im Sport. Ehrenamtlich engagiert er sich als Fußballtrainer einer interkulturellen Mannschaft, wo er auch im schulischen Bereich Hilfe anbietet und ein Vorbild ist. Damit will er seiner Mannschaft zeigen, dass „ein Streber nicht uncool sein muss“.

Wettbewerb zeigt Potentiale von Menschen mit Migrationshintergrund

„Die Preisträgerin und Preisträger zeichnen sich durch besondere persönliche Leistungen und großes Engagement aus – in ihrem Betrieb, in Vereinen und auch im privaten Umfeld“, lobte die Schirmherrin des Wettbewerbs Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz. „Damit stehen sie stellvertretend für all die Menschen, die in unserem Land jeden Tag zeigen, wieviel wir erreichen können, wenn jede und jeder eine Chance bekommt und nutzt.“

Mit der Auszeichnung sollen die Potentiale von Menschen mit Migrationshintergrund für Unternehmen sichtbarer werden. Benachteiligungen soll somit entgegengewirkt werden. Auch bei gleichen Leistungen und Voraussetzungen werden Jugendliche mit muslimisch klingenden Namen seltener zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, erklärte Professorin Dr. Naika Foroutan in ihrem Vortrag. Studien zeigen: Dies sei auch der Fall, wenn die Bewerbungsunterlagen identisch sind.

Die Preisträger sind Vorbilder, die Jugendlichen mit Migrationshintergrund Orientierung geben können und für Vielfalt in der Ausbildung stehen. Was Menschen mit Migrationshintergrund nach einer Ausbildung mit Fleiß und Ehrgeiz erreichen können, verdeutlichte der Fernsehkoch Ali Güngörmüs, der zwei Gourmet-Restaurants eröffnet hat: „Einen Beruf zu lernen, ist was Tolles. Er wird auf der ganzen Welt anerkannt.“

Über 200 junge Menschen mit Ausbildungsabschluss haben sich an dem Wettbewerb beteiligt. „Es war nicht leicht, aus den vielen sehr guten Bewerbungen drei Preisträger auszuwählen“, sagte Thomas Giessler, Jury-Mitglied für den Deutschen Gewerkschaftsbund. „Ein ausschlaggebendes Kriterium war das soziale Engagement. Die jungen Menschen sind gute Vorbilder für eine gelungene Integration in die Arbeitswelt und in eine soziale Gesellschaft.“ Die Jury bestand zudem aus Vertreterinnen und Vertretern vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK), Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands e.V. (BVMW), VMW, BWK und dem Bundeskanzleramt.

Weitere Informationen: https://vielfalt-in-der-ausbildung.de