Praktische Berufsorientierung

In Werkstatttagen, Praktika oder Parcours lernen Schülerinnen und Schüler verschiedene Berufsfelder kennen und können sich selbst praktisch erproben. So werden die jungen Menschen frühzeitig an die Berufswelt herangeführt.

Ausbilder prüft Mauer mit Wasserwaage, daneben steht Jugendlicher, Mädchen im Hintergrund

Bildungsketten (Fotograf: Mike Auerbach)

Welcher Beruf ist der Richtige für mich? Was will ich nach der Schule machen? Diese Fragen stellen sich viele junge Menschen schon in der Schule. Um die Schülerinnen und Schüler bei der Suche nach dem richtigen Weg zu unterstützen, finden bereits in der Schulzeit viele Maßnahmen zur Beruflichen Orientierung statt.

Berufsorientierungsprogramm (BOP)

Das Programm zur „Förderung der Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungsstätten“ – kurz Berufsorientierungsprogramm (BOP) – hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung 2008 lanciert. Das Programm setzt sich aus 2 Kernbestandteilen zusammen: der Potenzialanalyse ab Klasse 7 und den Werkstatttagen ab Klasse 8. In den Werkstatttagen lernen die jungen Menschen mindestens 3 Berufsfelder in einer Berufsbildungsstätte kennen. Einblicke in den praktischen Ablauf einer solchen Berufsfelderkundung geben Videos auf der Webseite des Berufsorientierungsprogramms.

Berufsorientierungsangebote der Bundesagentur für Arbeit

Vertiefende Berufsorientierungsmaßnahmen (BOM) bietet auch die Bundesagentur für Arbeit an (§ 48, Sozialgesetzbuch III). Jugendliche erhalten dadurch einen tieferen Einblick in die Berufs- und Arbeitswelt. Ziel ist es, sie besser auf die Berufswahl vorzubereiten.

Die Internetseite www.planet-beruf.de informiert über Themen rund um Berufswahl, Bewerbung und Ausbildung. Sie ist somit für Schülerinnen und Schüler eine wichtige Hilfe zur Planung der beruflichen Zukunft. Wer mehr über seinen Traumjob wissen möchte, findet im Internetportal Berufe.TV zahlreiche Filme: Ob Altenpfleger/in, Kfz-Mechatroniker/in oder Zahntechniker/in – zu fast allen anerkannten Ausbildungsberufen berichten Auszubildende aus ihrem Arbeitsalltag.

Die Schulen und die Berufsberatung der Agenturen für Arbeit runden mit ihren Maßnahmen das Angebot ab. Berufsorientierungslehrkräfte besuchen zum Beispiel mit ihren Schülerinnen und Schülern Betriebe in der Region und helfen gemeinsam mit der Berufsberatung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Berufsorientierung in den Ländern

Die Länder nutzen alle Angebote der Beruflichen Orientierung und passen diese in ihre jeweiligen Landeskonzepte ein.

Das Berufsorientierungsprogramm steht bundesweit in allen Bundesländern zur Verfügung. In der Standardausführung folgen auf die 2-tägige Potenzialanalyse die 2-wöchigen Werkstatttage. In den Bildungsketten-Vereinbarungen können die Maßnahmen jedoch landesspezifisch angepasst werden, was sich auf Dauer und Umfang der beiden Instrumente auswirken kann. Das Ziel aller Varianten ist dabei immer gleich: Die Schülerinnen und Schüler erkunden spielerisch ihre Stärken und lernen verschiedene Berufsfelder kennen.

Die Berufsorientierungsmaßnahmen (BOM) der BA werden von den Ländern kofinanziert. Die Länder vereinbaren mit der zuständigen Regionaldirektion der BA landesspezifische Angebote, die in der Regel modular angeboten und von den Schulen je nach individuellem Bedarf für die jeweilige Schülerschaft abgerufen werden können.

Alle länderspezifischen Varianten und Angebote finden Sie in der Bildungsketten-Projektlandkarte unter dem Thema „Berufliche Orientierung“.

Berufliche Orientierung an Gymnasien und Schulen mit Gymnasialzweig

Ein besonderer Fokus in der Beruflichen Orientierung gilt jungen Menschen, die die Schule mit dem Abitur abschließen wollen. Um diesen die Vielfalt der Perspektiven in der beruflichen Bildung und im Studium aufzuzeigen, passen Länder ihre Angebote zunehmend an die Bedürfnisse der Zielgruppe an. Der Bund flankiert und unterstützt die Länder dabei durch Modellprojekte und landesspezifische Angebote. Beispielsweise fördert das BMBF bundesweit Modellprojekte zur Beruflichen Orientierung in der Sekundarstufe I an Gymnasien und unterstützt in den Bildungsketten-Vereinbarungen spezifische Anpassungen und Entwicklungen für die Zielgruppe. Auch modellhafte Ansätze zur Förderung von leistungsstarken jungen Menschen wie in Bremen gehören zu den erweiterten Maßnahmen.

Die Länder entwickeln Curricula für die Berufliche Orientierung: In Hamburg beispielsweise ist im Rahmenkonzept „Berufliche Orientierung in der gymnasialen Oberstufe“ seit dem Schuljahr 2018/2019 die Berufliche Orientierung fest als eigenes Unterrichtsfach an Stadtteilschulen, Gymnasien und Beruflichen Gymnasien verankert. Die Berufliche Orientierung ist mit einem Stundenkontingent von mindestens 34 Unterrichtsstunden verbindlich in der Stundentafel der Studienstufe festgelegt.

Die BA unterstützt in Zusammenarbeit mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft die Länder mit „Studien- und Berufsorientierung wirksam begleiten – Unterrichtseinheiten für die gymnasiale Oberstufe“. Das jeweils den landesspezifischen Erfordernissen angepasste Handbuch bietet ein handlungs- und zielgruppenorientiertes Methodenkonzept und führt mit praxiserprobten Unterrichtseinheiten durch die verschiedenen Fragen der Beruflichen Orientierung.

Berufswahlpass

Der Berufswahlpass begleitet viele Schülerinnen und Schüler im Berufsorientierungsprozess. Es ist eines der am meisten verbreiteten Portfolioinstrumente in der Beruflichen Orientierung. Aufgrund des veränderten Nutzungsverhalten junger Menschen sowie den neuen Möglichkeiten und Chancen digitaler Medien, haben sich Bund und Länder darauf geeinigt, ein digitales Instrument zu entwickeln.