Erfolgreiche Netzwerkarbeit am Übergang Schule – Beruf

Was starke Netzwerke leisten können, zeigen die KAUSA-Servicestellen Märkische Region und Hamburg. Auf dem Weg zur Ausbildung unterstützen sie die Jugendlichen gemeinsam mit ihren Partnern in Schulen und Jugendberufsagenturen.

Tamim Wafa, Mitarbeiter der KAUSA-Servicestelle Hamburg, und Beate Gebauer, Berufsberaterin der Jugendberufsagentur Wandsbek

Tamim Wafa, Mitarbeiter der KAUSA-Servicestelle Hamburg, und Beate Gebauer, Berufsberaterin der Jugendberufsagentur Wandsbek

Susanne Dorn, KAUSA-Servicestelle Hamburg

Durch Kooperation kann die Unterstützung der Ausbildung von Jugendlichen besser bewältigt werden. Förderlücken werden leichter entdeckt und geschlossen. Verweisberatung und gute Zusammenarbeit sind nur möglich, wenn die Beteiligten alle relevanten Einrichtungen, Möglichkeiten und Maßnahmen kennen. Ein wesentlicher Gelingensfaktor ist der Aufbau einer Vertrauensbasis sowie die Fokussierung auf ein gemeinsames Ziel: den Abschluss einer Ausbildung.

KAUSA-Projekte – Netzwerkarbeit im Fokus

Bei den KAUSA-Projekten, die das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert, hat Netzwerkarbeit einen hohen Stellenwert. KAUSA steht für die bundesweite „Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration“ im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Ziel von KAUSA ist es, die Ausbildungsbeteiligung von jungen Menschen und Unternehmern mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Dies wird erreicht, indem sowohl Jugendliche als auch Betriebe beim Einstieg in die Ausbildung unterstützt werden, bei Bedarf auch begleitend.

Verweisberatung spielt bei der Arbeit der KAUSA-Projekte eine zentrale Rolle: So unterstützen sie hilfesuchende Jugendliche auf dem Weg zur Ausbildung durch Verweise auf andere Einrichtungen oder Maßnahmen. Gut gepflegte Netzwerke sind daher die Grundlage guter Beratungsarbeit, ermöglichen aber auch den Transfer und die nachhaltige Umsetzung der Projektidee. Einige KAUSA-Projekte konnten von Anfang an auf bestehenden Netzwerken ihrer Projektträger aufbauen, wodurch eine schnelle Einbindung in ausbildungsbezogene kommunale Strukturen ermöglicht wurde.

KAUSA-Servicestelle Hamburg – Brückenbauer für Menschen mit Migrationshintergrund

Der Verein ASM (Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten e.V.), Träger der KAUSA-Servicestelle Hamburg, arbeitet seit seiner Gründung mit der Handelskammer Hamburg zusammen. „Die Handelskammer ist unser wichtigster Partner, weil wir vorwiegend in den Bereichen Handel und Dienstleistung tätig sind“, betont Susanne Dorn, Projektleiterin der KAUSA-Servicestelle. „Der Kontakt ist für uns entscheidend, wenn es um die Gewinnung von migrantischen Unternehmen als Ausbildungsbetriebe geht oder um praktische Unterstützung bei Formalitäten.“ Über die Kammer ist der Verein mit dem „Aktionsbündnis für Bildung und Beschäftigung Hamburg – Hamburger Fachkräftenetzwerk“ verbunden, an dem alle Partner am Hamburger Ausbildungsmarkt beteiligt sind, wie Fachbehörden des Senats, die Agentur für Arbeit, Kammern, Verbände und Gewerkschaften.

Bei der Beratung von Jugendlichen zu Ausbildungsberufen und der Vermittlung in Ausbildung spielt die Jugendberufsagentur Hamburg (JBA) eine besondere Rolle. Bereits während der Projektplanung hat die ASM den Kontakt zum Koordinierungsteam der JBA gesucht.

Alena Billon, Koordinatorin der Jugendberufsagentur Hamburg, weiß die „Brückenfunktion“ zu schätzen. „Durch die Zusammenarbeit mit der KAUSA-Servicestelle können Jugendliche, Eltern und Communities eng an die Jugendberufsagentur angebunden und an das Thema Ausbildung herangeführt werden“, sagt Billon. Denn: ASM wird von migrantischen Betrieben getragen und unterhält Kontakte zu anderen Migrantenorganisationen. Einige ASM-Mitarbeitende stammen aus der Türkei, aus Afghanistan, Syrien, Russland, Pakistan oder Polen und können in zehn Sprachen informieren. Aufgrund ihrer Herkunft können sie auf migrationsspezifische Bedürfnisse besonders eingehen. Die JBA empfiehlt vor allem Geflüchteten oder Frauen mit Kopftuch, bei Ausbildungsabbrüchen oder wenn eine mehrsprachige Berufliche Orientierung erforderlich ist, die Hilfe der KAUSA-Servicestelle in Anspruch zu nehmen.

