Wie Josi und Patrick ihren Weg in die Ausbildung finden Die Auszubildende: Josephine Hübsch

Sie steckten in der Sackgasse. Doch mit den Bildungsketten gehen Josi und Patrick jetzt ihren eigenen Weg in die Arbeitswelt. Ein Netzwerk aus engagierten Helfern unterstützt die beiden Jugendlichen in Rostock. Beim Auftaktkongress 2011 in Berlin hatten Josi und Patrick die Bildungsexperten aufgefordert: „Leute, hört auf die Jugendlichen!“ Ein Porträt.

Phantasie-Berufsziel gegen realistischen Job eingetauscht

Für alle heißt sie schlicht und einfach Josi. In der Plattenbauwohnung in Rostock-Schmarl lebt die 16-Jährige mit ihrer Mutter, die als Reinigungskraft arbeitet. „Meinen Papa kenne ich gar nicht, der ging weg, als ich noch ganz klein war“. In Sichtweite der Plattenbauten steht die Krusenstern-Gesamtschule, die Josi bis voriges Jahr besuchte.

Eigentlich war lange ausgemacht, dass Josi den Realschulabschluss machen sollte. So wünschte es sich jedenfalls „Mutti“, wie Josi ihre Mutter stets liebevoll nennt. Von ihrer ganzen Anlage her schien das auch machbar, so sah es jedenfalls Josis langjährige Klassenlehrerin.

Doch etwa ab der 7. Klasse wurden Josis Leistungen deutlich schlechter, und in der 8. ging dann gar nichts mehr: „Ich hatte Probleme mit Mutti, schwänzte oft die Schule, trieb mich draußen herum oder schaute zuhause mit Freunden Fernsehen, sobald Mutti nicht da war.“ Auf dem Zeugnis standen fünf Fünfen.


Das war der Moment, wo der Realschulabschluss endgültig in weite Ferne rückte – ebenso wie Josis Phantasie-Berufsziel: „Stewardess“. Schon im zweiten Halbjahr der 8. Klasse hatte ihre Lehrerin Josi zur Berufseinstiegsbegleiterin an ihrer Schule geschickt. „Anfangs hatte ich gar keine Lust auf sie“, sagt Josi, die von sich selbst sagt, dass sie bisweilen auch mal zickig sein könne. Aber aus den zweimal pro Woche arrangierten Gesprächen entwickelte sich bald eine intensive Beziehung: „Sie war gar nicht so etwas wie eine Berufsberaterin, sondern wie eine Freundin für mich und Mutti.“

Denn auch ihre Mutter nahm die Gesprächsmöglichkeit und die Orientierung über Chancen für einen Berufsstart ihrer Tochter dankbar an. Josi, die zuvor recht verschlossen gewesen war, öffnete sich der Berufseinstiegsbegleiterin. „Manchmal haben wir auch zwei Stunden lang gequatscht.“ Auch ihre Lehrerin und die Berufsberaterin der Arbeitsagentur trugen ihre Ideen und Einschätzungen bei.

„Wer was werden will, muss damit klarkommen“

Gleich geht's in den Backofen

Allmählich fand sich so im Verlauf der 9. Klasse ein neues, realistisches Ziel für Josi. Die Begleiterin vermittelte ihr einige Berufspraktika, sie lernte den Alltag in Kindertagesstätten und Bäckereien kennen. Hier zeigte sich: Josi ist jemand, der die Praxis braucht und den direkten Kontakt mit Menschen. „Ich könnte nicht den ganzen Tag vor einem Bildschirm sitzen.“ Klar war also: besser eine vernünftige Berufsreife (der frühere „Hauptschulabschluss“) nach der 9. Klasse als das Traumziel einer Mittleren Reife nach einem weiteren quälenden Schuljahr.

Josis ältere Schwester arbeitete selbst schon bei der Rostocker Konditorei Nowak und riet ihr ebenfalls zur Ausbildung als Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk. In einem Bewerbungstraining bekam Josi sehr gute Rückmeldungen, denn sie konnte sich gut verkaufen. Beste Voraussetzungen also, das Verkaufen professionell zu lernen.

Mit diesem neuen Mut, dank wieder verbesserter Schulleistungen, mit der Berufsreife in der Tasche und ohne den Druck, noch Prüfungen für einen höher qualifizierenden Schulabschluss bestehen zu müssen, ging Josi ins Bewerbungsgespräch um den Ausbildungsplatz bei Nowak. Und weil sie sehr überzeugend vermitteln konnte, dass sie Spaß am Umgang mit Kunden hat, bekam die junge Frau die Stelle. Wer sie heute, am Ende des ersten Ausbildungsjahres, im Kundengespräch hinterm Tresen beobachtet, zweifelt nicht daran, dass es die richtige Entscheidung war.

Zickig wird sie nie im Verkauf, sie hat sich selbst gegenüber ungeduldigen Kunden zu beherrschen gelernt. Aber was ist mit den täglichen Öffnungszeiten ab 5.30 Uhr, mit denen ein Schild in der Filiale wirbt? „Wer was werden will, muss damit klarkommen“, sagt Josi selbstbewusst. „Außerdem darf ich als Minderjährige erst um 6 Uhr morgens anfangen.“

Ansprechpartner

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