Maßnahmen zur Integration

Schulpflichtige Geflüchtete und Neuzugewanderte durchlaufen wie alle Schülerinnen und Schüler auch die Berufsorientierungsmaßnahmen, die an Schulen angeboten werden. Die für sie entwickelten Angebote gehen gezielt auf ihre Bedürfnisse ein.

Jugendlicher zeigt Berater seine Bewerbungsmappe

Adobe Stock, Daniel Ernst

Junge Geflüchtete oder Neuzugewanderte an allgemeinbildenden Schulen durchlaufen in der Regel mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern das Berufsorientierungsprogramm, bestehend aus Potenzialanalyse und Werkstatttagen. Für junge Menschen, die beispielsweise Schwierigkeiten mit der Sprache haben, bieten die meisten Bundesländer verschiedene Maßnahmen an.

Länderspezifische Maßnahmen in der Initiative Bildungsketten

Eine Maßnahme, die in vielen Ländern angeboten wird, sind spracharme und kulturfaire Kompetenzfeststellungsverfahren, wie beispielsweise das Instrument „2P – Potenziale und Perspektiven“ (2P). Dabei handelt es sich um ein computergestütztes Verfahren zur Kompetenzfeststellung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren. Mit 2P werden fachliche und überfachliche Kompetenzen festgestellt, wodurch eine individuellere Förderung und eine gezieltere Einstufung der neuzugewanderten Schülerinnen und Schüler in den Regelunterricht ermöglicht wird. Die Aufgaben sind so konzipiert, dass sie mit geringen oder fehlenden Deutschkenntnissen gelöst werden können.

Grundlage für 2P ist eine Bildungsketten-Vereinbarung mit Baden-Württemberg. Das in diesem Land entwickelte Verfahren haben inzwischen mehrere Länder übernommen und setzen es an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen ein. Das BMBF fördert die Entwicklung und den Transfer in die Länder mit über zwei Millionen Euro.

Mit den Bildungsketten­-Vereinbarungen werden in mehreren Bundesländern weitere Berufsorientierungsprojekte für Geflüchtete und Neuzugewanderte angeboten, die vom BMBF gefördert werden, wie beispielsweise in Bayern, Bremen oder Nordrhein-Westfalen.

  • Bayern: In Berufsintegrationsklassen wird jungen Menschen der Einstieg in das berufliche Bildungssystem ermöglicht und das ganze Spektrum der Bildungsabschlüsse aufgezeigt. Die Maßnahme ist auf zwei Jahre angelegt. Im ersten Jahr (Berufsintegrationsvorklasse – BIK/V) liegt der Fokus auf Spracherwerb und ggf. Alphabetisierung, Wertebildung und einer ersten beruflichen Orientierung. Im zweiten Jahr (Berufsintegrationsklasse – BIK) geht es insbesondere um die Berufsorientierung. Junge Menschen sollen auf eine Ausbildung oder eine weiterführende Schule vorbereitet werden. In dieser Phase finden auch die Potenzialanalyse und Werkstatttage statt. Die Berufsintegrationsklassen stehen berufsschulpflichtigen Asylbewerberinnen und Asylbewerbern, Geflüchteten und anderen berufsschulpflichtigen jungen Menschen offen, die mangels deutscher Sprachkenntnisse dem Berufsschulunterricht in regulären Klassen ohne Ausbildungsplatz nicht folgen können.
  • Bremen: Die Berufsorientierung für neuzugewanderte junge Menschen basiert auf dem Berufsorientierungsprogramm (BOP) und richtet sich an schulpflichtige Geflüchtete im Alter von 16 bis 18 Jahren. Potenzialanalyse und Werkstatttage bieten hier die Möglichkeit, realistische Vorstellungen über die eigenen Fähigkeiten und Interessen zu gewinnen. Zudem können die jungen Menschen praktische Erfahrungen in verschiedenen Berufsfeldern sammeln.
  • Nordrhein-Westfalen: Mit KAoA-Kompakt können schulpflichtige neuzugewanderte und geflüchtete Schülerinnen und Schülern die bei KAoA vorgesehene berufliche Erstorientierung nachholen. KAoA steht für die Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss". KAoA-Kompakt besteht aus einer 2-tägigen Potenzialanalyse und 3-tägigen Berufsfelderkundung. Bei Bedarf kann am 3. Tag der Berufsfelderkundung eine Orientierung zum deutschen Ausbildungssystem und ergänzend ein 3-tägiger Praxiskurs vorgesehen werden.