Die KAUSA-Servicestelle ergänzt bei Bedarf die Angebote der Jugendberufsagentur. Tamim Wafa, KAUSA-Mitarbeiter mit Fluchthintergrund aus Afghanistan, hat die Jugendberufsagentur bei Ausbildungsberatungstagen für Geflüchtete unterstützt und war regelmäßig vor Ort bei der Behörde an Beratungsgesprächen beteiligt, zum Beispiel am Standort Wandsbek. Beate Gebauer, Berufsberaterin der JBA Wandsbek, lobt die Zusammenarbeit: „Herr Wafa hat uns in der Zeit nach der großen Flüchtlingswelle sehr geholfen, besonders mit seinen Sprachkenntnissen und kulturellen Kenntnissen. Ein großer Vorteil war, dass Herr Wafa das deutsche Bildungssystem mit seinen Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten in der Muttersprache der Jugendlichen erklären konnte.“ Einen Mehrwert bietet der kollegiale Austausch im Anschluss an die Beratungsgespräche, der unter anderem das interkulturelle Verständnis fördert.

Alle Netzwerke und Projekte der ASM ergänzen sich – ein Gewinn für die Jugendlichen und Partner: So profitieren auch die Agentur für Arbeit und damit die Jugendberufsagentur von den Kontakten der KAUSA-Servicestelle zu Unternehmerinnen und Unternehmern mit Migrationshintergrund, die offene Ausbildungsplätze anbieten.

KAUSA-Servicestelle Märkische Region – Vernetzerin am Übergang Schule – Beruf

Über die Projektträgerin agentur mark GmbH ist die KAUSA-Servicestelle Märkische Region mit zahlreichen Einrichtungen verbunden, die am Übergang Schule – Beruf mitwirken. Hinter der agentur mark stehen als Gesellschafter unter anderem die Stadt Hagen, Kammern und Gesellschaften für Wirtschaftsförderung. Gegründet wurde der Dienstleister 1994 während der Arbeitsmarktkrise, um die Beschäftigung in der Stadt Hagen zu fördern.

Wie die anderen KAUSA-Projekte erarbeitet die KAUSA-Servicestelle Märkische Region innovative Modelle, die Regelinstrumente migrationssensibler macht, um mehr Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund für eine duale Ausbildung zu gewinnen. Bereits bei der Entwicklung von Modellen wird die Zusammenarbeit in Netzwerken und der Austausch mit anderen Projekten berücksichtigt.

Modell Beratungskonferenz in Internationalen Förderklassen

Als erfolgreiches Instrument zur Gestaltung des Übergangs Schule – Ausbildung haben sich Beratungskonferenzen in der Region etabliert. Diese hat die KAUSA-Servicestelle erstmals 2018, im Vorläuferprojekt der KAUSA-Servicestelle Hagen, modellhaft in Internationalen Förderklassen an vier Berufskollegs in Hagen durchgeführt. Die Idee entstand im Dialog mit Lehrkräften bei Überlegungen zu der Frage, welcher Weg für Geflüchtete am Ende der Schulzeit passend ist – ob der Schulbesuch fortgesetzt, eine Ausbildung oder Maßnahme begonnen werden sollte. Das Ziel: Niemand soll nach der Schule verloren gehen, die „Bildungskette“ soll mit der Perspektive auf eine Ausbildung fortgeführt werden. „Gemeinsam haben wir überlegt, wie wir für die Jugendlichen mit unterschiedlichen Voraussetzungen eine warme Übergabe in eine andere Institution, eine Einstiegsqualifizierung oder Ausbildung hinbekommen“, erzählt KAUSA-Projektleiterin Susanne Dalkmann.

Bei den Beratungskonferenzen an den Internationalen Förderklassen spricht die KAUSA-Servicestelle gemeinsam mit der Klassenleitung, Mitarbeitenden der Schulsozialarbeit und dem Berufsberater der Agentur für Arbeit über Anschlussperspektiven, notwendige Unterstützungen und zukünftige Ansprechpersonen. Zur Vorbereitung tragen die Lehrkräfte Informationen zur Ausbildungsreife der Jugendlichen zusammen, wie Deutschkenntnisse, erwartete Abschlussnoten und geleistete betriebliche Praktika, sowie den Berufswunsch und mögliche Anschlüsse.

