Online-Tagung der KAUSA-Projekte: Netzwerke helfen auch in Corona-Pandemie

Dank guter Netzwerke konnten die KAUSA-Projekte trotz Corona-Pandemie erfolgreich Betriebe und Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Weg zur Ausbildung unterstützen. Arbeit im Netzwerk war daher ein Kernthema bei dem Austausch der Projekte. 

Zwei Frauen im Gespräch

Adobe Stock, fizkes

Zu dem jährlichen Netzwerktreffen der KAUSA-Projekte kamen am 21. September 2021 über 50 Personen online zusammen, um sich über Erfolge und Herausforderungen in der Projektarbeit auszutauschen. Vertreten waren alle 16 regionalen KAUSA-Servicestellen und 6 KAUSA-Landesstellen, die 4 Regionalbüros sowie Mitarbeitende der Servicestelle Bildungsketten im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), die für die Projektbegleitung zuständig ist.

Ausbildung für Menschen mit Migrationshintergrund nachhaltig sichern

KAUSA-Projekte unterstützen Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund, junge Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund sowie deren Eltern rund um das Thema Ausbildung. Das BMBF fördert regionale KAUSA-Servicestellen sowie KAUSA-Landesstellen, die mitunter aus Landesmitteln kofinanziert werden. „Mit einer innovativen Transferstrategie sollen Angebote und Instrumente übertragen werden, um möglichst viele kleine und mittlere Unternehmen sowie Menschen mit Migrationshintergrund zu erreichen“, sagte Carsten Schülke, Leiter der Servicestelle Bildungsketten, in seiner Begrüßung. Damit verwies er auf die KAUSA-Transfer-Projekte, die ab Januar 2022 beginnen werden.

Dr. Gudrun Steeger, Referentin im BMBF, hob in ihrem Grußwort die Bedeutung von Netzwerken hervor: „Funktionierende Netzwerke bieten die Basis, dass gute Produkte weiterverwendet werden.“ Das Bildungsministerium verfolge einerseits das Ziel, auslaufende regionale KAUSA-Servicestellen in landesweite Projekte umzuwandeln. Dabei können KAUSA-Landesstellen verschiedene Schwerpunkte setzen, beispielsweise mit der Beratung von Frauen oder von Eltern. Andererseits sollten die Projektergebnisse auch bei externen Organisationen zum Einsatz kommen. Im Mittelpunkt stehe folglich immer die Nachhaltigkeit der Projektarbeit.

Projektarbeit während der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie ist für die KAUSA-Projekte seit dem Frühjahr 2020 eine große Herausforderung. In einer Diskussionsrunde berichtete Arzu Pehlivan von der KAUSA-Servicestelle Hamburg, der Beratungsbedarf der Unternehmen habe mit dem ersten Lockdown sehr stark zugenommen. Das Projekt reagierte schnell und erstellte Informationen in verschiedenen Sprachen, unter anderem zur Ausbildung während der Pandemie und zu Fördermöglichkeiten. Auch während des Lockdowns suchten die Projektmitarbeitenden die Unternehmen in allen Hamburger Stadtbezirken persönlich auf. Die Arbeit der KAUSA-Servicestelle war weiterhin erfolgreich – vor allem wegen des Netzwerks und der projektübergreifenden Zusammenarbeit in der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten e.V., dem Projektträger der KAUSA-Servicestelle Hamburg. „KAUSA ist eine Marke in Hamburg geworden“, sagte Pehlivan.

Die KAUSA-Servicestelle Region Hannover reagierte auf den großen Informationsbedarf zur Ausbildung während der Corona-Pandemie mit einem Newsletter. Projektmitarbeiterin Dina de Haas erzählte, dass im ersten Lockdown Unternehmen mit Jugendlichen erstmals digital zusammengebracht wurden, ein Ersatz für Ausbildungsmessen in Präsenz. So konnten sich Betriebe während des Digitalunterrichts den Schulklassen vorstellen und Fragen beantworten. „Bei dem digitalen Austausch waren Betriebe dabei, die sonst nicht mitgemacht hätten“, sagte de Haas. „Ein Vorteil des digitalen Austauschs ist, dass weniger Zeit beansprucht wird und Fahrwege gespart werden.“

KAUSA von 1999 bis heute – ein Rückblick

KAUSA steht für „Ausbildung und Migration“. Wie KAUSA-Projekte seit 1999 in mehreren Förderrunden flexibel auf aktuelle Entwicklungen reagiert haben, fasste André Grabinski von der Servicestelle Bildungsketten zusammen. Selbstständige mit Migrationshintergrund sind von Beginn an eine der Hauptzielgruppen von KAUSA. Sie sollen für eine Ausbildung gewonnen werden. Als weitere Zielgruppen sind seit 2013 Jugendlichen mit Migrationshintergrund hinzugekommen und seit 2016 Geflüchtete; Eltern von Jugendlichen mit Migrationshintergrund werden seit 2011 einbezogen.

Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund werden dank der Unterstützung zunehmend als Ausbildungsbetriebe aktiv. Um Selbständige mit Migrationshintergrund und ihre Verdienste für die berufliche Bildung in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, wurde der KAUSA-Medienpreis von 2010 bis 2018 verliehen. Von 2010 bis 2011 wurden rund 1.000 Fachkräfte mit Migrationshintergrund auf eine Ausbildertätigkeit vorbereitet und konnten so die Ausbildereignung erhalten. Während der starken Zuwanderung von Geflüchteten 2015/2016 wurden die Schwerpunkte der KAUSA-Servicestellen flexibel angepasst und Informationen rund um das Thema Ausbildung sowie direkte Beratung von Geflüchteten angeboten. Auch in der Corona-Pandemie war und ist die Flexibilität der Projekte wesentlich für die erfolgreiche Unterstützung von Unternehmen und jungen Menschen mit Migrationshintergrund.

KAUSA-Themen im Spotlight

In mehreren Kleingruppen sprachen die Teilnehmenden über Netzwerkarbeit, die Gewinnung von kleinen und mittleren Unternehmen mit Migrationshintergrund für die Ausbildung, Gelingens- und Hemmungsfaktoren bei AEVO-Vorbereitungskursen für Menschen mit Migrationshintergrund sowie über die Nachhaltigkeit der Projektarbeit.

Entscheidend für ein funktionierendes Netzwerk sei, dass Win-win-Situationen geschaffen werden und alle Beteiligten profitieren. Bei der Zusammenarbeit setzen die KAUSA-Projekte daher gemeinsam mit ihren Partnern konkrete Ziele und Aktivitäten um.

Netzwerkarbeit spielt auch eine große Rolle, wenn Unternehmen mit Migrationshintergrund für eine Ausbildung gewonnen werden sollen. Die KAUSA-Projekte pflegen Kontakt zu Selbstorganisationen von Migrantinnen und Migranten, zu Kulturvereinen oder Unternehmensverbänden. Besonders wichtig sei die Mund-zu-Mund-Werbung, die Empfehlung über Ausbildungsbetriebe, die bereits von KAUSA-Projekten unterstützt wurden, betonte Pehlivan. Mehrsprachigkeit sei ein Türöffner und schaffe Vertrauen. Viele Mitarbeitende sprächen fließend Arabisch, Türkisch oder Farsi und könnten so leichter Kontakt zu Menschen mit Migrationshintergrund herstellen. Was die KAUSA-Projekte zudem auszeichnet: Sie bauen Kontakte persönlich auf, bringen viel Geduld mit und helfen dabei, Hemmschwellen zu Behörden und Kammern abzubauen.

Auch bei AEVO-Kursen zur Vorbereitung der Ausbildereignungsprüfung ist verständliche Sprache wesentlich. Die KAUSA-Projekte informieren die Unternehmen über Fördermöglichkeiten, sodass eine Teilnahme an dem Kurs nicht aus finanziellen Gründen scheitert. Ihre Kurse führen die Projektträger außerhalb der üblichen Arbeitszeiten durch, abends und an Sonntagen, um allen Interessierten eine Teilnahme zu ermöglichen.

Nachhaltiger Projekterfolg

Das Thema Nachhaltigkeit werde bei der Netzwerkarbeit von Anfang an mitgedacht. Die enge Kooperation mit Arbeitsagenturen und Kammern, mit Migrantenorganisationen und Wirtschaftsverbänden ist Basis für die Projektarbeit. Partner, die zukünftig ein Konzept übernehmen sollen, müssen möglichst frühzeitig beteiligt werden und von den Maßnahmen überzeugt sein. Die Deutsch+ Kurse in Rheinland-Pfalz habe die KAUSA-Landesstelle beispielsweise von Beginn an mit ihren Partnern entwickelt, erzählte Sabine Helfrich. Wie wichtig die Schulung von Multiplikatorinnen ist, zeigt die Kooperation mit der Elternschule in Hamburg. „Wir haben Mütter mit Migrationshintergrund über das duale Ausbildungssystem informiert und das Thema berufliche Orientierung in den kooperierenden Hamburger Elternschulen platziert“, erzählte Pehlivan von der KAUSA-Servicestelle Hamburg. Von der Elternschule wird das Wissen in den folgenden Jahren eigenständig weitergeben.

Nachhaltigkeit lässt sich nur mit Partnern erreichen, die Angebote übernehmen und langfristig durchführen – unabhängig von den KAUSA-Projekten. So können sich die KAUSA-Projektträger weiteren Aufgaben zuwenden. Denn: Es bleibt noch genug zu tun.