„Wir nehmen uns ausreichend Zeit und versuchen eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen“, sagt Martin Welzbacher, Berufsberater in der Bundesagentur für Arbeit. Für jeden Jugendlichen stehen etwa 30 Minuten zur Verfügung. Im Einzelgespräch erzählt jeweils ein Jugendlicher zunächst von seinen Erfahrungen und beschreibt seine beruflichen Vorstellungen. Im Anschluss tauschen sich die Beratenden aus. „Wenn Ausbildungsreife erkennbar ist, unterstützt die KAUSA-Servicestelle bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz“, erklärt Dalkmann. „Die Agentur für Arbeit begleitet die Jugendlichen, die noch nicht sofort mit der Ausbildung starten können. Wichtig ist uns dabei der enge zeitliche Kontakt und eine kleinschrittige Vorgehensweise“, ergänzt Martin Welzbacher. „Grundsätzlich unterstützt die Agentur für Arbeit alle Jugendlichen in Zusammenarbeit mit der KAUSA-Servicestelle bei der Ausbildungsplatzsuche.“

Abwandlung des Modells und Transfer in ländliche Region

Das Modell hat die KAUSA-Servicestelle von der Stadt Hagen in die ländliche Region, in den Märkischen Kreis, transferiert und leicht abgewandelt. Im Frühjahr 2020 fand im Märkischen Kreis erstmals ein Beratertag für die 10. Klasse einer Sekundarschule mit hohem Migrantenanteil statt. Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen ohne Ausbildungsstelle konnten freiwillig teilnehmen. „Unversorgte Jugendliche mit dem Potenzial für eine duale Ausbildung sollten nicht in eine schulische Warteschleife entlassen, sondern frühzeitig in Ausbildung gebracht werden“, sagt Dalkmann.

Die KAUSA-Servicestelle wurde gemeinsam mit anderen ausbildungsbezogenen Projekten der Kammern und des Berufsbildungszentrums des Handwerks aktiv, um von der Schule ausgewählte Jugendliche kennenzulernen und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen. Neben der Kommunalen Koordinierung (KoKo) Märkischer Kreis waren die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit sowie Lehrkräfte an der Organisation beteiligt. Die schulischen Koordinatorinnen und Koordinatoren für Berufs- und Studienorientierung (StuBo) übernahmen die Auswahl und Ansprache der Jugendlichen. Das StuBo-Team leitete von den Jugendlichen erstellte Kurzprofile an die Projekte weiter. So konnten Gespräche gezielt mit den jeweiligen Beratenden der Projekte geführt werden, deren offene Ausbildungsplätze zu den Wünschen der Jugendlichen passten.

An dem Beratertag treffen sich alle ausgewählten Schülerinnen und Schüler mit dem StuBo-Team und den Beratenden in dem Klassenraum. Nach allgemeinen Informationen zu Bewerbungen werden Bewerbungsgespräche auf freiwilliger Basis geübt. Parallel werden Jugendliche aus der Gruppe zu Einzelgesprächen mit Beratenden der ausbildungsnahen Projekte gebeten. Mit den Jugendlichen werden in individuellen Vereinbarungen erste konkrete Schritte festgelegt, wie das Zusenden der Bewerbung oder des Lebenslaufs.

Empfehlungen für alle, die ihr Netzwerk zum Übergang Schule – Beruf auf- und ausbauen wollen

Susanne Dorn, Projektleiterin der KAUSA-Servicestelle Hamburg

„Zum Erfolg tragen persönliche Kontakte und ein diverses Team entscheidend bei. Mitarbeitende mit Migrationshintergrund schaffen es leichter, Nähe zu Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund aufzubauen. Wer über mehrjährige Berufserfahrung verfügt oder über Erfahrung in der Selbstständigkeit, hat eine höhere Akzeptanz bei Unternehmen.“

„Mit allen relevanten Ausbildungs-Akteuren in der Region sollten Gespräche geführt werden – möglichst schon vor dem Projektstart. Die Partner sollten beteiligt werden, beispielsweise indem sie aktive Parts bei Veranstaltungen erhalten. Durch eine aktive Rolle im Netzwerk und einen permanenten Austausch wird die Verbindung zum Projekt und Träger gestärkt.“

„Für die Verweisberatung ist eine Tabelle mit anderen Projekten und Einrichtungen am Übergang Schule – Beruf hilfreich. In der Übersicht finden die Beraterinnen und Berater schnell die Angebote, Schwerpunkte und Kontaktdaten. Vor allem die Kontaktdaten müssen laufend aktualisiert werden.“

Susanne Dalkmann, Projektleiterin der KAUSA-Servicestelle Märkische Region

„Die Netzwerkpartner sollten ihre Angebote ergänzen und sich nicht als Konkurrenz verstehen. Wichtig ist, dass alle auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Aufgaben sollten unter den Akteuren aufgeteilt werden und alle über die Zuständigkeiten informiert sein.“

„Bewährt hat sich ein kontinuierlicher Austausch zwischen ausbildungsnahen Projekten einer Region und mittelfristig ein gemeinsames Management der Bewerberinnen und Bewerber. So kann ein gemeinsamer Bewerbungspool mit unvermittelten Jugendlichen die Zusammenarbeit zwischen den Projekten stärken und die Chancen der Jugendlichen auf einen geeigneten Ausbildungsplatz erhöhen.“

„Ein erfolgreiches Beratungsgespräch setzt intensive Vorarbeit aller Beteiligten voraus, wie die Vorbereitung der Jugendlichen, die Erstellung von Bewerbungsunterlagen oder das Zusammenstellen von Listen mit Ausbildungsreife, Erfahrungen und Berufswünschen der Jugendlichen.“